Trinkwasser in Hirschberg und Heddesheim: Verband will Nitratproblem angehen
Von Stefan Zeeh
Hirschberg/Heddesheim. Die Trinkwasserqualität in den Gemeinden Hirschberg und Heddesheim ist immer wieder ein Thema bei den Sitzungen des Gruppenwasserverbands Obere Bergstraße, der für die Versorgung der beiden Kommunen mit diesem Lebensmittel zuständig ist. Dabei spielt vor allem der Nitratgehalt des Trinkwassers eine große Rolle, denn das aus den drei Flachbrunnen des Verbands bezogene Wasser weist Nitratgehalte oberhalb des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter auf. Daher wird es mit nitratärmerem Wasser aus dem Tiefbrunnen des Lobdengauverbands bei Ladenburg vermischt, sodass der Grenzwert nicht überschritten wird.
Nachdem im vergangenen Jahr das Wasserschutzgebiet um diese drei Brunnen neu festgelegt wurde, nimmt der Gruppenwasserverband dies zum Anlass, die Nitratproblematik verstärkt anzugehen. Dazu ist eine Reduzierung des Stickstoffeintrags notwendig, und dieser stammt vor allem aus der Landwirtschaft, wie der Verbandsvorsitzende Manuel Just bei der Sitzung des Verbands am Dienstag im Hirschberger Rathaus deutlich machte.
Deshalb schlug er vor, von dem Ingenieurbüro Feldwisch aus Bergisch-Gladbach einen Sanierungsplan erarbeiten zu lassen. Dieses Büro erarbeitet bereits einen entsprechenden Plan für den Lobdengauverband. "Es ist nicht schlüssig, wenn für den Brunnen bei Ladenburg ein Sanierungskonzept erstellt wird und für die daran anschließenden Brunnen nicht", warb Just für die Erstellung dieses Konzepts. Wenn dieses vorliegt, will man mit den Bauernverbänden aus der Region ins Gespräch kommen, um zu klären, wie das Konzept umgesetzt werden kann. Der Verband stimmte der Auftragsvergabe einmütig zu.
Ein anderer, unerwünschter Stoff im Trinkwasser, der vor rund eineinhalb Jahren erstmals in der Region nachgewiesen wurde, ist Trifluoracetat (TFA). Das Unternehmen Solvay in Bad Wimpfen leitet TFA in den Neckar ein. Von dort gelangt es über das Uferfiltrat in das Grundwasser und damit auch in die Brunnen, aus denen Trinkwasser gepumpt wird. In geringen Mengen gilt TFA für den Menschen als ungefährlich. Der sogenannte Maßnahmenwert wurde in den vergangenen Monaten sogar heraufgesetzt. Bei dessen Überschreiten soll eine Verminderung des Stoffes erfolgen. Er beträgt nun 30 statt wie bisher 10 Mikrogramm pro Liter.
Auch der Orientierungswert, unterhalb dessen keine gesundheitlichen Bedenken bestehen, wurde vom Umweltbundesamt angehoben, und zwar von einem auf drei Mikrogramm pro Liter, da ergänzende Studien eine höhere Belastung zuließen, wie einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes zu entnehmen ist.
Die gemessenen TFA-Gehalte in den drei Brunnen des Gruppenwasserverbands liegen deutlich unter diesen Werten. "In den drei Brunnen wurden TFA-Gehalte von 0,5 bis 0,7 Mikrogramm pro Liter gemessenen", berichtete Just. Im Tiefbrunnen des Lobdengauverbands läge der Wert bei fünf Mikrogramm pro Liter. Gute Nachrichten hatte Just ebenso für die generelle Wasserqualität des Verbands. So habe eine kürzlich vorgenommene Wasseruntersuchung gezeigt, dass alle Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden.
Um die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser in Hirschberg und Heddesheim sicherzustellen, muss auch immer wieder das teils über 50 Jahre alte Leitungsnetz saniert werden. In diesem Jahr betrifft dies den Übergabeschacht Heddesheim Süd, wo eine Betonsanierung ansteht und die Rohrleitungen erneuert werden sollen. Gut 190.000 Euro netto sind dafür vorgesehen. Nur etwas günstiger fällt die ebenso vorzunehmende Erneuerung eines Schieberkreuzes im Westen von Hirschberg aus. Rund 120.000 Euro netto sind dafür eingeplant.
Zusätzlich soll die Datenübertragung von den Wasserzählern in den Übergabeschächten an das Wasserwerk verbessert werden. Etwa 70.000 Euro wird dies kosten. Der Verband erhofft sich, durch die bessere Datenübertragung etwaige Wasserrohrbrüche schneller beheben zu können.
Schließlich wechselte turnusgemäß der Verbandsvorsitz von Hirschberg nach Heddesheim. Einstimmig wählte die Versammlung Bürgermeister Michael Kessler zum neuen Verbandsvorsitzenden.