Nicht nur die unsaubere wissenschaftliche Arbeit ist skandalös: Die Ärzte führten an den Kindern invasive Untersuchungen durch — Verfahren, bei denen ein Eingriff in den Körper der untersuchten Person stattfindet — und das, obwohl sie weder medizinisch notwendig noch ethisch vertretbar gewesen wären.
So wurden unter anderem Lumbalpunktionen an den Kindern durchgeführt, bei denen eine Nadel im unteren Rückenbereich in den Rückenmarkkanal gestochen wird, um Flüssigkeit zu entnehmen. Dr. Surendra Kumar, Mitglied der Ärztekammer, sagte, Wakefield habe mit „grausamer Gleichgültigkeit gegenüber der Verzweiflung und den Schmerzen der Kinder“ gehandelt.
Der Betrug fiel schon Jahre vor Beschluss der Ärztekammer auf. Berichten der „Sunday Times“ zufolge wurden Ärzten und Wissenschaftlern rund 3,5 Millionen Pfund (rund 4 Millionen Euro) dafür ausgezahlt, dass sie sich gegen den Dreifachimpfstoff aussprachen. Auch Wakefield soll dafür rund eine halbe Million Pfund bekommen haben.
Auch die Bevölkerung bekam die Folgen zu spüren
Auch wenn die Studie zurückgezogen wurde, richtete sie einen Schaden an, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Nach der Veröffentlichung sanken die Impfraten im Vereinigten Königreich laut „Spiegel Online“ von 92 Prozent auf 79 Prozent — ein absolutes Rekordtief. Im März 2006 starb zum ersten Mal seit 14 Jahren ein Kind an Masern.
Auch Deutschland bekam die Folgen zu spüren: Nur rund 80 Prozent der Kleinkinder wurden im Jahr 2010 in Deutschland geimpft. Dabei war das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis 2010 die Masern völlig ausgerottet zu haben.
Meinungen über MMR-Impfung sind immer noch geteilt
Tatsächlich beweisen mehrere groß angelegte Studien, dass Wakefields Theorie schlichtweg sehr unwahrscheinlich ist — zumal eine Untersuchung an zwölf Kindern nicht sonderlich aussagekräftig ist.
Dem „Telegraph“ zufolge ist Wakefield trotzdem immer noch der Meinung, dass die MMR-Impfung Anlass zur Sorge ist. Er sagte, die Eltern, die zu ihm kommen, weil sie denken, dass die Impfung die Krankheit des Kindes ausgelöst hat, verdienen eine Antwort.
Immer noch gibt es Menschen, die Wakefield unterstützen und sagen, die Medizin und Politik habe lediglich eine Kampagne auf die Beine gestellt, um den Arzt zu stürzen.
Ob und wofür Kinder geimpft werden sollen, ist keine einfache Entscheidung. Klar ist jedoch, dass die Entscheidung nicht basierend auf einer zweifelhaften Studie getroffen werden sollte.