Eppelheim: Biotop musste für den Sportplatz weichen
Von Anja Hammer
Eppelheim. Diese Sägen kamen unerwartet: Mit den Bauarbeiten für die zwei neuen ASV-Sportplätze ist es am alten Bahndamm deutlich lichter geworden. Sehr zum Ärger der Grünen, hatten sie sich doch jahrelang für den Schutz des Grünstreifens im Süden Eppelheims eingesetzt. Nachdem mit einem Gerichtsurteil vom November 2016 endlich eine Bebauung abgewendet war, kam die Gefahr nun von anderer Seite. "Geschützte Biotop-Flächen wurden illegal gerodet", ärgert sich die Grünen-Gemeinderatsfraktion. Das Problem an der Sache: Das war sonst niemandem aufgefallen und die Mühlen der Behörden kamen nur sehr langsam in Schwung.
Schon im November hatte Grünen-Fraktionssprecherin Christa Balling-Gündling eine Anfrage an das städtische Bauamt geschickt. Denn die Stadt ist Bauherrin des 1,1 Millionen Euro teuren Sportplatzprojekts. Doch erst nach erneutem Nachfragen gab es im Dezember eine Antwort aus dem Rathaus: Demnach wurden beim Bau der nördlichen Tribünenplätze aus Versehen die Wurzeln der Robinien so stark beschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Andere Robinien habe der ASV in Eigenleistung gefällt. Aber: "In den Bereich der den Sportplatz umlaufenden Hecke aus Weißdorn/Holunder wurde nicht eingegriffen", hieß es seitens der Stadt. Auch auf RNZ-Anfrage hieß es noch im Dezember aus dem Rathaus: "Ein Biotop wurde nicht gerodet." Es seien lediglich Anpflanzungen auf dem Gelände entfernt worden.
Anders die Beobachtung der Grünen: Auf diesem Streifen stehe kein Grashalm mehr, so Balling-Gündling. Diese Auffassung teilt Sebastian Olschewski, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Heidelberg. Daher gab er eine Meldung beim Umweltministerium auf. Schließlich handle es sich bei dem betroffenen Abschnitt um ein gesetzlich geschütztes Biotop. Das sei den Ausführenden vielleicht nicht bekannt gewesen: "Aber das städtische Umweltamt hätte das wissen müssen", ist der Nabu-Mann überzeugt. "Ich sehe die Verwaltung in der Pflicht." Immerhin habe die Hecke auf dem Bahndamm eine Bedeutung für Mensch und Natur. Besonders, da Eppelheim eine der am dichtesten bebauten Gemeinden in ganz Baden-Württemberg sei.
Das in Sinsheim angesiedelte Amt für Landwirtschaft und Naturschutz des Rhein-Neckar-Kreises bestätigte Ende Januar die Auffassung der Grünen und des Nabu: Der zuständige Naturschutzbeauftragte habe nach einer Besichtigung eine "erhebliche Beeinträchtigung von Biotopflächen" festgestellt. Daher werde das Amt den konkreten Verursacher ermitteln und anschreiben und die erforderlichen Maßnahmen in die Wege leiten, heißt es aus Sinsheim.
Im Eppelheimer Rathaus wartet man auf dieses Schreiben noch heute: "Bei uns hat sich noch niemand gemeldet", sagt Bürgermeisterin Patricia Rebmann. Daher werde sich die Verwaltung selbst an die Naturschutzbehörde wenden, kündigt die Rathauschefin an. Denn wenn es tatsächlich ein so starker Eingriff in die Natur war, dann würde die Stadt selbstverständlich einen Ausgleich schaffen. Rebmann: "Wir wollen natürlich Biotope." Ihres Erachtens hätte es dort ohnehin von Anfang an einen Bauantrag geben müssen. Dieser wurde jetzt erst nachgereicht - aber nur für die Tribünen, also für die Steinreihen für Zuschauer.
"Die Rodungen waren unnötig und vermeidbar", ärgern sich die Grünen. Doch auf Bürgermeisterin Rebmann wollen sie nichts kommen lassen: Schließlich wurde mit dem Bau der Sportplätze schon unter Ex-Bürgermeister Dieter Mörlein begonnen. Und das Verhältnis zwischen diesem und den Grünen war bekanntlich nie das Beste. "Alles musste schnell gehen - und da standen offenbar gesetzliche Vorgaben im Weg", vermuten die Grünen.
Und wie geht es nun weiter? Laut Bürgermeisterin Rebmann hat die Stadt schon eine Ausgleichsfläche vorgeschlagen. "Die Umsetzung muss zeitnah erfolgen", fordert Nabu-Mann Olschewski. Und die Grünen sehen sich in ihren beiden Anträge der jüngsten Gemeinderatssitzung bestätigt: Sie hatten einen Baumlehrpfad und die Einrichtung eines Naturschutzfonds gefordert. Letzterer wurde abgelehnt. Dabei hätte ein solcher Fonds in einem Fall wie diesem helfen können, finden die Grünen. Immerhin entstünden bei den Ausgleichsmaßnahmen Kosten, die letztlich an der Stadt hängenblieben.