Weinheim: Habicht-Abschuss bleibt ein Rätsel
Von Anna Manceron
Weinheim. Fast zwei Monate ist es her, dass auf dem Gorxenkopf ein brütendes Habichtweibchen tot aufgefunden wurde. Der Greifvogel war mit einer Schrotladung abgeschossen worden. Wer hinter dem illegalen Abschuss steckt, ist noch immer unklar.
Die Bürgerinitiative "Gegenwind Weinheim" vermutet nun, dass hinter dem Angriff auch Befürworter der Windindustrie stecken könnten. Denn das Brutrevier der Habichte grenzt an ein Gebiet, das die Stadt vorrangig für Windkraftanlagen ausweisen will.
Es geht dabei um den sogenannten Freibereich 4 (FB4). Dieser liegt südlich von Gorxheim auf Weinheimer Gemarkung. Ob der Bereich künftig als Fläche für mögliche Windkraft-Projekte ausgewiesen werden darf, ist aber noch unklar. Denn dafür müsste erst die Landschaftsschutzgebietsverordnung geändert werden.
Die Stadt Weinheim hat zwar eine Änderung beantragt, wartet aber nach eigenen Angaben noch auf die Rückmeldung der unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises.
"Natürlich wissen wir nicht, wer den Habicht abgeschossen hat und ob Windkraftbefürworter daran beteiligt waren", erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative, Matthias Kraus. Aber: "Es ist schon ein merkwürdiger Zufall, und auf den möchten wir aufmerksam machen."
In einer Pressemitteilung weist die Bürgerinitiative zudem auf "ähnliche Aktionen" gegen geschützte Vogelarten hin. Als Beispiel nennt sie etwa den sogenannten "Baumklopfer vom Bastwald" aus dem hessischen Vogelsbergkreis. Dort hatte die Polizei zuletzt wochenlang nach einem Mann gesucht, der an Bäume klopfte, um darin nistende Greifvögel zu vertreiben. Inzwischen ermittelt die Polizei gegen einen 37-Jährigen, der sich den Behörden selbst stellte.
Die Stadt Weinheim sieht jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem getöteten Habicht und dem Freibereich 4, der eventuell für Windkraft-Projekte in Frage kommt. In einer Pressemitteilung wies Erster Bürgermeister Torsten Fetzner zudem darauf hin, "dass es in Weinheim aktuell keine geplanten Bauvorhaben zur Errichtung von Windkraftanlagen gibt".
Der abgeschossene Habicht war Anfang Juni von Peter Schabel auf dem Gorxenkopf gefunden worden. Der Birkenauer arbeitet ehrenamtlich für die staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Als Beauftragter für den Greifvogel- und Eulenschutz im Vorderen Odenwald kontrolliert er ein Gebiet von 150 Quadratkilometern. Auf die Habichte gibt er dabei besonders acht.
Schabel beobachtet auch jene Habichte, die auf Weinheimer Gemarkung an der Landesgrenze zu Hessen brüten. Im März hatte der Vogelschützer am Gorxenkopf wieder ein brütendes Weibchen entdeckt. Anfang Mai sollten dann die Jungtiere schlüpfen, so seine Berechnung. Bei Schabels nächstem Besuch war von den jungen Greifvögeln jedoch nichts zu sehen. Nur ein paar Federn habe er auf dem Waldboden gefunden. Ob das Weibchen tot oder verletzt im Nest lag, konnte der Vogelexperte vom Boden aus nicht erkennen. Die Habichte nisteten in etwa 20 Metern Höhe.
Nichts Gutes ahnend, informierte der Vogelschützer zunächst die untere Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises. Beim Regierungspräsidium in Karlsruhe holte er sich die Erlaubnis, auf den Baum klettern zu dürfen.
Anfang Juni war es dann so weit: Mithilfe des "Baumretter-Teams" von der DRK-Bergwacht Heppenheim konnte Schabel den toten Vogel und die Eier aus dem Nest bergen. Die Untersuchung des Kadavers ergab, dass der Habicht bereits Anfang April mit einem Schrotgewehr abgeschossen worden war.
Die Zahl der Habichte in der Region sei in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, berichtet Schabel. "Dieses Jahr habe ich nur sieben Bruten gezählt. Vor zehn Jahren waren es doppelt so viele", so der Vogelschutzbeauftragte. Dass die Habichte in ihrem Revier auf Weinheimer Gemarkung illegal verfolgt werden, ist für ihn nicht neu. "Vor allem Brieftaubenzüchtern sind Habichte oft ein Dorn im Auge", erzählt Schabel. "Da habe ich schon zwei oder drei Fallensteller überführt."
Gegen den Abschuss des Habichts auf dem Gorxenkopf hat Schabel Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Mannheim sagte auf RNZ-Anfrage, es laufe ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Nach dem Täter suchen die Beamten der Abteilung Gewerbe und Umwelt beim Polizeipräsidium Mannheim.