Hirschberg-Leutershausen: Schmunzel-Pillen und Lachcreme
Von Anja Stepic
Hirschberg-Leutershausen. "Was ist denn da los?", muss sich so manch einer gefragt haben, der kürzlich an der Alten Villa vorgelaufen ist und von drinnen das ansteckende Gelächter gehört hat. Was da so lustig zugeht, ist Claudia Arnolds "Lach-Yoga"-Kurs, ein Neuzugang im Hirschberger VHS-Programm. Acht Mal treffen sich die Teilnehmer, um eine von dem indischen Arzt und Yoga-Lehrer Madan Kataria entwickelte Technik des "selbsterzeugten Lachens" zu erlernen. Was 1995 mit ein paar wenigen Anhängern in einem Park in Mumbai begann, ist heute eine weltweite Bewegung mit unzähligen Fans.
Vor zwei Jahren hat auch Claudia Arnold mit dem "Lach-Yoga" angefangen. Zu einer Zeit, als sie eigentlich nichts zu lachen hatte. Eine Lebenskrise hat sie zu jedem Strohhalm greifen lassen, der ihr vielleicht helfen könnte, und so kam sie unter anderem auf "Lach-Yoga". "Das hat mein Leben total verändert", sagt sie im Rückblick.
Heute hat sie einen ganz anderen Blick auf das Leben, hat viel mehr positive Kraft und Energie. "Wenn man lacht, ist alles so viel einfacher", sagt sie. Inzwischen ist sie selbst zertifizierte "Lach-Yoga"-Trainerin und will den Teilnehmern in ihren VHS-Kursen das Lachen und seine gesundheitsfördernde Wirkung nahebringen.
"Wir lachen eigentlich viel zu wenig", findet Arnold. Im Schnitt lachen Erwachsene 15 Mal am Tag, Kinder bringen es da immerhin noch auf 400 Mal. Dabei weiß eigentlich jeder: "Lachen ist gesund." Nicht umsonst sind in vielen Kliniken Clowns unterwegs, um die kleinen Patienten zum Lachen zu bringen. Auch in der Krebstherapie und bei anderen Erkrankungen hat Lachen einen positiven Effekt.
Aber Lachen auf Kommando - geht das überhaupt? "Ja, das funktioniert", bestätigt Arnold. Denn das menschliche Gehirn kann nicht zwischen einem echten und einem gespielten Lachen unterscheiden. So oder so werden die gleichen "Glückshormone" ausgeschüttet. Und die haben eine unmittelbare Wirkung.
Man kommt in positive Stimmung, das Stressempfinden lässt nach, das Immunsystem wird gestärkt, die Atmung verbessert und der Kreislauf in Schwung gebracht. Und das alles ohne Hilfsmittel, nicht einmal Humor muss man haben. "Wir lachen über uns selbst und ohne Grund", erklärt Arnold.
Zugegeben fühlen sich die ersten "Lachübungen" etwas seltsam an. Die dafür nötige kindliche Verspieltheit und Albernheit ist für viele Erwachsene doch ungewohnt. Da schmiert man sich imaginäre Lachcreme ins Gesicht, schluckt fantasierte Schmunzel-Pillen oder lacht sich über das eigene, nicht vorhandene Spiegelbild auf der Handfläche kaputt. Noch mehr prustet man über die anderen in der Runde. Durch die Gruppendynamik und den Blickkontakt wird das anfänglich gespielte Lachen ganz schnell zu einem echten Lachen.
Die pantomimischen Übungen wechseln ab mit Klatsch-, Dehn- und Atemübungen, die dann sozusagen den "Yoga-Part" ausmachen. Und auf geht’s zur "ersten Hirschberger Lachmeditation". Die Teilnehmer liegen auf der Matte am Boden und halten sich den Bauch vor Lachen. Zuerst ist es gespielt, doch schon bald brechen die ersten echten Lachkrämpfe aus. Und die sind wirklich ansteckend. Kaum hat sich einer beruhigt, fängt der nächste an.
Fünf Minuten am Stück zu lachen, erweist sich allerdings auch als richtig anstrengend. "Lachen ist Ausdauersport", bestätigt Arnold. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass mit ausgiebigem Lachen mehr Kalorien verbraucht werden als mit Ergometer-Training. Denn beim Lachen werden zahlreiche Muskeln beansprucht. Kein Wunder also, wenn es am Ende der Stunde heißt: "Morgen hab ich bestimmt Muskelkater vor Lachen."