Leutershausen: Äpfel brauchen Temperatur-Schwankungen
Von Annette Steininger
Hischberg-Leutershausen. Für Obstbaumeister Werner Volk sind die Folgen der Hitze nicht so schlimm wie für andere Landwirte. Denn das meiste Obst kann man immerhin gut wässern. 60 bis 70 Prozent mehr Bewässerung als in anderen Jahren hat er diesmal aufwenden müssen, damit zum Beispiel seine Äpfel gedeihen. Auch die Erntehelfer hatten bei der Hitze einen höheren Wasserbedarf: "Das war bestimmt die doppelte Menge an Mineralwasser, die ich in diesem Jahr eingekauft habe", meint Volk.
Gerne hätte er auch die Arbeitsstunden mehr in den Abend hineinverlegt, "aber es hat ja auch dann nicht abgekühlt". Der 55-Jährige nimmt die Hitze aber nüchtern hin: "Wenn man in der Natur zu tun hat, bleibt es immer spannend. Da ist kein Jahr wie das andere."
So sind er und seine Mitarbeiter mit der Apfel-Ernte zwei Wochen früher dran. Begonnen haben sie in der ersten Juli-Woche mit den Frühsorten, aktuell ernten sie sogar schon Herbst-Sorten. Vom Baum runter kommen jetzt Gala, Elstar und Cox-Orange. Auch Gold-Pamene - eine uralte, süße und sehr aromatische Sorte, die laut Volk schwierig im Anbau ist, "aber ihre Liebhaber hat".
Anfang bis Mitte Oktober, so rechnet Volk, wird die Apfel-Ernte dann abgeschlossen sein. "Sonst ist es Ende Oktober", sagt Volk. "Wir haben auch erstmals in der dritten Juni-Woche Zwetschgen abgemacht", erzählt der Obstbaumeister. "Das habe ich noch nie erlebt."
Grund hierfür ist aber nicht die Hitze, wie man meinen könnte, sondern die explosionsartige Entwicklung der Natur schon im Frühling. Durch die Hitze jetzt im Sommer haben die Äpfel, die bis dahin gut gediehen waren, zwei Probleme bekommen. Zum einen fehlte es so mancher Frucht an Farbe, "denn die gibt’s nur, wenn es nachts etwas kühler ist", erläutert Volk. "Der Apfel braucht die Temperaturschwankung." Das zweite Problem: So mancher Apfel wollte aufgrund der Hitze nicht mehr wachsen.
Daher geht Volk in diesem Jahr von gut zehn bis 20 Prozent weniger Ertrag aus, was er an eben fehlender Größe bemisst. In der Regel hat ein Apfel sieben bis acht Zentimeter Durchmesser, bei manchen fehlen nun ein bis 1,5 Zentimeter. Die großen verkauft Volk dem Großhandel, die kleinen werden zu Saft oder Schnaps verarbeitet. Auch im Hofladen finden neben den "normalen" Äpfeln auch die kleineren ihre Abnehmer. "Sie kommen besonders bei Kindern gut an", sagt Volk. Seit acht Tagen ist aber wieder alles anders; die Äpfel haben durch die nun etwas kühleren Tage wieder einen Schub gemacht. Volk zeigt sich im RNZ-Gespräch insgesamt mit dem bisherigen Ernteergebnis zufrieden. "Auch die Qualität kriegen wir hin."
Nur einen "Sommerschnitt" konnten sie diesmal nicht machen. Dabei werden überstehende Triebe abgeschnitten, damit die Äpfel mehr Sonne abbekommen. "Das ging nicht, weil sie sonst einen Sonnenbrand bekommen hätten", sagt Volk. "Aber das ist jetzt nur ein optisches Problem", verweist der Obstbaumeister auf die daher vielleicht fehlende Farbe.
Sind die Äpfel dann einmal vom Baum, kommen sie in die neue Lagerhalle von Volk, die er westlich seines Hofs errichtet hat. Seit Mai ist der 1500-Quadratmeter-Bau mit einer Höhe von 8,60 Metern fertig und seit wenigen Wochen auch die Außenanlage.
Die Halle beherbergt unter anderem eine neue Apfelsortiermaschine, die Volk im Gegensatz zur alten jetzt auch für Birnen verwenden kann. Eine Kamera vermisst die Äpfel und schickt sie je nach Größe auf verschiedene Bänder. Zuvor durchlaufen sie ein Wasserbad, bekommen eine kleine Dusche und trocknen schließlich auf einer Art Schwamm-Unterlage, was dafür sorgt, dass sie wie poliert aussehen.
Stolz ist Volk auch auf die drei neuen Kühlräume in der Halle, weil man hier nicht nur Äpfel - bei zwei bis vier Grad - und Birnen - bei minus ein bis plus ein Grad - lagern, sondern auch den Sauerstoff herunterregeln kann. Diese "kontrollierte Atmosphäre" sorgt dafür, dass die Äpfel länger haltbar bleiben. "Theoretisch wäre sogar über ein Jahr möglich", sagt Volk. Im normalen Kühlhaus ist dies nur ein halbes Jahr denkbar.
Wollte der Obstbaumeister zuvor etwas länger lagern, nutzte er die Kühlhäuser von Kollegen, die bereits über eine solche Technik verfügen. Aber so ist es natürlich einfacher. Und der Apfel schmeckt so fast das ganze Jahr über (fast) wie direkt vom Baum.