Karlsruhe: 29-Jähriger unter Terrorverdacht - Eisbahn im Visier
Von Susanne Kupke und Axel Habermehl
Karlsruhe. Die Rollläden im Erdgeschoss sind heruntergelassen, das Haus scheint verwaist. Nichts deutet auf die Durchsuchungen am Vortag hin. Hier, in Karlsruhe-Rüppurr, soll ein Terrorverdächtiger gewohnt haben. Er wurde am Mittwoch festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen vor, einen Anschlag auf die weihnachtliche Eisbahn am Karlsruher Schloss geplant und den IS unterstützt zu haben.
Am benachbarten Ostendorfplatz, dem Einkaufszentrum des Stadtteils, läuft das Weihnachtsgeschäft auf Hochtouren. Gekannt hat den Mann hier, beim Bäcker, beim Optiker und im Zeitschriftenladen niemand. Aber im Haushaltswarenladen erinnern sich zwei Frauen an Typen in einem Auto, das im Sommer hier stand. Einer Angestellten vom Zeitschriftladen wenige Meter weiter waren sie so verdächtig, dass sie die Polizei angerufen hat. Die Beamten beruhigten. "Es waren verdeckte Ermittler", sagt ihr Chef.
Standen die wegen des jetzt Festgenommenen da? Einen guten Blick hat man jedenfalls von hier auf das grüne Haus schräg gegenüber hinter der Straßenbahnlinie. Tatsächlich war der Mann - ein Deutscher mit irakischen Wurzeln - über längere Zeit intensiv observiert worden. Er galt als Gefährder, also als jemand, dem ein Anschlag zugetraut wird. Nach Informationen der ARD-"Tagesschau" soll seine Wohnung verwanzt gewesen sein. Auf die Weise hätten die Fahnder mitbekommen, dass er sich als Paketzusteller beworben habe, heißt es.
Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann unter anderem plante, mit einem Fahrzeug einen Anschlag auf Stände rund um eine Eisbahn auf dem Karlsruher Schlossplatz zu begehen - ähnlich wie vor einem Jahr Anis Amri, der das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche mit zwölf Toten verübte. Fehler wie im Fall Amri sollten sich nicht wiederholen.
Wie lange der gebürtige Freiburger in Karlsruhe-Rüppurr gewohnt hat, ist unklar. Unter den Klingelknöpfen hängt provisorisch ein weißer Zettel mit seinem Namen, ebenso am Briefkasten. Während der Mann am Donnerstag vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes angehört wird, geht das Leben der Menschen in dem Stadtteil ganz normal weiter. Wer vom Terrorverdacht in den Nachrichten gehört hat, nimmt es gelassen. "Ich fühle mich hier nach wie vor sicher", sagt eine Frau beim Bäcker.
Zu Details, wie die Ermittler dem 29-Jährigen auf die Schliche gekommen sind, will Innenminister Thomas Strobl nicht sagen. Wirkung gezeigt, haben aber Anpassungen im Justiz-Bereich. Wegen der vielen Terror-Verfahren hat die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart eine "Zentralstelle" für solche Fälle geschaffen, um Ermittlungen "enger und koordinierter" zu führen. Der Karlsruher Fall sei dafür "ein gutes Beispiel", lässt Generalstaatsanwalt Achim Brauneisen mitteilen. "Das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe geführt und von der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart als Zentralstelle begleitet.
Der Terror ist in Deutschland allgegenwärtig, auch im Südwesten. 490 solche Fälle hat Brauneisen dieses Jahr dem Generalbundesanwalt zur Prüfung vorgelegt. An jedem größeren Weihnachtsmarkt stehen Polizisten mit Maschinenpistolen, der Sicherheit wegen.