Mannheim: Ein kleiner Rundgang durchs Seckenheimer Heimatmuseum
Von Heike Warlich-Zink
Mannheim. "Das ist ein Schnitzbock. Damit haben die Bauern früher unter anderem Holzschindeln zurechtgemacht", erklärt Traudl Gersbach. "Und das hier ist ein selbst gebauter Holländer aus dem Fundus meines Mannes", mit diesen Worten zeigt die Vorsitzende des Vereins Heimatmuseum Seckenheim auf das Bewegungsspielzeug aus Holz, das bis in die 1950er Jahre bei Kindern weit verbreitet war. Schnell wird bei dem Rundgang durch Heimatmuseum deutlich: Um jedes einzelne Exponat ranken sich Geschichte und Geschichten.
Vor 25 Jahren wurde der Verein mit dem Ziel gegründet, in Seckenheim ein Heimatmuseum einzurichten. Viel wurde seither im ursprünglichen Wortsinn "geschafft", sodass im Jubiläumsjahr stattliche 1000 Quadratmeter liebevoll gestaltete Ausstellungsfläche präsentiert werden können. Diese verteilen sich auf vier Ebenen eines ehemaligen, in typisch fränkischem Stil erbauten bäuerlichen Anwesen in der Kloppenheimer Straße 20. Dabei handelt es sich um das Elternhaus der Ehefrau des Gründungsvorsitzenden Werner Bordne, die es dem Verein in Erbpacht für den Zweck des Museumsausbaus überlassen hat. Am 20. Mai 2000 wurde Eröffnung gefeiert.
"Auch wenn der eigentliche Ausbau beendet ist und wir mittlerweile räumlich gesehen an unsere Grenzen stoßen, fertig ist ein Museum nie", sagt die Vereinschefin. In der Zukunft soll es primär darum gehen, die Dauerausstellung neu zu ordnen und zu verfeinern sowie um spannende Sonderschauen, Vorträge und Lesungen zu ergänzen", erklärt Traudl Gersbach, die den Verein seit 2007 leitet. Mit dem Sammeln von Exponaten allein sei es nicht getan. Diese müssten aufgearbeitet und so präsentiert werden, dass sie dem Besucher möglichst anschaulich und lebhaft Einblicke in die Vergangenheit gewähren.
Das älteste Museumsstück, ein Wendepflug, stammt aus dem Jahr 1750. Gläser aus dem Bestand der ehemaligen Brauerei Pfisterer aus den 1950er Jahren gehören hingegen zu den "neuen" Exponaten. Es ist die Mischung, mit der man das Heimatmuseums nicht nur für Ur-Seckenheimer, sondern ebenso für "Neigeplaggde" und Gäste von außerhalb sowie generationsübergreifend interessant gestalten will. Kinder beispielsweise seien jedes Mal fasziniert, wenn sie in der Küche alte und neue Haushaltsgeräte sehen. Zum Beispiel bei Sonderführungen für Kindertagesstätten und Schulen: "Wenn mit dem Handrührgerät Milch zu Sahne geschlagen wird, staunen viele Kinder nicht schlecht, dass so etwas auch ohne Strom funktioniert", erzählt Traudl Gersbach.
Wie Tabak eingenäht wurde, daran könnten sich manche Besucher jedoch noch gut erinnern oder haben als junge Frau selbst noch mitgearbeitet. Einige Besucher sehen das Auffädeln der großen Tabakblätter jedoch zum ersten Mal. Im Wohnzimmer aus den 1950er Jahren werden beim Anblick von Nierentisch und Schallplattenspieler nicht selten Erinnerungen wach an Schlager wie "Komm ein bisschen mit nach Italien" oder "Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein".
Im Jubiläumsjahr wurde nun der Raum für Handwerk und Gewerbe eingeweiht. Dort schaut man unter anderem in eine originalgetreu eingerichtete Schuhmacherei, einen Friseursalon und ein Milchlädchen. Kutschenraum, Bankmuseum, Pferdestall, das Schlafzimmer und die Wäsche von anno dazumal, Spielzeug und eine Vielzahl an land- und hauswirtschaftlichen Geräte machen den Rundgang komplett.
Info: Am Sonntag, 26. August feiert der Verein Seckenheimer Heimatmuseum mit einem Festakt sein 25-jähriges Bestehen. Das Museum ist jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Über Spenden freut man sich. "Wir wollen Besucher und keinen Eintritt", sagt Gersbach. Per Mail an heimatmuseum-seckenheim@t-online.de oder telefonisch unter 0621/47 43 48 für Gruppen auch Sonderöffnungszeiten vereinbart werden.