Gedenken in Eberstadt: Ein Stein erinnert an den Fanatismus der Nazis
Eberstadt. (lm) "Wir möchten mit diesem Stein an die Vergangenheit erinnern und ein Zeichen für unsere Zukunft setzen". So Ortsvorsteher Nico Hofmann im Rahmen der Gedenksteinenthüllung im örtlichen Schlosspark und im Beisein zahlreicher Bürger, Beteiligter und Projektverantwortlicher.
In dem kleinen Park, der schon viel von der Eberstädter Geschichte zeigt, soll der Stein an die ehemaligen jüdischen Mitbewohner erinnern, die aufgrund ihrer Religion den Fanatismus des Nationalsozialismus erleiden mussten und nach Gurs in Frankreich oder direkt in ein Konzentrationslager verlegt und dort ermordet wurden.
Sie wurden zum Sündenbock für alles gemacht, was negativ war. Die Ermordung der 81-jährigen Susanna Stern in Eberstadt im Zusammenhang mit der Pogromnacht 1938, stellte Nico Hofmann besonders heraus.
In diversen Arbeitssitzungen seien die Planungen für den Gedenkstein durchgeführt und als Gemeinschaftsprojekt im Rahmen eines offenen Workshops mit Ortschaftsrat, Kirchengemeinderat und der Bevölkerung verwirklicht worden. Als Standort wählte man die direkte Nachbarschaft des Steins zum christlichen Kreuz, dem Kriegerdenkmal, auf dem jüdische und nichtjüdische Namen von Gefallenen stehen, und ebenfalls in direkter Sichtverbindung zur jüdischen Synagoge.
Mit der Teilung des Steins, eine Hälfte steht bald in Neckarzimmern und die andere jetzt im Eberstädter Schlosspark, will man symbolisch an das Herausreißen der Menschen durch die Handlanger des Nationalsozialismus aus der hiesigen Dorfgemeinschaft und die Trennung erinnern. Das Hauptsymbol bildet der Judenstern auf der Spitze des Steins, welcher ebenfalls geteilt wurde und auch nur durch Zusammenfügen beider Steine vollständig ist.
"Die beiden Teile dokumentieren auch, dass wir uns dem Unrecht auch heute noch bewusst sind und man Getrenntes auch wieder zusammenfügen kann", betonte Nico Hofmann. Allen, die während des Workshops bei der Entwicklung und Realisierung mitgeholfen hatten, galt ein Dankeschön des Ortsvorstehers, ebenso wie F. Hartmann und H. Stude vom Projektteam Neckarzimmern, Sebastian und Horst Uretschläger für die Bearbeitung sowie Aufstellung des Steins und Dr. Kurt Solomon Maier für seinen Vortrag im Rahmen der Einweihungsfeier im Eberstädter Rathaus.
"Die Erinnerung an unsere Vergangenheit kann uns davor bewahren, solche Fehler wie die in der NS-Zeit in der Zukunft nicht wieder zu begehen. Die Erinnerung an die Vergangenheit ist ein wichtiger Baustein zum Erhalt des Friedens", erklärte Hofmann.
Einen tiefen Einblick in die Abläufe und Geschehnisse in der Zeit um 1940 mit all ihren menschlichen Abgründen gaben auch die Kirchengemeinderäte Jürgen Häfner und Monika Häfner. In einem gemeinsamen Gebet wurde um eine offen gesinnte demokratische Gesellschaft gebeten und der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass in unserer heutigen Gesellschaft keine Diskriminierung, Verfolgung oder Unterdrückung von Menschen mehr stattfindet.
Martin Meier ging als Leiter der Jugendbildungsstätte Neckarzimmern und Mitglied im Vorstand "Mahnmalverein" erfreut auf die Solidarität der Eberstädter ein, die mit ihrem Projekt und dem Stein ähnlich vieler anderer badischer Gemeinden zeigen, dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von Religion und Herkunft. Er erläuterte, dass das Mahnmal im Gedenken an die Deportation der badischen Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs einen Davidsstern in der Größe 23,5 mal 23,5 Meter zeige, wenn alle 137 Gedenksteine der betroffenen badischen Gemeinden angebracht sind, von denen aktuell bereits 127 Steine sitzen. Vier weitere, darunter auch der Eberstädter "Zwillingsstein", kamen am Wochenende dazu. Damit habe man bisher rund 3000, vor allem junge Menschen, aktivieren können, an diesem Projekt teilzunehmen und sich mit diesem unrühmlichen Teil der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.