Mannheim: Der Neubau der Kunsthalle ist fertig (plus Fotogalerie)
Von Volker Oesterreich
Erleichterung rundum: Der Stiftungsratsvorsitzende der Mannheimer Kunsthalle, Manfred Fuchs, drückt seine Freude über die Fertigstellung des Museumsneubaus mit drei Worten aus: "Es ist geschafft." In der Tat, die "Ausstellungsstadt in der Stadt" ist vollendet, aber auf das "Grand Opening" muss man noch fast ein halbes Jahr warten.
Trotzdem wird der fast 70 Millionen Euro teure Kulturtempel, der direkt mit dem Jugendstilaltbau verbunden ist, am Montag während eines offiziellen Festakts von der Stiftung Kunsthalle an die Stadt Mannheim übergeben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann haben sich den Termin dick in ihren Kalendern angekreuzt. Beide werden am 18. Dezember in Mannheim erwartet. Vor dem Festakt kann bereits das Publikum drei Tage lang die großzügig wirkende, helle und einladende Architektur sowie wenige ausgewählte Kunstwerke auf sich wirken lassen: von Freitagabend bis Sonntagabend.
Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz spricht von einem kulturpolitischen, städtebaulichen und architektonischen Meilenstein, realisiert wurde er nach den Plänen des Hamburger Architektur-Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp). Mit 50 Millionen Euro hat die Stiftung des SAP-Mitbegründers Hans-Werner Hector und seiner Ehefrau Josephine den Löwenanteil der Baukosten übernommen. Zahlreiche weitere Spender und die Öffentliche Hand steuerten den Rest bei. Ein gewaltiger Kraftakt.
Die Ausstellungskuben des Neubaus beziehen sich auf die barocke Quadrat-Struktur der Innenstadt. Umgeben ist das aus unterschiedlich großen Hallen, Treppen und Gassen bestehende Gefüge von einem Metallgitter-Netz (Mash), das je nach Tageslicht und Witterung unterschiedlich wirkt. In der ersten Etage öffnet sich der Blick durch ein großes Fenster auf den Wasserturm. Künftig wird an der Wand direkt daneben Robert Delaunays Gemälde "Das Fenster zur Stadt" mit dem Blick auf den Eiffelturm hängen. Gut möglich, dass dann der schlanke Stählerne aus Paris dem dicken Mannheimer Trumm die Schau stehlen wird. Während der Schnupperphase in den nächsten Tagen kann Delaunay aber noch nicht bewundert werden. Dafür trumpft die Kunsthallen-Direktorin Ulrike Lorenz mit einer Auswahl von Werken Anselm Kiefers aus der Sammlung Grothe auf, darunter ein riesiges Bleirelief im Atrium. Im Kiefer-Kubus selbst sind drei Riesenformate zu sehen, sie zeigen bizarre grau-weiße Gebirgslandschaften und wurden von der Philosophie Martin Heidegger inspiriert. Darauf deuten die beiden Schlüsselbegriffe "Essence" und "Eksistence" auf einer der Arbeiten hin. Zu den Kiefer-Dauerleihgaben gehört außerdem das Werk "Frauen der Antike", bestehend aus einem weißen Kostüm, obendrauf schwere Bleifolianten statt eines Kopfes. Man sieht: Kulturelle Bildung kann eine recht anstrengende Sache sein. Weitere Werke von Richard Long, Rebecca Horn, William Kentridge oder Alicja Kwade werden ebenfalls während der Tage der offenen Tür präsentiert.
Trotzdem muss noch Vieles nachjustiert werden. Deshalb wird der Kunsthallen-Neubau nach der Präsidentenvisite gleich wieder geschlossen. Für fast ein halbes Jahr. Das "Grand Opening" folgt erst am 1. Juni 2018, ein üppiger Ausstellungsfahrplan für die Zeit danach liegt bereits vor.