Bücherherbst 2018: Das sind die Neuerscheinungen von Heidelberg verbundenen Autoren
Von Heribert Vogt
Heidelberg. Die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili, die in der Frankfurter Verlagsanstalt den Roman "Die Katze und der General" vorlegt, war 2008 Gewinnerin des Autorenpreises des Heidelberger Stückemarktes, 2009 wurde ihr Stück "Liv Stein" am Theater Heidelberg uraufgeführt. Nun stellt sie eine Verbindung her zwischen Heidelberg und der kommenden Frankfurter Buchmesse, deren Gastland Georgien ist. Denn die 1983 in Tiflis geborene Nino Haratischwili ist inzwischen als Theater- und Romanautorin mehrfach preisgekrönt, zuletzt wurde sie mit dem Bertolt-Brecht-Preis 2018 geehrt.
In ihrem neuen, am 31. August erscheinenden Roman lassen die schlimmen Erinnerungen an den Ersten Tschetschenienkrieg den mittlerweile in Berlin lebenden russischen Oligarchen Alexander Orlow nicht los. Haratischwili spürt hier den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. "Die Katze und der General" ist ein spannungsgeladener, psychologisch tiefenscharfer Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, zugleich über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung.
Der Autor Maxim Biller, 1960 in Prag geboren und seit 1970 in Deutschland lebend, war vor wenigen Wochen der 21. Heidelberger Poetikdozent. Der jüdische Schriftsteller, der vor allem durch seine Teilnahme am neuaufgelegten "Literarischen Quartett" im ZDF einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, hat gerade bei Kiepenheuer & Witsch seinen Roman "Sechs Koffer" veröffentlicht. Er enthält eine berührende Familiengeschichte und liest sich als literarischer, politisch aktueller Krimi.
Biller erzählt von einem bösen Gerücht in seiner russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West. Es geht um einen Verrat, dessen Opfer, der Großvater des nun in Berlin lebenden Erzählers, 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Und unter Verdacht steht die eigene Verwandtschaft. Zugleich geht es in dieser Story aber auch über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs.
Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil, 1951 in Köln geboren, war vor zwanzig Jahren (1998) Heidelberger Poetikdozent. 2003 erhielt er an der Universität Hildesheim die erste Professur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Deutschland. Der Honorarprofessor der Universität Heidelberg legt nun im Luchterhand Literaturverlag (September) den Titel "Die Mittelmeerreise" vor - als Höhepunkt und Abschluss der Reisen des jungen Ortheil: ein Dokument der Welterforschung durch genaues Beobachten, Notieren und Schreiben.
Im heißen Sommer des Jahres 1967 geht der Jugendliche mit seinem Vater auf eine große Schiffsreise über das Mittelmeer, die von Antwerpen bis nach Griechenland und Istanbul führt. Die jahrhundertealte humanistische Begeisterung trifft auf die Realität des neuen Griechenland, aber auch auf Spuren tiefer orthodoxer Frömmigkeit. Einen ganz besonderen Zauber entfaltet zum Abschluss die Entdeckung Istanbuls und der islamischen Welt.
Marcus Imbsweiler, 1967 in Saarbrücken geboren, lebt seit 1990 als freier Musikredakteur und Autor in Heidelberg. Seine Schwerpunkte sind Krimis und Erzählungen rund um die klassische Musik. 2017 erschienen monatlich Kurzkrimis in der RNZ. Imbsweiler war auch als Marathon- und Langstreckenläufer erfolgreich. Anfang Oktober erscheint im Conte-Verlag sein Taschenbuch "Achtundachtzig" über das katastrophale Flugtagunglück auf der Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz am 28. August 1988.
Das Unglück wird zum Wendepunkt im Leben einer Freundesgruppe. Und noch am selben Abend ereignet sich eine weitere Tragödie. Dreißig Jahre später, im Sommer 2018, stellt der Suizid einer jungen Frau den Polizisten Alwin Bungert vor ein Rätsel. Das Wiedersehen mit seinen Jugendfreunden beim Jubiläumstreffen des Abiturjahrgangs 1988 reißt alte Wunden auf. Offenbar ist damals weit mehr zerbrochen als befürchtet.
Der Heidelberger Schriftsteller Michael Buselmeier, geboren 1938 in Berlin, wird am 25. Oktober 80 Jahre alt. Der vielfach preisgekrönte Autor zahlreicher Publikationen stand 2011 mit seinem Theaterroman "Wunsiedel" auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Oktober erscheint im Heidelberger Verlag Das Wunderhorn zu Buselmeiers Geburtstag der von Michael Braun und Ralph Schock herausgegebene Band "Mi-chael Buselmeier. Nichts soll sich ändern". Neben einem Vorwort von Oberbürgermeister Eckart Würzner enthält er Beiträge vieler Autoren.
Buselmeiers Lieblingsplatz - so heißt es - war stets die Position am Rand, unversöhnt mit den Verhältnissen und dem Kulturbetrieb, wie die Gestalten in seinem Werk. In der Festschrift kommentieren Freunde und Begleiter den Weg des Autors, mit Gedichten, Gesprächen und Interpretationen, mit Würdigungen des Werks, mit Erinnerungen und Seitenblicken auf Urszenen seines Lebens. Zudem enthält der Band ausgewählte "Monologe über das Glück" sowie Gedichte von Michael Buselmeier, die Paul-Henri Campbell ins Englische übertragen hat.
Salim Alafenisch, in Heidelberg lebender Schriftsteller und Erzähler, wurde im Jahr 1948 als Sohn eines Beduinenscheichs in der Negev-Wüste geboren. Am 20. November wird er 70 Jahre alt. Er studierte in Heidelberg, wo er seit 1973 wohnt. Am 27. August erscheint im Unionsverlag ein Sammelband mit den drei Romanen "Die acht Frauen des Großvaters", "Das Kamel mit dem Nasenring" und "Die Feuerprobe". Alafenisch vermittelt ein lebendiges Bild der Beduinenkultur.
Seinen Stammestraditionen ist der Autor, der das Geschichtenerzählen von seiner Mutter gelernt hat, nach wie vor eng verbunden. Er vertritt die Meinung, dass er nicht zwischen, sondern in zwei Kulturen lebt. Trotz der permanent angespannten Situation im Nahen Osten will er keine Schreckensbilder zeichnen, denn die abendländische Kultur und das Wissen des Morgenlandes stehen sich für ihn nicht feindselig gegenüber, sondern befruchten sich seit Jahrtausenden.