Schwimmbad-Ordnung Neckargemünd: "Die Regulierungswut nimmt allmählich überhand"
Von Christoph Moll
Neckargemünd. Es klang nach einer Formalie, die schnell abgehakt werden kann: "Neufassung der Schwimmbad-Ordnung" lautete der Tagesordnungspunkt in der zurückliegenden Sitzung des Gemeinderates. Doch da hatte die Stadtverwaltung die Rechnung ohne den Gemeinderat gemacht. Denn der hatte einiges auszusetzen, weshalb der vorliegende Entwurf letztendlich ohne einen Beschluss bei drei Gegenstimmen in den Hauptausschuss verwiesen wurde.
"Die Überarbeitung ist seit längerer Zeit überfällig", erklärte Bürgermeister Frank Volk. "Außerdem konnten wir nun die Bestimmungen der neuen Datenschutzgrundverordnung berücksichtigen." Fachbereichsleiter Franz-Georg Scheffczyk ergänzte, dass die "Ordnung für das Terrassen-Schwimmbad" vom 8. April 2009 allein schon wegen des Wechsels des Bürgermeisters einer Aktualisierung bedarf.
Außerdem seien "ergänzende Informationen über das Naturbad" aufgenommen und es sei eine "in sich logische Neusortierung der Paragrafen" vorgenommen worden. "Jetzt ist es übersichtlicher", meinte Scheffczyk.
Hermino Katzenstein sah das nicht ganz so. Schon als der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, schnellte der Arm des Grünen-Stadtrats nach oben. "Es ist gut, dass die Satzung überarbeitet wird, aber ich muss trübes Wasser eingießen", sagte er.
Die neue Satzung passe in die Entwicklungen der vergangenen Monate zum Beispiel mit Strafzetteln für Autofahrer, die ein paar Zentimeter über der Linie parken, meinte Katzenstein: "Die Ordnungsliebe und Regulierungswut der Verwaltung nimmt allmählich überhand." Katzenstein störte sich an mehreren Regelungen in der Schwimmbad-Ordnung: Wegen des Verbots für Hartplastik dürfe man nicht einmal mehr eine Tupper-Dose, sondern nur leichtes Einweg-Plasik mitbringen. Auch Glasflaschen seien nicht erlaubt. "Das ist nicht akzeptabel", meinte der Grüne.
Lege man die Vorschriften wörtlich aus, dürften Damen nur "oben ohne" baden. Schließlich sei lediglich "eine Badehose" erlaubt. "Da würde die Zahl der männlichen Badegäste sicher steigen", schmunzelte Katzenstein. Fachbereichsleiter Scheffczyk wies darauf hin, dass die Betonung bei "eine Badehose" auf "eine" liegt. Denn es gebe immer wieder Badegäste - vor allem Jugendliche - die mehrere Badehosen oder gar Unterwäsche unter der Badehose tragen.
Das sei vor allem im Naturbad aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. Gleiches gelte für Burkinis - also Bademode für muslimische Frauen: "Da wissen wir auch nicht, was drunter ist." Bürgermeister Volk gefiel Katzensteins Ton nicht: "Sie machen die Verwaltung lächerlich!", meinte er. Auch Manfred Rothe (Freie Wähler) fand Katzensteins Anmerkungen "unmöglich".
Vieles stehe schon in der bisherigen Satzung, erklärte der Bürgermeister: "An den Vorschriften für die Badekleidung hat sich nichts geändert." Daraufhin merkte Katzenstein an: "Wenn man es schon ändert, dann sollte man es intelligent tun."
Joachim Bergsträsser (SPD) hingegen gingen die Vorschriften stellenweise gar nicht weit genug: Er forderte ein Rauchverbot für das gesamte Freibad und nicht nur für die Sanitär-, Umkleide- und Badebereiche. "Wenn wir jetzt alle Paragrafen durchgehen, sitzen wir morgen Früh noch da", meinte Anne von Reumont (CDU). "Das ist doch absurd!" Auch Walter Berroth (SPD) wollte die "Korinthenkackerei" beendet wissen, wie er sagte, und empfahl den Verweis in den Hauptausschuss.
Christian Rupp (CDU) wollte jedoch noch wissen, was es mit der Regelung auf sich hat, dass die Schwimmmeister am Ende des Tages die Spinde öffnen dürfen. "Viele Besucher werfen einen Euro ein und denken dann, dass ihnen der Spind den ganzen Sommer gehört", erklärte Fachbereichsleiter Scheffczyk, der sich über die "polemischen Äußerungen" einzelner Stadträte ärgerte.