Raiffeisenmarkt Schefflenz schließt: Der Umsatz reicht nicht mehr aus
Von Peter Lahr
Oberschefflenz. "Das ist der Witz des Jahrhunderts", empört sich ein älterer Herr an der Kasse und erntet zustimmendes Kopfnicken. "Das Lagerhaus gibt es, seit es mir gedenkt", ergänzt seine Nachbarin, ebenfalls im besten Alter. Nach dem Kaufhaus Zilling schließt Ende Oktober mit dem Raiffeisenmarkt der BAG Franken eine weitere "Institution", die für viele Schefflenzer schlicht zum Alltag gehörte. Dass sich der Betrieb einfach nicht mehr rechne, erläutert Uwe Schöttle, geschäftsführender Vorstand der BAG Franken in Bad Friedrichshall.
"Liebe Kunden, um unsere Unternehmen den strukturellen Veränderungen im Handel und im Kaufverhalten anzupassen, sind wir leider gezwungen, unseren Raiffeisenmarkt in Oberschefflenz zum 31. Oktober 2018 zu schließen. Unser Agrargeschäft an Standort werden wir noch bis zum Frühjahr 2019, voraussichtlich bis zum 30. April 2019 weiterführen." So steht es in bürokratisch anmutenden Sätzen auf einem Papier an der Eingangstür des Oberschefflenzer Marktes.
Das Haus- und Gartenmarktsortiment erhalte man weiter in den BAG-Märkten in Buchen und Möckmühl. Auch Kunden mit Saftumtauschkontingent werden an diese - sowie alle anderen BAG-Märkte - verwiesen. Dort hätten sie die Möglichkeit, ermäßigten Saft einzukaufen.
Tatsächlich ist das Angebot im "Lagerhaus" ein äußerst vielfältiges. Die Annahme von Äpfeln zum Saften gehört vor Ort ebenso dazu wie ein reich gefüllter Markt. Pflanzen, Geschenke und Dekoartikel, Getränke und Sämereien, Obst und Lebensmittel gehören zur bunt gemischten Produktpalette. Daneben Tierfiguren für die "Kleinen" und praktisches Handwerkszeug für Hobbygärtner und Landwirte.
"So ein Markt lebt vom Umsatz. Seit Jahren ist die Entwicklung in Oberschefflenz rückläufig, wir verdienen da schon lange kein Geld mehr", erklärt Uwe Schöttle. "Das fällt uns auch nicht leicht", fügt er hinzu. Denn er würde natürlich lieber einen Markt eröffnen, als einen zu schließen. Aber die wirtschaftliche Entwicklung lasse keine anderen Schlüsse zu. Um einen Markt von der Größenordnung am Laufen zu halten, benötige man einen Jahresumsatz von einer dreiviertel bis einer Million Euro. Nur so ließen sich die Kosten für Personal, Energie und Warenbestand decken.
Nicht erfüllt habe sich die letzte Hoffnung, dass nach der Schließung des Billigheimer Raiffeisenmarktes neue Kunden nach Schefflenz kämen. Aber da sei die Kaufkraft eher Richtung Möckmühl und Mosbach abgewandert.
Vier Mitarbeiter seien von der Schließung betroffen, erklärt Schöttle. Da sah er bei 100 BAG-Mitarbeitern insgesamt aber kein Problem. Entweder löse es sich durch "natürliche Fluktuation", oder man beschäftige die Mitarbeiter an anderen Standorten weiter.
Apropos andere Standorte: Das landwirtschaftliche Geschäft werde man zwar in Oberschefflenz auch schließen, aber an der Modernisierung der Billigheimer Ernteannahmestelle halte man fest. "Die Baugenehmigung wurde bereits erteilt. Jetzt warten wir auf die Baufreigabe", skizziert Schöttle den Status Quo.
Eine Art Trostpflaster hält das Hinweisblatt an der Eingangstür des Schefflenzer Marktes noch bereit: "Nutzen Sie unseren Abverkauf ab 1. Oktober von vielen Artikeln mit bis zu 50 Prozent Rabatt."