Ladenburg: Viele Vorwürfe an Stadt und Räte bei der Hauptversammlung des OAL
Von Axel Sturm
Ladenburg. Mehr als angespannt war die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung des Ortsausschusses für Leibesübungen (OAL), der Interessensgemeinschaft der Ladenburger Sportvereine. Einen ersten Vorsitzenden, der die Amtsgeschäfte führt, hat der OAL seit November vergangenen Jahres nicht mehr. An diesem Tag trat der Vorsitzende Wolfgang Lorenz nach nur wenigen Wochen mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Er bemängelte das fehlende Interesse bei der Lösung der Sporthallenproblematik und gab auch die Streitereien der beiden Fußballvereine LSV und FV03 bei der Platzbelegung als Grund für seinen Rückzug an.
Die Wogen im OAL sind noch immer nicht geglättet. Der Zweite Vorsitzende Fritz Lackner führt derzeit kommissarisch die Amtsgeschäfte. Und was er in den vergangenen Monaten erlebt hat, lässt ihn wenig optimistisch in die Zukunft blicken.
Die Atmosphäre untereinander sei alles andere als vertrauensvoll und harmonisch, sagte Lackner. Früher hätten sich die Sportvereine bei Meinungsverschiedenheiten an einen Tisch gesetzt. "Derzeit belauern sich die Vereine, um von einem Fehlverhalten des anderen einen Vorteil zu haben", sagte Lackner. Er warf den Sportvereinen vor, den OAL unter Druck zu setzen. Dass die Störungen zum Rücktritt von Lorenz führten, gefiel seinem Stellvertreter nicht. Von einem Miteinander sei keine Spur, sagte Lackner, der nicht verstehen konnte, "dass sich die Vereine gegenseitig die Trainingszeiten abjagen wollen".
In der Hauptversammlung wurde erneut klar, dass die fehlenden Hallenkapazitäten ein Riesenproblem darstellen. Das wollte auch Lackner nicht beschönigen, der der Stadt Vorwürfe machte. Bürgermeister Stefan Schmutz war wegen einer Terminüberschneidung bei der Sitzung nicht anwesend. Das hatte er dem OAL schon vor Monaten mitgeteilt und um eine Terminverschiebung gebeten. Die für den Sport zuständige Rathausmitarbeiterin Beate Glowinski nahm die Kritik aber zur Kenntnis. Lackner bedauerte, dass in den Zeiten, als Ladenburg noch Geld hatte, die Sporthalle nicht gebaut worden war. Immer wieder war aus dem Rathaus zu hören, dass "angeblich kein Geld vorhanden sei", obwohl fertige Konzepte für den Anbau oder einen Neubau der Halle vorlagen. "Die Kommunalpolitik vergisst den Sport. Das war früher so und auch in der jüngsten Vergangenheit", so Lackner.
Der Vorsitzende des ASV Ladenburg, Joachim Loose, legte nach: "Unsere Stadträte haben keinen Bezug zum Sport. Das bemerkt man schon am mangelnden Interesse, wichtige Sportveranstaltungen zu besuchen. Das habe ich beim ASV selbst erlebt." Und Loose legte nach: "Wir haben keinen Bürgermeister, sondern lediglich einen Verwaltungschef." Sicherlich keine hilfreiche Aussage, um das Vertrauen mit der Verwaltung zu stärken.
Die Sitzung drohte immer weiter aus dem Ruder zu laufen. Der LSV-Beauftragte Bernie Klodt wollte den Vorwurf nicht stehen lassen, dass die Vereine den OAL unter Druck setzten. Auch er sah weiteren Gesprächsbedarf, weil die Streitereien zwischen den Fußballern immer noch nicht gelöst seien. Der OAL müsse die Schlichterrolle einnehmen, sagte Klodt. Dem FV03 bot er in der Sitzung an, sich an einen Tisch setzen zu wollen.
Den anwesenden Ratsmitgliedern gefiel die Stimmung nicht. Günther Bläß (CDU) forderte die Vereine auf, weiter Lobbyarbeit zu betreiben. Es müssten Konzepte erarbeitet werden, die alle mittragen könnten. Bernd Garbaczok (SPD) wehrte sich gegen den Vorwurf von Loose, die Stadträte hätten kein Interesse am Sport. Gerade die SPD-Fraktion habe viel dazu beigetragen, dass etwa das Römerstadion wieder von einem Platzwart beaufsichtigt wird.
Den Vorwurf einiger Sportvereine, Ladenburg habe im Vergleich zu den Nachbarkommunen wesentlich schlechtere Hallenbedingungen, konnte Garboczok dagegen teilweise nachvollziehen. Ladenburg habe als Schulstadt und als Stadt mit zahlreichen öffentlichen Einrichtungen aber wesentlich höhere Ausgaben zu schultern als manche Nachbarkommunen. "Das kann nicht sein, andere Kommunen haben auch städtische Einrichtungen", entgegnete Loose. Peter Hilger (FWV) störte sich an der Bemerkung, es sei angeblich kein Geld für den Hallenbau da. "Es ist Fakt, dass kein Geld da ist, das angeblich könnt ihr streichen", sagte er.
In der aufgeheizten Stimmung wurde schnell klar, dass kein neuer OAL-Vorsitzender gefunden wird. Zwar appellierte der Ex-Vorsitzende Kurt W. Zepf an die Mitgliedsvereine, eine Lösung zu finden, sonst könne man den OAL im nächsten Jahr "abwickeln". Aber sein Aufruf hatte kein Erfolg. Lackner erklärte sich zumindest bereit, bis zur nächsten Jahreshauptversammlung die OAL-Geschäfte fortzusetzen. Dazu gehören die Organisation der Hallenbelegung an Wochentagen und die Vorbereitung der Sportlerehrung.
Einstimmig gewählt wurde die Schriftführerin Hanne Pawlik, eine Enthaltung gab es bei der Wahl der Beisitzer Brigitte Stahl, Petra Klodt und Kurt W. Zepf. Die Enthaltung erzürnte Zepf so sehr, dass er nachträglich eine getrennte Abstimmung forderte. Das lehnte Wahlleiter Fritz Lackner ab, was eine erneute Diskussion auslöste.
Es war eine denkwürdige Sitzung des OAL, bei der fast alles schief ging, was schief gehen konnte. Doch zumindest der gemeinsame Wille, dass der OAL nicht aufgelöst werden sollte, war ein Hoffnungsschimmer.