Schulentwicklung: Der Trend zur Realschule macht sich auch in Neckarsulm bemerkbar
Neckarsulm. (rnz) Die Stadt Neckarsulm will die Weichen der örtlichen Schulentwicklung neu stellen. Eine neue Verbundschule, die Gemeinschaftsschule, Werkrealschule und Realschule unter einem Dach am Standort der Johannes-Häußler-Schule vereint, soll das schulische Angebot anpassen und den Schulstandort langfristig und kalkulierbar sichern. Dies sieht ein Modellkonzept vor, das die Verwaltung und die Schulleitungen unter Beteiligung der Schulaufsicht erarbeitet haben.
In einer gemeinsamen Stellungnahme appellieren die Schulleitungen an den Gemeinderat, "zum Wohle der künftigen Schülergenerationen diesen Weg gemeinsam mit uns und der Verwaltung mitzugehen und die dazu erforderlichen Schritte zeitnah einzuleiten". Das vorgeschlagene Konzept schaffe Planungssicherheit für anstehende Investitionen sowie Transparenz und Sicherheit für die betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer. Bislang gibt es in Baden-Württemberg nur wenige Verbundschulen, eine davon in der Nachbarstadt Bad Rappenau.
Die Notwendigkeit, die Schulstrukturen in Neckarsulm grundsätzlich zu überdenken, ergebe sich aus dem veränderten Wahlverhalten der Eltern. Landesweit verlören die Gemeinschaftsschulen Schüler an die Realschulen, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Dieser Trend mache sich auch in Neckarsulm bemerkbar. So kann die Gemeinschaftschule im Stadtteil Obereisesheim im kommenden Schuljahr mangels Schülern erstmals keine 10. Klasse einrichten.
Auf der anderen Seite verzeichnet die Realschule weiter steigende Schülerzahlen. Um dringend benötigte neue Flächen für den Ganztagsbereich und den allgemeinen Schulbetrieb zu schaffen, erweitert die Stadt die Hermann-Greiner-Realschule in den kommenden fünf Jahren für 13,8 Millionen Euro. Sobald die Erweiterung abgeschlossen ist, kann die Realschule stabil viereinhalbzügig geführt werden.
Verwaltung und Schulleitungen schlagen nun vor, die bestehenden Gemeinschaftsschulen in Obereisesheim und Amorbach mit der Werkrealschulstufe der Johannes-Häußler-Schule in der neuen Verbundschule zusammenzuführen und um einen Realschulzweig zu erweitern. Die drei großen Schulen mit Sekundarstufen - das Albert-Schweitzer-Gymnasium, die Hermann-Greiner-Realschule und die neue Verbundschule - könnten dann besser miteinander kooperieren. Die Grundschulen in Obereisesheim und Amorbach blieben erhalten und könnten ebenso wie die Grundschule der Johannes-Häußler-Schule jeweils als eigenständige Grundschulen geführt werden. Die Verbundlösung sieht ferner eine Außenstelle in Amorbach vor.
Mit dieser Lösung könnten in Neckarsulm weiterhin alle Schularten und -abschlüsse angeboten werden. Auch die Gemeinschaftsschule, die zumindest am Standort Obereisesheim auf Dauer nicht sicher geführt werden kann, bliebe als Schulform erhalten. Zudem ist es für Schüler in einer Verbundschule leichter, die Schularten zu wechseln. Auch die Lehrkräfte könnten schulartübergreifend flexibel eingesetzt werden. Darüber hinaus könnte die Stadt als Schulträger die Schülerströme flexibler lenken. Schließlich trägt das Konzept dazu bei, die Raumkapazitäten effektiv zu nutzen und Fehlinvestitionen zu vermeiden.
In dem Konzept erkennen die Schulleiter "die richtigen Weichenstellungen für eine langfristige und kalkulierbare Sicherung des Schulstandortes Neckarsulm", auch wenn dadurch "mühsam aufgebaute Strukturen verlassen und über Generationen lieb gewonnene Standorte aufgegeben werden müssen".
Die Verwaltung wird das Konzept jetzt im Detail ausarbeiten und dem Gemeinderat zur Beratung vorlegen.