St. Leon-Rot: Senioren gaben Gemeinde Hausaufgaben auf
St. Leon-Rot. (seb) Als Liste mit Hausaufgaben verstand der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse der Umfrage unter Senioren in St. Leon-Rot. Angelika Adelfang vom Seniorenbüro der Gemeinde stellte die Antworten vor, die 325 Mitbürger aus einer repräsentativen Stichprobe von 450 über 60-Jährigen gegeben hatten.
Wenig überraschend wurde großer Bedarf an Hilfs-, Service- und Pflegeangeboten angemeldet, so Adelfang, ebenso an mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Während das Straßen- und Wegenetz der Gemeinde insgesamt wenig bemängelt wurde, waren großes Verkehrsaufkommen innerorts und "Wildparken" ein Thema, viele der Befragten sind offenbar regelmäßig mit dem Rad unterwegs. Und die, die beispielsweise auf Gehhilfen angewiesen sind, kritisieren unter anderem hohe Bordsteine oder Hürden beim Einstieg in den Bus.
Insgesamt war die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs gering, was Rat und Verwaltung überraschte, hatte man doch erst jüngst das Angebot ausgebaut, ist intensiv dabei, die Haltestellen barrierefrei zu gestalten, und installiert elektronische Anzeigetafeln mit vielfältigen Informationen. Das Sicherheitsgefühl der Senioren in der Gemeinde wurde insgesamt durchaus positiv bewertet. Angelika Adelfang erwähnte auch den dringenden Bedarf an einem Ärztehaus, dem die Gemeinde bekanntlich bereits nachkommt: Nicht nur ist es derzeit "im Werden", bis auf zwei sind alle acht Praxen schon belegt, eine Apotheke und ein öffentliches Café sind zudem geplant.
Weiterhin wünschenswert sind mehr Einkaufsmöglichkeiten und ein Treffpunkt für Senioren in den Ortskernen. Auch ein "Einkaufsbus" wie in Walldorf, der Senioren gegen einen geringen Obolus zu Besorgungen oder Arzt- und Amtsbesuchen fährt, wurde angeregt; hier merkte Angelika Adelfang an, dass es ein vergleichbares Angebot durch die Seniorenhilfe der Gemeinde gebe, vielleicht müsse man dafür noch mehr werben.
Die Räte freuten sich über die Hinweise und Verbesserungsvorschläge, verstanden sie als Leitlinie für künftige Weichenstellungen. Die Fachämter im Rathaus sollen jetzt prüfen, wie man den geäußerten Bedürfnissen möglichst weit entgegenkommen kann.
Die Fusion der Datenzentralen und Zweckverbände für kommunale IT-Dienstleistungen war auch in St. Leon-Rot Thema. Dass durchs Schaffen einer gemeinsamen Datenzentrale und eines Gesamtzweckverbands für Baden-Württemberg Synergien genutzt und voraussichtlich Kosten in Millionenhöhe eingespart werden können, wie das Land angegeben hatte, wurde einhellig begrüßt.
In der Sitzung wurde auch für rund 527.000 Euro der Auftrag für die technische Erneuerung der maschinellen Schlammentwässerung im Klärwerk - per Schneckenpresse, Fachleuten zufolge die wirtschaftlichste Lösung - vergeben. Für insgesamt rund eine Million Euro vergab man weitere Aufträge für die Erweiterung der Parkringschule.
Mit Beratung der Stellungnahmen und einhelligen Beschlüssen zu Einzelhandelskonzept, Flächennutzungsplan und Bebauungsplan ging man weitere Schritte, um die Umsiedlung des Lidl-Markts in die Gewerbegebiets-Erweiterung "Schiff II" zu ermöglichen. Beschlüsse zum Bebauungsplan "Rosenstraße/Tränkweg" brachten zudem das Vorhaben des Inklusionsvereins "Fortschritt Integrativ Leben" voran, im Cranachring ein Wohnprojekt für Menschen mit und ohne Behinderung zu realisieren. Weil der Rat zuvor beschlossen hatte, nebenan ein Mehrfamilienhaus zu errichten, wurde aber eine Nutzungsänderung notwendig, die eine weitere Offenlage des Plans erfordert.