Pilsen (dpa) - Von Anfang an war klar, dass Pilsen als Kulturhauptstadt Europas nicht zu einem zweiten Prag werden würde. Bekannt ist die Industriestadt im Westen Tschechiens bis heute in erster Linie als Ursprungsort des untergärigen Bieres, das weltweit «Pils» genannt wird. Dennoch bot «Pilsen 2015» ein vielfältiges Programm von atemberaubender Akrobatik über Gemälde neuseeländischer Maori bis hin zur Barockmusik. Dabei dürften nicht wenige Besucher den Kunst- mit einem Brauereibesuch verbunden haben.In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnete die Stadt mit rund 160 000 Einwohner mehr als 380 000 Hotelübernachtungen, eine Steigerung um gut 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten der ausländischen Gäste, nämlich 42 Prozent, kamen aus Deutschland. Zudem reisten viele Tagesbesucher mit dem Zug zur Kultur aus Regensburg an - und wurden schon während der Fahrt mit Auftritten von Musikern auf das Erlebnis eingestimmt.Das Kulturhauptstadtjahr bedeutete auch einen Schub für die Kooperation mit der benachbarten Oberpfalz. Anfang April machte ein ganz besonderer Besucher seine Aufwartung in Pilsen: Der elf Tonnen schwere Drachen-Roboter «Tradinno» aus dem Grenzort Furth im Wald rollte auf den Platz der Republik und spie Feuer. Das Volksspiel-Ungetüm kam «in friedlicher Absicht» und zählte zu den Höhepunkten der bayerischen Kulturtage.Es gab auch Kritik: «Langeweile in der Kulturhauptstadt», titelte die Zeitung «Lidove noviny» im März nach einem Wochenendbesuch. Da waren wichtige Ausstellungen und der Kreativraum «Depo2015» in einer ehemaligen Halle der Verkehrsbetriebe noch nicht eröffnet. Im Werkstattatelier «Makerspace» kann sich dort heute jeder als Künstler austoben. Es ist eines der Projekte, die im kommenden Jahr fortgeführt werden sollen.