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Wunsch nach einem Baby: Kinderwunschpaare: Weniger Geld, weniger Chancen

Stern 

Eine künstliche Befruchtung kostet etwa 5.000 Euro aufwärts. Für viele kinderlose Paare ist das kaum zu stemmen. Das Land Sachsen-Anhalt fördert zwar. 2025 gingen die Zahlen aber deutlich zurück.

Die Geburtenzahlen in Sachsen-Anhalt sind auf einem historischen Tiefstand - auch bei künstlichen Befruchtungen zeichnet sich ein deutlicher Rückgang ab. In Sachsen-Anhalt brach die Zahl der Anträge auf den staatlichen Zuschuss zur Kinderwunschbehandlung im vergangenen Jahr ein. Während 2024 noch 422 Anträge gestellt wurden, waren es im Folgejahr nur noch 246, wie das Landesverwaltungsamt in Halle auf Anfrage mitteilte. 

Suche nach den Gründen für den Rückgang

Kinderwunschbehandlungen gibt es in Sachsen-Anhalt in drei Einrichtungen: an den beiden Universitätsklinika in Magdeburg und Halle sowie in einem privaten Kinderwunschzentrum in Magdeburg. Die Erklärungen zu den Zahlen des Landesverwaltungsamts fallen dort teils unterschiedlich aus. 

Carina Strecker ist die Ärztliche Leiterin der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Magdeburg und berichtet von einem Rückgang bei den Kinderwunschbehandlungen um knapp ein Drittel binnen eines Jahres. Strecker sieht vor allem finanzielle Gründe. Die Einkommen in Sachsen-Anhalt gehörten zu den niedrigsten in Deutschland. Viele Paare fragten sich: "Wie bezahle ich das denn?" Rund 5.000 Euro koste ein Versuch, es könne auch mehr sein. Jeder weitere Versuch kostet wieder diese Summe.

Für Ehepaare übernehmen die Krankenkassen in der Regel 50 Prozent der Kosten für die Behandlung. Für viele bleibt trotzdem noch eine Summe, bei der sie zumindest schlucken müssen. Nicht verheiratete Paare, die Sachsen-Anhalt bei der Förderung gleichstellt, bekommen in der Regel aber keine Leistungen der Krankenkasse für die Kinderwunschbehandlung. Strecker berichtet, dass es durchaus vorkomme, dass sich Paare kurzerhand "zusammenschreiben" ließen.

Übergangsjahr mit Umzug in Halle

Reproduktionsmediziner Gregor Seliger in Halle sagt, er und sein Team arbeiteten unter "Idealbedingungen". Nach einer großen Investition und Umzug in neue Räume arbeite das Kinderwunschzentrum Halle am MVZ des Universitätsklinikums seit Januar unter Volllast. Im vergangenen Jahr sei eine mehrmonatige Lücke bei den Behandlungen entstanden. Patienten seien an andere Standorte gewechselt, teils auch außerhalb von Sachsen-Anhalt, andere hätten warten wollen - Seliger sieht hier einen Grund für die zurückgegangenen Antragszahlen und auch die vergleichsweise geringen Genehmigungen.

Das eine sei das "Organisationstechnische", sagt Seliger, aber etwas anderes besorgt ihn. Viele Paare unternähmen nur einen Versuch einer künstlichen Befruchtung und keinen zweiten oder dritten. "Da fehlt das Geld." In Sachsen-Anhalt gebe es eine sehr hohe Quote an nicht verheirateten Paaren, bei denen die Krankenkassen nicht zahlten. Die Zahlen des Landesverwaltungsamts zeigen: Bei 246 Anträgen auf Unterstützung im vergangenen Jahr ging es in je 40 Fällen um einen zweiten oder dritten Versuch.

2025 wurde nur jeder fünfte Antrag positiv beschieden

Zu dieser finanziell ohnehin angespannten Situation kam 2025 noch ein besonders niedriger Stand bei den bewilligten Anträgen für die Förderung bei der Kinderwunschbehandlung. "Insgesamt wurden im Jahr 2025 44 Anträge positiv entschieden", erklärte ein Behördensprecher mit Blick auf die 246 gestellten Anträge. 

Ausgezahlt wurden zusammen knapp 127.800 Euro Förderung von Land und Bund. Zur Verfügung standen laut Sozialministerium in Summe 236.000 Euro, nachdem 2024 rund 221.500 Euro ausgezahlt wurden.

Gefragt nach dem Hintergrund der geringen Zahl der geförderten Behandlungen erklärte ein Ministeriumssprecher: "Im Jahr 2025 konnten weniger Anträge beschieden werden wegen der hohen Anzahl bereits aus dem Vorjahr gebundener Mittel. Geschuldet ist dies dem zeitlichen Abstand von einem Jahr oder auch mehr zwischen Bewilligung und Auszahlung der Zuwendung." In diesem Jahr stehen laut Sozialministerium 236.000 Euro zur Verfügung. 

Patienten versuchen es länger selbst zu Hause

Die Reproduktionsmediziner Seliger und Strecker stellen fest, dass die Patientinnen älter werden. "Zunehmend versuchen die Patienten zu Hause allein schwanger zu werden", sagt Strecker. Die Frauen würden älter, wenn sie dann mit 35 oder älter mit einem Schwangerschaftswunsch kämen, "da wird es auch für uns schwierig". 

Seliger sieht noch ein weiteres Phänomen: Viele Frauen entschieden sich nach dem ersten Kind für kein weiteres. Oder sie ließen viel Zeit ins Land gehen, bis sie ein zweites Kind wollten. "Wenn man dann wartet, dann schlägt die Biologie zu." 

Dass es die Förderung gibt, ist gut, aber...

Strecker und auch Seliger finden es gut, dass es die Förderung für die ungewollt kinderlosen Paare gibt, insbesondere auch für unverheiratete. Seliger spricht angesichts der finanziellen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt von einem "Tropfen auf den heißen Stein". "Es wäre aus meiner Sicht noch wichtiger, dass man die Finanzierung komplett über die Krankenkassen laufen lässt oder zumindest nicht nur über drei Zyklen - und die ja nur zur Hälfte -, die oft nicht reichen."

Strecker sagt: "Es wäre ein Vorteil, wenn man unverheiratete Paare etwas höher bezuschussen würde." Das könnte ein Anreiz sein, in die Behandlung zu gehen. Sie weist zudem darauf hin, dass gleichgeschlechtliche Paare gar nicht berücksichtigt sind. Was sich beide wünschen, sind auch neue gesetzliche Grundlagen, die neben der Samenspende auch die Eizellspende zulässt. 

Die natürlichen biologischen Voraussetzungen, schwanger zu werden, sind laut den beiden Experten zunehmend schwierig - und zwar vonseiten der Frauen wie auch der Männer. Von Jahr zu Jahr würden die Spermiogramme schlechter, sagt Strecker. Das sei in allen Industrieländern so. Man gehe von einem Drittel Ursache bei der Frau und einem Drittel beim Mann aus, die Ursachen beim letzten Drittel lägen bei beiden Partnern beziehungsweise seien ungeklärt, sagt Seliger.

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