Universität Heidelberg: Die Exzellenztrauben hängen hoch
Von Heribert Vogt
Heidelberg.Wenn man die Rede von Rektor Bernhard Eitel bei der Jahresfeier der Universität Heidelberg in der Alten Aula richtig deutet, dann hängen die Trauben der Wiedererlangung des Exzellenzstatus 2019 hoch. Die beiden gewonnenen naturwissenschaftlichen Cluster scheinen keinerlei Garantie für den Erfolg zu sein. Denn Eitel sprach von "herber Enttäuschung" und "tiefen Tälern", welche die Ruperto Carola durchschritten habe.
Und in seiner Ansprache relativierte der Rektor die Bedeutung des nationalen Exzellenzwettbewerbs, während er die eigenen Initiativen betonte, jedoch ohne Verwendung des Wortes "Volluniversität". Und es war auch kein Studierendenvertreter an der Jahresfeier beteiligt - 2017 hatte dieser noch den forcierten Exzellenzkurs des Rektorats hinterfragt.
Zur Exzellenzstrategie äußerte sich der Rektor distanziert: "Ein Wettbewerb, der über Jahre Kräfte bündelt, stellt sich selbst in Frage. Von ca. 120 Universitäten in Deutschland haben sich nur ca. 60 am Exzellenzwettbewerb beteiligt. Von diesen sind 34 im Clusterwettbewerb erfolgreich, und nun kämpfen 17 Einzeluniversitäten und zwei Universitätsverbünde darum, zu den besten 11 ausgewählten Einrichtungen zu gehören, die einen zusätzlichen Schlag Bundesgeld und vor allem das Label ‚exzellent‘ erhalten sollen."
Offenbar kalkuliert Eitel einen Verlust des Exzellenzstatus ein, wenn er zum Schluss sagt: "Sind die Hürden hoch, zu hoch, um sie zu überwinden, dann kann man unter ihnen durchkrabbeln und auf diese Weise zügig zum Ziel kommen." Zunächst jedoch setzt der Rektor auf Anstrengung. Denn die Ruperto Carola befindet sich "mit Mut und Zuversicht" in der Spitzengruppe des Wettbewerbs: "Der gemeinsame Spirit ist spürbar, viele, sehr viele wollen sich engagieren, wollen mithelfen und Verantwortung für diese letzte Spurtstrecke mitübernehmen."
Aber über den Zieleinlauf bei der Exzellenzstrategie hinaus bleibt die Ruperto Carola "eine der führenden Forschungsuniversitäten Europas". Jedoch schien deren Profil stark naturwissenschaftlich geprägt. Denn Eitel schlug einen Bogen von den gewonnenen Clustern "Structures" und "3D Matter Made to Order" (in Kooperation mit Karlsruhe) über den kommenden lebenswissenschaftlichen Innovationscampus "Heidelberg 4 Life", das neue Institute for Molecular Systems Engeneering, den künftigen Nanobiologiebau, den Neubau der Chirurgie, ein neues Herzzentrum und den Ausbau des Wissenschaftlichen Rechnens bis hin zum entstehenden Europäischen Zentrum für Neuromorphes Computing. Da zeigte sich Eitel euphorisch: "Hier können wir mit Recht stolz auf das Erreichte sein und mit aufgeregter Erwartung in die Zukunft blicken."
Hingegen wirkte das "kurz vor der Fertigstellung" stehende Cats, Zentrum für Asienwissenschaften und Transkulturellen Studien, ein wenig wie ein geisteswissenschaftliches Feigenblatt, auch wenn es "seinesgleichen in Europa sucht". Weiterhin thematisierte der Rektor die Heidelberg School for Education, den Campus Bergheim, Projekte für Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler sowie den Campus in Mannheim, der "gerade eine prosperierende Phase" durchläuft.
Vor allem aber präsentierte Eitel die Ruperto Carola als "international orientierte Forschungsuniversität". So hat sich die Allianz Heidelberg-Karlsruhe mit der neu gebildeten Sorbonne Université in Paris und der Universität Warschau verbunden, zusätzlich zu den bestehenden Beziehungen nach Frankreich und Polen. Die Verbindungen nach Indien und Japan werden vertieft: Es steht der erste gemeinsame Studiengang mit einer japanischen Universität (Kyoto) an. Wie es in Südamerika weitergeht, wird 2019 entschieden. Zufrieden zeigte sich der Rektor mit dem New Yorker Büro, nun konnte auf zehn Jahre Heidelberg University Association zurückgeblickt werden.
Aber was wäre das Globale ohne das Lokale. So ließ Eitel oft Badener Boden-haftung aufscheinen. Und zumindest bei der Verleihung des Hengstberger-Preises an Nachwuchswissenschaftler war eine große Bandbreite an Disziplinen vertreten (die RNZ berichtete). Wichtig ist auch die Heidelberger Basis, und hier wurde Dr. Caroline von Kretschmann, Geschäftsführerin des Hotels Europäischer Hof, in den Kreis der Ehrensenatoren der Ruperto Carola aufgenommen.
In seiner Laudatio verwies der Rektor auf die Verdienste Caroline von Kretsch᠆manns als "Freundin und Förderin der Universität". Zu den Stationen der 1968 in Heidelberg geborenen Betriebswirtin zählten die Deutsche Bank in Frankfurt sowie zwei Unternehmensgründungen in Berlin. Seit 2012 ist sie in vierter Generation Geschäftsführende Gesellschafterin des Europäischen Hofs. Diese "gute Stube Heidelbergs" ist Kristallisationspunkt und Bindeglied von Stadt und Universität, wo sich "ganze Heerscharen" von Wissenschaftlern treffen. Dort habe Caroline von Kretschmann "mit allem Charme und aller Professionalität" auch als Botschafterin der Ruperto Carola für den Standort Heidelberg geworben. Eitel dann mit Blick auf Baustellen wie die Masterplanung im Neuenheimer Feld: "Wir brauchen weiterhin solche Wohlfühlorte in Heidelberg."