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Höpfinger Hagelunwetter vor fast 200 Jahren: "Donner und Kissel verdarb alles sehr"

Von Adalbert Hauck

Höpfingen. An ein derart starkes Unwetter mit Hagelschlag und tennisballgroßen Körnern kann sich seit Menschengedenken niemand in der Region erinnern. "In den letzten 80 Jahren ist mir so etwas nicht bekannt", hört man vielerorts.

Tatsächlich findet sich in den gemeindlichen Unterlagen kein Hinweis darauf, dass ein ähnlich starkes Unwetter wie das am 18. Juni im vergangenen Jahrhundert den Odenwald verwüstet hat. Gräbt man jedoch etwas tiefer, in der Zeitschrift "Der Wartturm - Heimatblätter des Vereins Bezirksmuseum Buchen", stößt man auf einen zeitgenössischen Bericht aus dem Jahr 1822.

Der Heimatforscher und spätere Ehrenbürger der Gemeinde Höpfingen, Heinrich Sauer (1905-1991), hat im Dezemberheft 1935 und dann noch einmal im Heimatheft "Unsere Heimatgemeinde Höpfingen" 1966 einen Text aus dem Hausbuch der Familie Karl Schell (1910-1984, Bürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Höpfingen) veröffentlicht, der nachfolgend abgedruckt ist. In Klammern hat Adalbert Hauck, Vorsitzender des Heimatvereins, einige Anmerkungen und Erläuterungen zum besseren Verständnis gegeben.

>>> 1822 den 8ten May hat es ein Gewitter von Donner und Kissel (= kieselgroße Hagelkörner) und Regen in unserer Gegend erstanden, so das es weit und breit alles sehr verdarb; besonders hier in Höpfingen und Walldürn haben die Kissel das Korn ganz und gar verschlagen, das viele Äcker von lauterem (= reinem, gutem) Korn muste umgeackert werden.

Das ist geschehen nachmittag zwischen halb zwey bis drey Uhr. Auch viel und zwar die meinste Krautgarten aus dem grund mitgenohmen, viele Acker mitgenohmen, das Wiesenthal bis an die Heuäcker (gemeint ist hiermit der Bereich des Urgrabens; siehe Bildausschnitt) überschwämt, die Steg und Brücken mitgenohmen und beschätig, das auch Menschen und Vieh in den nächsten Gegenden ersoffen sein. In kürzen ist es nicht zu schreiben.

War aber ein sehr Hitziger May, auch gar bald alles so, das man schon zu ausgang des May tollenkle (=Wiesenklee) dörr gemacht wie auch Heu. Auch fingen die Trauben schon zu blühen an mit anfang des Juny, der Dinkel schoste, aber kein Regen mehr vom 8ten May bis anfang des Jully, doch nur gewitterregen. Die Winderfrucht als Korn wurde schon um Kiliani (= 8. Juli) geschnitten, der grüne Kern schon um Johani (= 24. Juni) gemacht, aber die Sommerbau waren sehr schlecht, weil kein durchrechen mehr kam; daher viel bragfeld öd liegen blieb. Bis den 15ten Jully blieb es trocken, den 15ten Jully und 16ten hat es gerechnet, danach wieder schön, bis den 26ten Jully ein gewitterregen. Schottenfrüchten gab es fast keine, haber (=Hafer) wenig. Most gab es auch nicht zu viel. <<<

Leider haben die bisherigen Recherchen nach diesem Hausbuch in der Kürze der Zeit zu keinem Erfolg geführt. Aussehen und Verbleib des Hausbuchs sind im Augenblick unbekannt. Auch die Kontrolle der Kirchenbücher von Höpfingen, Waldstetten, Walldürn und Hardheim hat nur einen einzigen Sterbeeintrag für den 8. Mai 1822 zutagegebracht. Hier verstarb eine 71-jährige Frau in Hardheim. Über die Todesursache ist nichts zu erfahren. Es könnte somit im Zusammenhang mit dem Unwetter vom 8. Mai stehen, muss aber nicht.

Den zeitgenössischen Bericht hat vermutlich der Urgroßvater von Josef Adam Schell verfasst, der von 1794 bis 1846 lebte. Der Text aus dem Jahre 1822, der im Hausbuch der Familie Karl Schell niedergeschrieben war, enthält allerdings keine Angaben über weitere Schäden an Häusern, Dächern oder Fenstern. Dies liegt wohl aber daran, dass alles Leben zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf die Produktion von Lebensmitteln ausgerichtet war und das persönliche Wohlergehen von dem Erfolg des Anbaus von Agrarprodukten in Abhängigkeit mit den Gegebenheiten der Natur gegeben war.

Der Bericht aus dem Jahre 1822 zeigt jedoch auf, dass das Unwetter vom 11. Juni 2018 kein einmaliger Fall in der Geschichte von Höpfingen war, sondern alles schon einmal oder so ähnlich geschehen ist, auch wenn man sich seit Menschengedenken nicht mehr daran erinnert. Dafür gibt es glücklicherweise das geschriebene Wort, wie vor allem Heimatfreunde immer wieder betonen. Der zeitgenössische Bericht zeigt einmal mehr auf, wie wichtig es ist, Dinge für die Zukunft und nachkommende Generationen festzuhalten und zu bewahren.

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