Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will für eine Reihe von Produkten und Dienstleistungen die Barrierefreiheit vorschreiben. Damit solle Menschen mit Behinderungen die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden, sagte die EU-Beschäftigungskommissarin Marianne Thyssen am Mittwoch in Brüssel. Einheitliche Regeln seien auch gut für Unternehmen, die künftig nicht mehr unterschiedliche nationale Vorschriften beachten müssten.Die vorgeschlagene Richtlinie zur Barrierefreiheit soll für folgende Bereiche gelten: Computer und Betriebssystem, Geldautomaten und Ticketmaschinen, Telefone, Digitalfernseher, Telefondienstleistungen, audiovisuelle Medien wie beispielsweise Fernsehen, Transportsysteme, Bankdienstleistungen, elektronische Bücher und E-Commerce. Thyssen sagte, technische Lösungen würden nicht vorgeschrieben, sondern lediglich Erfordernisse. Die Richtlinie werde auch nicht für Kleinunternehmen gelten.So solle beispielsweise ein Blinder in der Lage sein, einen Ticketautomaten an einem Bahnhof oder Flughafen zu bedienen. An Bankautomaten könne es gesprochene Hilfen geben, die Tasten von TV-Fernbedienungen könnten für Blinde «lesbar» gemacht werden, Webseiten ließen sich ebenfalls barrierefrei gestalten. Thyssen sagte, in der EU seien etwa 80 Millionen Menschen unterschiedlich stark behindert. Für die Industrie ergäben sich durch die Vereinheitlichung Kosteneinsparungen. Die Richtlinie soll sechs Jahre nach ihrer Verabschiedung in Kraft treten.