Filter für Katastrophengebiete: Sauberes Wasser aus dem Koffer
hab. Ein Vulkan verwüstet die Gegend in seiner Nachbarschaft. Ein Tsunami bringt Tod und Verderben und versalztes Süßwasser. Ein Erdbeben lässt Häuser zusammen stürzen, Strommasten umknicken, Brücken unpassierbar werden. Solche und ähnliche Katastrophen erreichen uns in aller Regel mit den Nachrichten. Die betroffenen Menschen in solchen Katastrophengebieten schnell und unkompliziert mit sauberem Wasser zu versorgen ist oft ein Problem.
Die Folge sind Krankheiten und im weiteren Verlauf Seuchen, die Menschenleben kosten. Das müsste nicht sein, sagt Professor Peter M. Kunz, Präsident der IWAO (International Water Aid Organization) und gleichzeitig Professor an der Hochschule Mannheim. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und der Firma Engelsmann aus Ludwigshafen hat er deshalb begonnen einen so genannten Wasserkoffer zu entwickeln. Spätestens im Frühjahr 2020 soll das Hilfsmittel, mit dem man verschmutztes Wasser reinigen kann, von Helikoptern in den von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern abgeworfen werden. Jetzt wurde in Ludwigshafen der erste Prototyp eines Filtersystems vorgestellt. Alles hatte begonnen mit ein paar Skizzen. Ein Pommes-Frittiersieb, ein Schwimmerventil, wie man es als Überlaufschutz in den meisten WC-Wasserspülungen findet, eine Salatschleuder und die Flotte Lotte (handbetriebenes Passiergerät) haben dabei Pate gestanden. Das Endprodukt sollte einfach aufgebaut und einfach zu bedienen sein.
Der Prototyp, der jetzt in Ludwigshafen erstmals präsentiert wurde, besteht aus Edelstahlmodulen. Das Endprodukt, dass dann in einer Umhüllung (Koffer) über den Katastrophengebieten abgeworfen werden soll, wird aber aus widerstandsfähigem Kunststoff bestehen. Bei Metall bestünde die Gefahr, dass es zu Verformungen kommt und das Gerät nicht mehr brauchbar ist.
Bei der Firma Engelsmann war neben zahlreichen Mitarbeitern der Konstruktionsleiter Christian Kretzu an der Entwicklung beteiligt. Gebaut werden wird das Gerät allerdings nicht bei Engelsmann, wie Vorstand Olaf Gerdes erklärt. Die Firma hat ihr Know-How nicht im Bereich der Kunststoffe. Einen Hersteller sucht man deshalb noch. Und der müsste genauso viel Engagement mitbringen wie Engelsmann. Denn ein Patent hat Professor Kunz auf das Filtersystem nicht angemeldet. "Wir wollen damit kein Geld verdienen", sagt Kunz. Das Gerät soll allen Menschen zur Verfügung gestellt werden, die es benötigen. Wenn das Gerät durch die IWAO eingesetzt wird, sollen dafür auch Spendengelder eingesetzt werden. Außerdem soll der Wasserkoffer inklusive Fallschirm weniger als 200 Euro kosten.
Man ging davon aus, dass in Krisengebieten kein Strom vorhanden ist. Das verschmutzte Wasser muss aber mit Druck durch die Filterkammern - Grobfilter, Aktivkohlefilter, Feinfilter - gepresst werden. Das geschieht mit Hilfe einer Handkurbel. Chemikalien werden im Koffer nicht mitabgeworfen, auch keine Ersatzkohlefilter. Drei erste kritische Tage lang soll das Filtersystem etwa 200 Liter verschmutztes Wasser wieder trinkbar machen. Bei einem Wasserverbrauch von drei Litern täglich pro Person, können damit 60 Menschen drei Tage lang versorgt werden. "Nach drei Tagen sind dann meist die großen Hilfsorganisationen vor Ort", so Kunz.