Heidelberg: Wie Ministerin Bauer Schüler mit ihrer Offenheit verblüfft
Von Christoph Reuss-Klingmüller
Heidelberg. Ob Cannabis oder Diesel-Skandal, die Zukunft der Grünen im Land oder zu selten kommende Busse: Die Schüler der elften Klasse am F+U-Gymnasium erlebten in der vergangenen Woche eine ganz besondere Schulstunde - und bekamen einen breiten Einblick in aktuelle politische Ereignisse und den Alltag einer Politikerin. Denn zu Gast war Theresia Bauer, die grüne baden-württembergische Ministerin für Forschung, Wissenschaft und Kunst.
Bauer stellte sich den Fragen der Schüler - und verblüffte dabei zuweilen mit ihrer Offenheit. Insbesondere ihre liberale Haltung zu einer etwaigen Freigabe von Cannabis überraschte die Jugendlichen. Cannabis sei eine Droge wie etwa Alkohol auch - "da halte ich eine Entkriminalisierung für richtig", sagte die Ministerin. Auch bei anderen kontroversen Fragen gewährte Bauer den Schülern einen Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebes. Zu den geplatzten Jamaika-Verhandlungen auf Bundesebene hat Bauer eine eindeutige Meinung: Sie könne bis heute nicht verstehen, "welche inhaltlichen Gründe einer der drei Akteure für den Ausstieg hatte" - und meinte damit natürlich die FDP. Es wäre wichtig gewesen, neue Wege zu gehen, "um ein handlungsfähiges, stabiles Deutschland zu haben".
Auch bei dem immer wieder aufflammenden Diesel-Skandal war ihr die Enttäuschung anzumerken. "Mich hat der Vertrauensbruch unglaublich geärgert", sagte sie in Hinblick auf die Autohersteller. Eine Optimierung sei zu lange auf dem alten Weg versucht worden. "Jetzt muss der Fokus auf nachhaltigen Fragen liegen, sowohl sozial als auch ökonomisch." Und wie sieht eigentlich die Zukunft der Grünen in Baden-Württemberg aus? Was plant die Partei, wenn ihr Aushängeschild Winfried Kretschmann eines Tages in den Ruhestand geht? "Unser Erfolg in Baden-Württemberg liegt nicht an einer Person", so Bauer. Sie machte klar, dass die Grünen mehr sind, als nur eine "Öko-Partei". "Wir machen Politik für Menschen, nicht nur für Bienen."
Bei anderen Fragen musste sie allerdings passen. Vor allem bei persönlichen Anliegen der Schüler konnte sie nicht weiterhelfen. Warum etwa so wenige Busse vom Land in die Stadt fahren, wollte der 16-jährige Mika wissen. Das liege leider außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs, meinte Bauer. Auch Fragen, die den Bildungsplan betreffen, musste die Ministerin unbeantwortet lassen.
Dafür hatte sie selbst eine Botschaft für die Schüler dabei: Nämlich, dass sie sich immer weiterbilden sollten: "Wir brauchen ihre Klugheit", sagte sie zu den gut 30 Jugendlichen. Schließlich käme es heutzutage darauf an, auch anpassungsfähig zu sein. "Lernt, das Unbekannte als entspannend zu erleben", sagte Bauer. Offenheit für Neues sei insbesondere bei einem Thema gefragt: der Digitalisierung.
Die Fragestunde kam bei den Schülern gut an. "Ich bin überrascht, dass sie auf die Fragen wirklich eingegangen ist", fand Mika, der Moderator der Diskussionsrunde. Denn eigentlich hätte er erwartet, "dass sie viel mehr um den heißen Brei herum redet. Das tun Politiker doch sonst auch immer". Und der 17-jährige Jonas resümierte: "Ich finde es interessant, Politiker auch mal in der Realität zu sehen. Sonst sehe ich sie immer nur in der Heute-Show."