Bürgerbus Mauer: Er kutschiert die Mauermer herum
Mauer. (aham) Manchmal muss er gar nicht klingeln, da warten die Frauen schon an der Tür auf ihn. Karlheinz Lösch ist einer von zehn ehrenamtlichen Bürgerbusfahrern. Und die Nutzerinnen dieses Angebots der Gemeinde sind überwiegend weiblich, wie Lösch berichtet. "Es ist immer lustig", sagt er. "Die Leute erzählen was - das gefällt mir."
Ohnehin schwärmt der 78-Jährige nur, wenn es um den Bürgerbus geht, der vor drei Jahren von der Gemeinde eingeführt wurde. "Der Bus ist eine hübsche Sache", findet der Rentner, der von Anfang an dabei ist. "Welches kleine Dorf hat das schon?" Das Prinzip dahinter hat er schnell erklärt: Dienstags morgens und donnerstags nachmittags können sich alle Mauermer - vor allen Dingen die Älteren und Autolosen - herumkutschieren lassen. Dazu müssen sie nur am Vortag im Rathaus anrufen und durchgeben, wohin sie wollen. 50 Cent kostet eine innerörtliche Fahrt, nach Meckesheim hin und zurück zwei Euro. Neben Touren in Mauer sind nämlich auch Fahrten nach Wiesenbach, Bammental und Meckesheim möglich. Den Fahrplan bekommt Lösch am Vorabend von der Gemeinde aufs Handy geschickt.
"Die Wünsche sind ganz unterschiedlich", erzählt Lösch. Sie reichen vom Arztbesuch über den Massagetermin bis hin zum Supermarkt. Wer einkaufen geht, bekommt die Taschen von Lösch noch zur Wohnung getragen. "Das ist doch selbstverständlich", meint er dazu. Auch wenn er mal eine Dreiviertelstunde vor dem Supermarkt warten muss, klagt er nicht. Im Gegenteil: "Ich mache das gerne, ich habe doch Zeit", sagt der frühere Verwaltungsmitarbeiter eines Forschungsinstituts in Heidelberg. Mit Gruppenausflügen kennt er sich zudem bestens aus: Mit seiner Ehefrau hat er lange ein auf Gruppenreisen spezialisiertes Reisebüro geführt. Israel hat es ihm besonders angetan. "Da war ich schon 40 Mal", sagt Lösch beim Treffen mit der RNZ und lässt Anekdote um Anekdote folgen.
Wer den gut gelaunten 78-Jährigen erlebt, kann sich ihn am Lenkrad des Bürgerbusses bestens vorstellen. "Wir lachen immer viel", sagt er. Aber manchmal sei er auch eine Art Seelsorger und höre sich die Sorgen seiner Passagiere an. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb Lösch alle sechs Wochen seinen Dienst tut: "Ich will der Gemeinde und ihren Bürgern etwas zurückgeben", sagt der gebürtige Eberbacher, der lange Zeit in Heidelberg gelebt hat. Für seinen Bauplatz, oben am Hang, ist er heute noch dankbar. Seit den 70ern wohnt er dort - die beiden Töchter sind längst ausgezogen - und will aus Mauer einfach nicht mehr weg. "Wer weiß, vielleicht brauche ich eines Tages auch den Bürgerbus?", sagt er lachend.