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Gehälter analysiert: SAP verspricht gleiches Geld für gleiche Arbeit

Von Annika Grah und Barbara Klauß

Walldorf. Ein Jahr nach Einführung des Gesetzes gegen Lohnungerechtigkeit will das Management des Softwarekonzerns SAP Unterschiede in der Bezahlung beseitigen. "Wir haben uns als Unternehmen das Ziel gesetzt: gleiches Geld für gleiche Arbeit und gleiche Leistung", sagte der Personalchef von SAP Deutschland Cawa Younosi. Dafür hat der Konzern aus Walldorf die Gehälter seiner deutschen Mitarbeiter mit Hilfe eines externen Beratungsunternehmens analysiert. "Der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen Anpassungen vorgenommen werden, liegt bei 1,2 Prozent der Gesamtbelegschaft in Deutschland." Noch im Dezember sollen diese Lücken ausgeglichen werden.

Seit diesem Jahr haben Frauen und Männer in Deutschland nach dem sogenannten Entgelttransparenzgesetz ein Recht darauf in Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern zu erfahren, was Kollegen in vergleichbarer Position verdienen. Außerdem müssen diese Unternehmen das überprüfen. Ziel ist es, Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern auszumerzen. Bei SAP werde allerdings schon immer auf gleiche Bezahlung geachtet, so Younosi. Deshalb sei die Lücke auch nur "sehr gering" gewesen.

Der Softwarekonzern ist wie viele IT-Firmen nicht in der Tarifbindung. Tarifverträge, wie sie beispielsweise bei Daimler oder beim IT-Konzern IBM gelten, geben für weite Teile der Belegschaft vor, welcher Lohn für welchen Arbeitsplatz vorgesehen ist. "Für außertariflich Beschäftigte gelten ähnliche Regelungen, die garantieren, dass sich die Bezahlung nach der jeweiligen Ebene und der Aufgabenschwierigkeit richtet", sagt ein Daimler-Sprecher.

In der IT-Branche dürfte einer der Vorreiter bei dem Thema der US-Konzern IBM sein. Er legt seit den 1930er Jahren Wert darauf, dass Männer und Frauen gleich bezahlt werden. In Deutschland hat IBM außerdem einen Haustarifvertrag. Auch bei SAP-Konkurrent Microsoft setzt man auf den Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit".

Bei SAP fährt man laut Personalchef Younosi nun eine "Nulltoleranzstrategie". Es gehe nicht nur um Unterschiede zwischen den Geschlechtern: "Wir wollen auch nicht, dass ein Mann schlechter bezahlt wird als ein anderer Mann oder eine Frau."Allerdings räumt er ein: "Der Anteil der Frauen, bei denen das Gehalt angepasst wurde, ist etwas höher als bei den Männern." Bei rund 25.000 Beschäftigten in Deutschland habe man bei 143 Männern und 123 Frauen Nachholbedarf aufgedeckt. Der Frauenanteil bei SAP liegt in Deutschland bei etwa 30 Prozent.

Wie bei SAP haben auch bei anderen Firmen in der Region Mitarbeiter von ihrem Auskunftsrecht nach dem Entgelttransparenzgesetz Gebrauch gemacht - allerdings in viel geringerem Umfang. So teilte der Pharmahersteller Roche mit, es habe seit Anfang des Jahres bei rund 17.000 Mitarbeitern in Deutschland weniger als zehn Anfragen gegeben. Der Chemiekonzern BASF zählte 90 Anfragen bei mehr als 50.000 auskunftsberechtigten Mitarbeitern. In keinem Fall wurde demnach das Gehalt angepasst. Bei Heidelberger Druckmaschinen gab es einem Konzernsprecher zufolge keine Anfragen.

Der so genannte "Gender Pay Gap" bezeichnet die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen über alle Branchen und Berufe hinweg. In Deutschland lag sie laut Statistischem Bundesamt zuletzt bei 21 Prozent. Frauen verdienen meist schlechter, weil sie häufiger in Teilzeit und in schlechter bezahlten Berufen zum Beispiel im sozialen Bereich arbeiten. Rechnet man diese Faktoren heraus, ist der Lohnunterschied geringer, aber immer noch da.

Aber auch innerhalb von Konzernen verdienen Frauen teilweise weniger - etwa, weil sie eine Weile in Teilzeit gearbeitet haben und so Nachteile in der Karriere haben. Um die Lücke zu schließen, versucht man bei Microsoft seit Jahren mit flexiblen Arbeitsbedingungen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und so auch die Karrierechancen von Frauen zu verbessern. Auch bei SAP bemüht man sich, Frauen anzulocken und schreibt zum Beispiel Führungspositionen inzwischen in Teilzeit aus. "Wir tun alles dafür, dass der Frauenanteil steigt", sagt Personalchef Younosi. "Das Problem ist, dass im Tech-Bereich die Gesamtanzahl der Frauen, aus der wir rekrutieren können, nicht sehr hoch ist."

Bereits Anfang dieses Jahres hatten Arbeitnehmervertreter bei SAP - unabhängig von der Debatte um die Bezahlung von Frauen - für ein transparenteres und gerechteres Vergütungssystem plädiert. Die Rede war von großen Gehaltsunterschieden bei mehr oder weniger gleicher Tätigkeit. Dem widersprach Younosi: "Gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit unabhängig vom Geschlecht, der Herkunft oder anderen Faktoren ist für uns Unternehmensräson."

DIW zu Gender Pay Gap

Verdienstunterschiede Statistisches Bundesamt

Gleiche Bezahlung bei IBM

Microsoft zu Diversity

Bundesfamilienministerium zum Entgelttransparenzgesetz

IBM zu Equal Pay

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