Burkini-Streit Hockenheim: 28-Jährige hofft auf Entschuldigung des Aquadroms
Von Olivia Kaiser
Hockenheim. Dass ihr Facebook-Post so hohe Wellen schlagen würde, damit hatte die 28-jährige Sandhäuserin nicht gerechnet, als sie ihrem Ärger Luft machte. Die Frau war im Hockenheimer Aquadrom von einem Bademeister angesprochen worden, weil sie einen Burkini trug - von dem der Bademeister aber nicht ganz überzeugt war. "Es ist ein handelsüblicher Burkini", beteuert die Frau im Gespräch mit der RNZ. Dabei handle es sich um einen Zweiteiler mit einer Hose, die an den Fußöffnungen einen Gummizug hat, und ein Oberteil mit Kopfteil, das die Haare bedeckt. Bis auf Hände, Füße und Gesicht ist damit der ganze Körper bedeckt.
"Ich trug den Burkini, als ich ins Bad kam und habe an der Kasse gefragt, ob ich damit ins Wasser kann", erzählt die 28-Jährige. "Die Dame an der Kasse war sehr nett und sagte, es sei kein Problem."
Zunächst war es das auch nicht. Sie sei mit ihrer kleinen Tochter längere Zeit im Wasser gewesen und habe dann eine Pause gemacht. Als sie wieder ins Wasser wollte, sei ein Bademeister auf sie zugekommen und habe sie lautstark auf ihren Burkini angesprochen. "Er bezweifelte, dass es ein echter Burkini ist", sagt sie. Im Aquadrom sind Burkinis erlaubt, wie Hockenheims Stadtsprecher Christian Stalf erklärt.
Allerdings muss die Badebekleidung den Richtlinien der Gesellschaft für deutsches Badewesen entsprechen, die besagt, dass der Burkini aus Kunstfaser - so wie in Deutschland übliche Badebekleidung - bestehen muss.
Das sei bei ihrem Burkini der Fall, betont die Sandhäuserin. Doch das schien der Bademeister wohl zu bezweifeln, denn laut ihrer Aussage wollte er den Burkini - und damit auch die Frau selbst - mehrfach berühren, was die 28-Jährige jedoch verweigerte. Daraufhin hat sie das Bad freiwillig verlassen.
Die Mutter einer kleinen Tochter stört sich weniger an Baderichtlinien, als an der Art und Weise, wie sie im Aquadrom behandelt worden sei. "Wenn ich in ein Schwimmbad gehe, dann frage ich immer vorher nach, ob Burkinis erlaubt sind, und wenn nicht, dann akzeptiere ich das und besuche ein anderes Schwimmbad", erklärt sie. "Hätte der Bademeister mich ruhig angesprochen und nach meinem Burkini gefragt, wäre das für mich okay gewesen." Doch der Mann habe sie lautstark am Beckenrand abgekanzelt, so dass alle anderen Badegäste die Situation mitbekommen hätten. "Alle haben mich angestarrt, das war für mich eine diskriminierende Situation." Mehrfach habe sie gefragt, was das Problem mit ihrem Burkini sei, der Mann sei jedoch nicht auf ihre Fragen eingegangen. Als sie sagte, sie wolle sich beschweren und nach dem Namen des Bademeisters fragte, habe er ihn nicht nennen wollen.
Mittlerweile hat die Familie eine förmliche Beschwerde an das Bad geschrieben. Deren Eingang bestätigte Christian Stalf. "Die Beschwerde wird jetzt bearbeitet, dann werden wir Kontakt mit der Familie aufnehmen. Wir möchten die Sache gern klären", betonte er. Immerhin gab es Boykottaufrufe in den sozialen Netzwerken. Die Sandhäuserin hofft nun auf eine Entschuldigung.
Mit der Heftigkeit vieler Kommentare hat sie nicht gerechnet: "Viele Leute haben mich persönlich angegriffen, mich als Asylantin beschimpft und gesagt, ich soll wieder nach Hause gehen. Aber Deutschland ist meine Heimat. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich weiß zu schätzen, dass ich in einem freien Land lebe, in dem es keine Kleidervorschriften gibt. Deshalb bedaure ich, dass ich beschimpft werde, wenn ich zum Schwimmen einen Burkini tragen möchte."