Dunkel-AG an der Ilvesheimer Schloss-Schule: Improvisieren im stockfinsteren Saal
Von Nicoline Pilz
Ilvesheim. Über den Mann, der mit BMW und totem Hund ins Schwimmbad fährt, lachen sie sich scheckig, die Schüler der Dunkel-AG an der Schloss-Schule in Ilvesheim. Es sind verrückte Geschichten, die an diesem Spätnachmittag gesponnen werden: Zu Gast ist Schauspielerin und Trainerin Isolde Fischer vom Impro-Theater "Drama Light" aus Mannheim. Sie macht mit den Jugendlichen verschiedene Übungen, um Körper, Geist und Stimmung zu lockern, denn zum ersten Mal sind die 13- bis 18-jährigen Teil der Bühnenshow, die das Impro-Theater am 22. November präsentieren wird.
Das Besondere dabei: Es ist stockfinster im Raum, nicht mal Licht von Uhren oder Handys unterbricht die Schwärze. Den Schülern der von Lehrer Gunter Bratzel nach einer Projektwoche initiierten Arbeitsgemeinschaft ist das egal. Sie sind entweder sehbehindert oder blind, allerdings so sicher im "Dunkelsalon" unterwegs, dass sich bei den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen die Rollen verkehren.
Sie nehmen dann die Besucher am Ellenbogen und führen sie inzwischen auch selbst an die Plätze. Sie schenken Getränke aus und kassieren. Oder reden beruhigend mit denjenigen Gästen, denen die Finsternis plötzlich doch zu schaffen macht. "Die AG und der persönliche Kontakt mit den Leuten sind cool", meint Leon an diesem Nachmittag im Gespräch mit der RNZ.
"Es ist gut fürs Selbstbewusstsein, sich um andere zu kümmern", sagt Sophie. "Und die Leute lernen die Schule und die AG bessern kennen. Das ist ein Erlebnis, das Eindruck macht." Bratzel sieht das ebenso. Die Reihe "Kultur im Dunkeln" steht in ihrem dreizehnten Jahr als feste Institution und als Adresse, zu der diesmal Künstler aus ganz Europa kommen. Oder eben nun aus der Schule selbst.
Entstanden ist die Idee, die Schüler mit kleinen Beiträgen ins Improvisationstheater einzubinden, im Vorfeld der Veranstaltung. "Drama Light ist ja nicht zum ersten Mal bei uns und wir haben auch schon sehr viele Themen abgehandelt. Von daher fanden es beide Seiten schön, die Schüler zu involvieren", sagt Bratzel. Die Trainingsstunde mit Isolde Fischer macht ihnen Spaß, denn sie seien "spontaner" geworden, wie Maximilian erzählt. Und es mache Spaß, so ohne Text zu spielen - ganz im Sinne eines Impro-Theaters, bei dem die Besucher selbst Stichworte einbringen können.
Allerdings stellt sie die Übungseinheit auch vor Herausforderungen: "Mir fallen diese Standbilder schwer", meint Christina. Und ergänzt: "Wir sollten eine Waschmaschine darstellen. Ich meine, ich weiß, wie eine aussieht, aber es ist trotzdem schwierig." Sehr reflektiert erklärt Julia, wie viel Überwindung es sie koste, das "Hirn auszuschalten" in der Sorge, ob die eingebrachte Idee vielleicht falsch sei oder nicht ankommen.
"Wenn man blind ist, muss man viele Dinge kontrollieren, und Regeln bestimmen den Tag", sagt Gunter Bratzel. Loszulassen, falle da sicher nicht leicht. Gleichzeitig bescheinigt er beiden Mädchen: "Ich finde, dass ihr Zwei im Verlauf der Stunde lauter und spontaner wurdet."
"Das Coolste war, dass wir alle miteinander gelacht und als Team gearbeitet haben", bekräftigen Adrian und Lasse. Vor allem bei den gemeinsam ausgedachten Geschichten, die mit einem Wort begannen und dann mit dem nächsten ergänzt werden sollten, kam Absurdes heraus, das sie herzlich erfreute.
Ihr Einsatz beim Impro-Theater und die Vorbereitung darauf waren fraglos teambildende Maßnahmen, die allen Beteiligten zu mehr Selbstbewusstsein verhalfen. Sie würden gerne einen Kurs daraus machen, wenn sich ein Sponsor finden würde.
Info: Für die noch folgenden Termine der Kulturreihe gibt es Restkarten. Mehr Infos unter www.schloss-schule-ilvesheim.de