Mittelständische Unternehmen in Deutschland stehen nicht erst seit dem Iran-Krieg mit dem Rücken zur Wand. Auch die SPD müsste liefern. Eigentlich. Es ist nicht ewig her, da konnten Investoren mit deutschen Aktien aus der zweiten und dritten Reihe tolle Investments fahren . Deutscher Erfindergeist, gepaart mit bester Qualität, traf auf gute Rahmenbedingungen. Ebenjene Bedingungen sind aber so schlecht geworden, dass sie die eigentlich guten Mitarbeiter und deren Ideen in den Hintergrund drängen. Auch die SPD müsste sehen, wie wichtig ein guter Mix aus Steuer- und Energiepolitik sowie Infrastruktur für Firmen in Deutschland wäre. Eigentlich. Denn die Realität sieht anders aus als früher, und vom Rückenwind der Politik kann man nur träumen. Wer an der Börse das schnelle Glück suchte, blickte in den vergangenen Jahren meist sehnsüchtig über den Atlantik zu den glorreichen Sieben – Alphabet, Amazon , Apple , Meta , Microsoft , Nvidia und Tesla – oder klammerte sich im Inland an den Dax-Tanker. Doch wer sein Depot historisch betrachtet wirklich veredeln wollte, der konnte lange Zeit eine Etage tiefer einsteigen. Regionalliga der Rendite Ein kurzer Blick in den Rückspiegel gefällig? "Wer im Jahr 2000 mit 50.000 Euro in den Dax eingestiegen ist, durfte sich 2021 über gut 100.000 Euro freuen", rechnet Lars Reichel von der Münchner Börse vor. Klingt solide, entspricht aber einer jährlichen Rendite von weniger als vier Prozent, was inflationsbereinigt eher ein lauwarmes Vergnügen war. "Im selben Zeitraum mutierte das gleiche Startkapital im MDax zu stattlichen 380.000 Euro und damit zehn Prozent Rendite pro Jahr und im SDax zu immerhin 260.000 Euro", so die Berechnung von Franz-Georg Wenner von Index Radar. Kurz gesagt: Die erste Liga war lange Zeit eher die Regionalliga der Rendite. Doch seit 2021 hat sich das Blatt gewendet. Während der Dax von Rekord zu Rekord eilt und zuletzt im Januar eine neue Bestmarke setzte, geht dem MDax die Luft aus. "Knapp 25 Prozent liegt er unter seinem Allzeithoch", so die Experten vom Lynx-Broker. Die Gründe sind vielfältig. Während die Dax-Giganten ihr Geld global verdienen, klebt am Mittelstand der "Stallgeruch" der deutschen Konjunktur. Die Nebenwerte erzielen im Schnitt einen doppelt so hohen Umsatzanteil in Deutschland wie die Bluechips. Wenn der hiesige Wirtschaftsmotor stottert, spüren das die kleineren Firmen sofort. Hinzu kommt das Zinsdilemma: Eine Siemens oder eine Allianz holt sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu erstklassigen Konditionen. Der Mittelständler hingegen sitzt beim Bankberater, der die EZB-Zinserhöhungen plus Risikoaufschlag fast postwendend in die Kreditmarge einpreist. "Prime Day" beim SDax Das Ergebnis ist ein kollektiver Vertrauensentzug internationaler Fonds, der zu einer Bewertung führt, die hellhörig machen sollte. Es ist ein seltsames psychologisches Phänomen: Würde ein Nobelkaufhaus 70 Prozent Rabatt auf Designerstücke gewähren, gäbe es Schlagzeilen und Einlasskontrollen. An der Börse hingegen lösen massive Preisnachlässe bei den meisten Privatanlegern eher Fluchtreflexe aus. Dabei liegen die Fakten glasklar auf dem Tisch, wie Daten von boersengefluester.de belegen. Besonders im SDax herrscht derzeit "Prime Day"-Stimmung: "Mit rund 16 liegt das aus allen Einzelwerten ermittelte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) satte 20 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 21", so die Experten vom Lynx-Broker. Man zahlt also deutlich weniger für jeden Euro Gewinn als üblich. "Der Abschlag auf die tatsächliche Substanz, Stichwort Kurs-Buchwert-Verhältnis , liegt bei massiven 37 Prozent", so Thomas Soltau vom Smartbroker. In der Praxis heißt das: Viele dieser oft hoch spezialisierten Weltmarktführer notieren an der Börse weit unter dem Wert, den man allein für ihre physischen Vermögenswerte ansetzen müsste. Für private Investoren ist dies das klassische "Sicherheitsnetz": Man kauft Substanz mit einem riesigen Rabatt ein. Ein Paradebeispiel für diesen Ausverkauf ist Carl Zeiss Meditec . Ein technologischer Weltmarktführer im Bereich OP-Mikroskope für die Neurochirurgie oder Laser zur Korrektur von Fehlsichtigkeit, dessen Aktie aktuell zu einem KBV von 1 gehandelt wird. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre lag dieser Wert bei 4,8. Im Jahr 2021 wurde die Firma zeitweise wie ein kalifornischer Tech-Gigant bewertet und jeder wollte sie haben. Seitdem ist der Kurs um rund 90 Prozent gefallen und liegt auf dem Niveau von 2015. Wer hier zugreift, kauft zwar mit einem schlechten Bauchgefühl, aber etwas übertrieben formuliert die Substanz zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens, während er eigentlich einen Sportwagen erhält. Solide Qualität im MDax Dass die Preise nicht zum Produkt passen, haben die Profis längst bemerkt. Während Privatanleger noch zögern, bringen sich die "großen Jungs" in Stellung. Private-Equity-Riesen wie Warburg Pincus, aktiv bei Netfonds, oder Family Offices bei Cashflow-Perlen wie Fielmann und Hensoldt sammeln still und heimlich Anteile ein. Besonders auffällig: Deutschland bleibt das Hauptziel chinesischer Industrie-Investitionen. Ob der Einstieg von Anta Sports bei Puma, mit knapp 29 Prozent nun größter Aktionär, oder der Hunger auf deutsches Ingenieurwissen in der Robotik und bei Automobilzulieferern – das Ausland nutzt die Gunst der Stunde, um Technologielücken zum Discountpreis zu schließen. Der MDax bietet derzeit solide Qualität mit moderatem Rabatt, doch der SDax ist der wahre Wühltisch für Mutige. Namen wie Dürr, GFT, Siltronic , Grenke oder Hypoport notieren auf Niveaus, die weit über eine "gesunde Korrektur" hinausgehen. Für den Privatanleger bedeutet das: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis fungiert derzeit als Sicherheitsnetz. Man kauft reale Werte mit einem ordentlichen Puffer ein. Wenn die Profis aus Übersee und Fernost bereits den Einkaufswagen füllen, sollten heimische Anleger zumindest einmal einen Blick auf die Preisschilder werfen. Ab einem bestimmten Punkt ist die zweite Reihe so günstig, dass selbst die Steuerpolitik der SPD Investoren nicht mehr verschreckt. Und das will etwas heißen.