Hirschberg-Leutershausen: Ein Engel für den Tierschutz
Von Anja Stepic
Hirschberg-Leutershausen. "Das war so ein intensiver Moment, den werden wir niemals vergessen", erzählt Bianca Mack. Vor ein paar Wochen haben sie und ihre Tochter Emma die beiden Katzen Kandis und Paleo vom Flughafen in Düsseldorf abgeholt. Emma hatte ein Bild für die Flugpatin gemalt, die die beiden Fellnasen aus Spanien mitgebracht hatte und dann endlich durften sie ihre beiden Samtpfoten in Empfang nehmen.
Mit am Flughafen dabei war auch eine Mitarbeiterin des Vereins "Tierhilfe Anubis" mit Sitz in Wilhelmsfeld. Über dessen Vermittlung haben Kandis und Paleo ihr neues Zuhause in Bianca Macks "kleiner" Hausgemeinschaft gefunden. Dort wohnen sie jetzt zusammen mit sechs Meerschweinchen, fünf Kaninchen und den beiden Katzen Nala und Hermine.
Auch Kaninchen aus schlechter Haltung bekommen hier Hilfe
Auch Nala kommt aus Spanien und ist ebenso wie Paleo "nicht perfekt". Sie hat nur noch ein Auge, Paleo musste nach einem schweren Unfall eine Pfote und einen Teil seines Schwanzes amputiert werden. "Und genau deshalb habe ich mich für sie entschieden", sagt Mack.
Es war Liebe auf den ersten Blick, als sie auf der Website der "Tierhilfe Anubis" nach einer Katze schaute. "Man hat sofort gespürt, wie viel Liebe hinter deren Arbeit steckt", sagt Mack. Kein Abend verging, an dem sie nicht auf der Homepage von Anubis war. "Ich kannte bald jede Katze auswendig", erzählt sie.
Am meisten berührt haben sie die Geschichten der vielen Katzen und Katzenkinder aus Spanien, die zum Teil schon sehr lange auf eine liebe Familie warten, in der sie endgültig bleiben dürfen. Sie alle hatten bislang nicht viel Glück in ihrem kleinen Katzenleben, wurden hilflos irgendwo ausgesetzt und verwahrlost, krank oder verletzt und halb verhungert auf der Straße eingefangen und von Tierschützern wieder aufgepäppelt. Geschichten, die Mack kaum ertragen konnte. Das war dann auch der Grund, warum sie zum Hörer griff und die Vorsitzende des Vereins, Sybille Rienmüller, fragte, ob sie aktiv mithelfen kann.
"Bei Bianca wusste ich sofort, sie ist keine Eintagsfliege", sagt Rienmüller glücklich, die solche "Engel" dringend brauchen kann. Denn das, was sie tagtäglich ehrenamtlich leistet, ist eigentlich ein Vollzeit-Job. Etwa 250 bis 300 Hunde und Katzen vermittelt Anubis jährlich aus Spanien in ein liebevolles Zuhause nach Deutschland. "Die Not der Tiere im Ausland ist viel größer als bei uns", sagt Rienmüller. Selbst im Tierheim gehe es den Tieren hierzulande wirklich gut. In Spanien aber sei das ganz anders. Wenn dort in Hunden und Katzen kein Nutzen mehr gesehen wird, werden sie "entsorgt". Erschlagen, erhängt, ertränkt oder ausgesetzt. Die das "Glück" haben, zu überleben, streunen herum und landen irgendwann auf den "Perreras", den Tötungsstationen. Kaum jemand würde dort eine Katze aus dem Tierheim aufnehmen.
Eine ärztliche Versorgung gibt es auf den "Perreras" nicht, und so verenden viele Tiere schon vorher qualvoll an ihren Verletzungen. "Tierschutz kennt keine Grenzen", sagt Rienmüller. Darum arbeitet Anubis mit Partnervereinen in Spanien zusammen, die herrenlose Tiere einfangen, sie medizinisch versorgen, impfen, kastrieren und über Vereine wie Anubis in ein verlässliches Zuhause außer Landes vermitteln.
Daneben wird durch intensive Aufklärungsarbeit versucht, die Tierschutzbedingungen in Spanien zu verbessern. Gegründet hat sich die Tierhilfe Anubis vor acht Jahren mit 25 quer über Deutschland verstreuten Tierschützern. Heute zählt der Verein 90 Mitglieder, davon zehn, die im Grunde die gesamte Arbeit stemmen.
Unter ihnen ist nun auch die Leutershausenerin Bianca Mack. Fürs Erste betreut sie eines der vielen Internet-Portale, auf denen Anubis vertreten ist. Künftig will sie aber auch bei der Vor- und Nachbetreuung der neuen Katzenfamilien mitarbeiten. Denn Anubis ist nicht ihr erstes Projekt. Vor einigen Jahren schon hatte sie die Leitung der Hirschberger Ortsgruppe "Schüler für Tiere" übernommen und zusammen mit Tochter Emma und deren Freundin Neele die private Tierschutzinitiative "44 Pfoten" gegründet. Diese holt Kaninchen und Meerschweinchen aus schlechter Haltung und gibt ihnen in Macks häuslichem Garten ein schönes Zuhause, bis sie in liebevolle Hände vermittelt werden können. Wann sie das alles macht? "Gute Frage", überlegt sie und lacht.
"Die Zeit nehme ich mir einfach", sagt sie. "Andere fahren in Urlaub, ich mache halt Tierställe sauber", sagt Mack. Für sie gibt es nichts Entspannenderes, als ihre kleinen Fellnasen zu beobachten. Ab und an wird sie natürlich gefragt, warum sie sich das alles antut. Für Mack gibt es darauf nur eine Antwort: "Die wissen gar nicht, was einem das zurückgibt."
Wer auch gerne helfen möchte, aber kein Tier bei sich aufnehmen kann, der könnte auch auf dem Rückflug vom nächsten Spanienurlaub als Flugpate eine Katze oder einen Hund mitnehmen, da auch bereits vermittelte Tiere nicht alleine befördert werden dürfen. "Die ganze Aufgabe besteht nur darin, ‚sein Gepäck‘ bei der Ankunft in Deutschland in Empfang zu nehmen", sagt Rienmüller. Um die Kosten, Papiere und die ganze Abwicklung kümmert sich Anubis.
Und am Flughafen warten dann bereits liebe Menschen wie Bianca Mack und Emma sehnsüchtig auf ihre neuen Familienmitglieder.