PZN Wiesloch: Dieser Azubi ist einer der "besten Schüler in der Alten- und Krankenpflege"
Von Ute Teubner
Wiesloch. Wenn Mikhail Novikov von seinem künftigen Beruf erzählt, dann leuchten seine Augen. Der angehende Gesundheits- und Krankenpfleger ist wahrlich kein Mann der großen Worte. Es sind vielmehr die leisen Töne, die ihm liegen. Dennoch lässt sich der 31-Jährige in aller Bescheidenheit zur der Aussage hinreißen: "Ich habe das Gefühl, dass die Patienten sich von mir verstanden fühlen."
Der Erfolg beim bundesweiten Wettbewerb "Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege" gibt ihm recht: Der als Auszubildender beim Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch angestellte Mann kam jetzt im Bundesentscheid auf den vierten Platz. Damit gehört er zu den 22 besten Pflegeschülern Deutschlands.
Mikhail Novikov ist einer von 180 Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege an der auf dem PZN-Gelände angesiedelten Pflegefachschule Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar (BZG). Der aus Rostow am Don stammende gebürtige Russe lebt seit 18 Jahren in Deutschland und machte sein Abitur am Biotechnologischen Gymnasium der Marie-Baum-Schule in Heidelberg.
Dabei hatte er bereits als Schüler Freude an Wettbewerben: So nahm Mikhail Novikov in der Oberstufe an der internationalen Biologieolympiade teil - und belegte auch hier einen hervorragenden vierten Platz bundesweit. Es folgte ein Studium der Humanmedizin, das Novikov nach dem mit "gut" abgeschlossenen ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung schließlich abbrach, um dann im Frühjahr 2016 die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an der BZG zu beginnen.
"In der Pflege ist der Kontakt zum Patienten weitaus engmaschiger und direkter", erläutert Mikhail Novikov diesen auf den ersten Blick eher ungewöhnlichen Schritt. Und: "Pfleger haben im Gegensatz zu den Ärzten ein ganzes Team hinter sich." Schon im Laufe seines Studiums habe er begonnen, sich speziell für die Psychiatrie zu interessieren, so Novikov. "Psychisch kranke Menschen erfahren in der Gesellschaft eine sehr große Stigmatisierung", weiß der PZN-Azubi, der zudem Mitglied der Jugendauszubildendenvertretung ist. Dem müsse entgegengewirkt werden.
"Diese Entstigmatisierung ist ganz wichtig", pflichtet ihm PZN-Pressesprecherin Susann Roßberg bei. Einen Beitrag in diese Richtung leiste nicht zuletzt die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb "Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege": "Da sieht man, dass die hiesige Ausbildung auf fruchtbaren Boden fällt und gute Arbeit von guten Leuten geleistet wird." Zumal die BZG bereits letztes Jahr mit einer Auszubildenden der Sinsheimer GRN-Klinik erfolgreich beim Bundeswettbewerb punkten konnte. BZG-Pflegepädagogin Kathrin Schäffner freut sich: "Durch dieses Engagement werden hoffentlich auch andere Menschen ermutigt, in den Pflegeberuf zu gehen."
Mikhail Novikov hatte zunächst gemeinsam mit zwei weiteren Schülern der Pflegefachschule Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar das BZG-interne Prüfungsverfahren gemeistert und war dann als einer von bundesweit 1000 Mitbewerbern in den Wettbewerb gezogen.
Nachdem der Wieslocher Pflegeschüler aus dem baden-württembergischen Vorentscheid als Landessieger hervorgegangen war, zog er schließlich ins Bundesfinale ein. In Berlin musste sich Novikov mit 21 anderen Schülern aus ganz Deutschland messen. Auf dem Programm standen unter anderem die schriftliche Erstellung einer Pflegeplanung sowie zwei praktische Prüfungen.
Umrahmt wurde der Wettbewerb durch ein kulturelles Rahmenprogramm. Die Gespräche, die Mikhail Novikov mit der Schweizer Ordensschwester Liliane Juchli am Rande der Veranstaltung führen konnte, waren für den angehenden Pfleger "das Highlight": "Juchli hat einst das erste deutschsprachige Pflege-Lehrbuch geschrieben", erklärt Novikov begeistert, der am Ende auf dem vierten Platz des Bundeswettbewerbs landen konnte.
Ein Erfolg, über den sich natürlich insbesondere die Schul- und Geschäftsleitung der Pflegefachschule in Wiesloch freut. Glückwünsche gab’s zudem vom Ministerpräsidenten höchstpersönlich.
Winfried Kretschmann bedankte sich in einem Schreiben bei Mikhail Novikov für dessen "Engagement für eine qualitativ hochwertige Pflege im Land" und lobte seine "herausragenden fachlichen Leistungen" sowie die "vorbildliche Empathie im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen".
In dem Brief heißt es weiterhin: "Eine älter werdende Gesellschaft braucht kompetente und einfühlsame Pflegekräfte in der Alten- und Krankenpflege. Wir brauchen Menschen wie Sie, die mit Herz, Fleiß und Vernunft hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen und ihnen das Leben trotz ihrer Einschränkungen lebenswert machen."
PZN-Pressesprecherin Roßberg macht klar: "Pflegekräfte sind Mangelware. Das Werben um gut ausgebildete Kräfte fängt daher schon früh, in den Schulen, an." Nach erfolgreichem Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung soll Mikhail Novikov nun ab April kommenden Jahres das 735 Mitarbeiter starke PZN-Pflegeteam verstärken. "Solch engagierte Menschen, für die der Beruf noch eine echte Profession ist, wünscht sich doch jeder", betont Susann Roßberg.