Stadtbibliothek Mannheim: Große Ratsmehrheit sprach sich für Neubau-Projekt aus
Von Gerhard Bühler
Mannheim. Die bisher im Stadthaus N1 angesiedelte Zentralbibliothek der Mannheimer Stadtbücherei soll einen Neubau erhalten, um ihren Bildungsauftrag im digitalen Zeitalter besser als bisher erfüllen zu können. Dafür wird im angrenzenden Quadrat N2 das städtische Parkhaus abgerissen. Für dieses Vorgehen stimmte am Dienstag in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses eine große Mehrheit der Gemeinderäte. Kostenschätzungen aus dem Jahr 2017 gehen von 33 Millionen Euro für den Neubau aus.
Schon jetzt scheint aber sicher, dass es dabei nicht bleiben wird. Nachdem CDU-Sprecher Claudius Kranz die Zustimmung seiner Partei mit dem Hinweis verbunden hatte, 33 Millionen seien "die Obergrenze", kam durch SPD-Stadtrat Reinhold Götz postwendend die Replik, dass derzeit die Baupreise um jährlich fünf Prozent steigen. Ebenfalls noch nicht in den Kosten inbegriffen sei die Umgestaltung des angrenzenden Dalbergplatzes.
"Wir brauchen eine neue Stadtbibliothek", erinnerte Götz daran, dass die SPD den Plänen in N2 zustimme, obwohl sie einen Standort am Alten Messplatz der Neckarstadt bevorzugt habe. In der Abstimmung vor einigen Monaten hatte sich die SPD jedoch nicht durchsetzen können . Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) wies die Gemeinderäte auf die konzeptionellen Veränderungen gegenüber den vor einem Jahr präsentierten Plänen hin. Aus Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen der städtischen Tochter Mannheimer Parkhausbetriebe (MPB) sollen weniger der heute 286 Stellplätze in N2 wegfallen als geplant. "Angestrebt werden 200 plus X Plätze", nannte Kurz das neue Ziel. Das Bauvorhaben werde aufgeteilt. "Die Tiefgarage baut die MPB, die Stadt baut die Bibliothek", erläuterte Kurz.
"Die Stadtbibliothek ist unsere größte Bildungs- und Jugendeinrichtung. Bibliotheksneubauten in anderen Städten haben große Effekte erzielt", machte der Oberbürgermeister die an den Neubau geknüpften hohen Erwartungen deutlich. Ebenso solle die "städtebauliche Chance" mit der Neugestaltung des Dalbergplatzes genutzt werden. "Der Neubau ist wichtig für den Stadtentwicklungsprozess", machte Stadtrat Dirk Grunert die Unterstützung der Grünen deutlich.
Wichtig sei eine "herausragende Architektur", gewünscht werde eine Begrünung der Fassade und des Platzes, so Grunert. Zustimmung kam auch von der FDP und der Linken. Gegen das Projekt sprachen sich mit Blick auf die Kosten und wegfallende Parkplätze Achim Weizel (ML/Freie Wähler) und Eberhard Will (Bürgerfraktion) aus.
Eigentlich gehe es angesichts des geplanten Neubaus sowie der offenen Nachnutzungen im Stadthaus N1 und im Dalberghaus um drei Projekte, kritisierte Will eine "Salami-Taktik" der Stadt. "Wir müssen Schritt für Schritt vorgehen, sonst kommen wir nicht weiter", hielt Peter Kurz entgegen. Das Stadthaus gehört zur Hälfte der Stadt. Die andere Hälfte hat 2016 das Bau- und Immobilienunternehmenden Diringer & Scheidel von der LBBW Immobilien und der SV Versicherung übernommen.
Nachnutzungsperspektiven für das Stadthaus zu finden, werde nicht einfach sein, räumte Baubürgermeister Lothar Quast (SPD) ein. Es gebe Überlegungen, den Ratssaal und Sitzungsräume im Dalberghaus unterzubringen. Die Zukunft des Stadthauses ist dagegen völlig offen. Erst vor wenigen Jahren wurde der Bürgersaal mit hohem Kostenaufwand als Theaterhaus für das Oststadttheater umgebaut. Für das Gebäude werde ein Nutzungsmix angestrebt, so Quast. Von einer Zukunft als "teilöffentliches Haus" über Kultur-, Handels- und Dienstleistungsangebote bis hin zu Wohnen steht alles auf dem Prüfstand. Denkbar ist auch ein Abriss.