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RNZ-Serie "Bahn-Geschichten": "Muss ich mich auch noch veräppeln lassen?"

Von Stefan Hagen

Heidelberg/Rhein-Neckar. Um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Als Pendler bin ich heilfroh, dass es die Deutsche Bahn gibt. Kein Auto, kein Stau, keine Parkhausgebühren, die Umwelt und so weiter.

Aber: Es ist eine Hassliebe. Dazu gleich mehr. In diesem Zusammenhang hat Zeit-Autor Francesco Giammarco jüngst treffend festgestellt, dass die Bürger und die Deutsche Bahn ein seltsames Verhältnis hätten. Wie ein dysfunktionales Ehepaar. Man erträgt sich. Beide Seiten wissen, sie brauchen einander, aber irgendwie funktioniert es einfach nicht.

Der Mann hat recht: Allein in diesem Monat kam mein Zug - in diesem Fall die Regionalbahn 68 von Frankfurt nach Heidelberg und wieder zurück in die Bankenmetropole - bis zum Samstag sage und schreibe zehn Mal mit nennenswerter Verspätung am Zielbahnhof an. Zweimal sind Züge komplett ausgefallen. Okay, versuche ich mich dann stets zu beruhigen, man sollte das Ganze nicht zu hoch hängen. Schließlich gibt es laut Bahn ja stets gute Gründe für das Nichteinhalten des Fahrplans.

"Weichenstörung" - die liebe Technik , was will man da machen. "Personen im Gleis" - na klar, Sicherheit geht vor. "Störungen im Betriebsablauf" - die beliebte Ausrede für alles, was schief laufen kann. Soll ich mich darüber aufregen? Geschenkt! Man kann ja doch nichts daran ändern.

Aber muss ich mich von der Bahn eigentlich auch noch veräppeln lassen? Als ich am Freitag im Bahnhof Heidelberg-Pfaffengrund/Wieblingen aus dem Zugfenster blicke, fühle ich mich tatsächlich provoziert. "Entspannt zur Arbeit" heißt es da auf einem überdimensionierten Plakat, auf dem ein cooler Typ im lässig-legeren Freizeit-Look Werbung für das Bahnfahren macht. In diesem Augenblick hat mein Zug bereits 21 Minuten Verspätung - und ich bin mal wieder alles andere als entspannt.

So ist das fast täglich. Bei wichtigen Terminen heißt es, die Bahn-App im Blick zu haben - und zwar mit langer Vorlaufzeit. Aber auch das garantiert nicht, dass alles glatt läuft. Wer pünktlich an seiner Arbeitsstätte sein muss und keine gleitende Arbeitszeit hat, sollte ernsthaft in Erwägung ziehen, das Verkehrsmittel zu wechseln.

Aber, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin heilfroh, dass es die Deutsche Bahn gibt. Kein Auto, kein Stau, keine Parkhausgebühren, die Umwelt und so weiter. Und so werde ich auch künftig mit einem mulmigen Gefühl die Bahn-App im Auge behalten und mit bangem Blick die Anzeigetafel hypnotisieren, damit ja keine Verspätungsmeldung auftaucht. Die Bahn sollte uns Pendler künftig aber mit solchen Botschaften verschonen. Und überhaupt glaube ich nicht, dass das Model auf dem Plakat Bahnkunde ist. Dafür wirkt der Mann viel zu "entspannt".

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