Neue RockShox Zeb im Test: Weniger Service, mehr Smoothness
RockShox Zeb 2027 im Test: Die neue RockShox Zeb soll smoother ansprechen und für mehr Kontrolle auf dem Trail sorgen. Grund ist eine linearere Luftfeder sowie eine verbesserte Schmierung und neu entwickelte Dichtungen. Dazu gibt’s noch die neue, härter abgestimmte Charger 3.2-Dämpfung. Wir konnten die MY27 RockShox Zeb bereits gründlich testen!
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Video: RockShox Zeb & Vivid Air im Test
RockShox Zeb MY27 – Infos und Preise
Wer bei der Vorstellung der MY27 RockShox Boxxer (Test) vor einigen Wochen aufgepasst hat, wird einige der neuen Zeb-Features bereits kennen: Da wäre die Linear XL-Luftfeder mit ihrer leicht erkennbaren Ausbuchtung am Casting und separater Luft-Kartusche. Dazu soll es dank Butterwagon-Tech – auffälligen Bohrungen in den Standrohren – sowie neuem Schmieröl und überarbeiteten Dichtungen nun deutlich weniger Reibung geben, wodurch die Charger 3.2-Dämpfung etwas härter abgestimmt ausfallen kann. Überdies gibt’s einige Evolutions-Stufen, die an der Boxxer fehlen, wie die auffällig abgedeckte und mit Aussparungen versehene Brücke und ein neues ABO-System. Wir konnten die RockShox Zeb Ultimate-Federgabel mit 170 mm Federweg bereits in einem Trek Fuel LX testen. Ebenfalls neu sind RockShox Lyrik (Test) und RockShox Vivid Air/Super Deluxe (Test)!
- Laufradgrößen 27,5″, 29″
- Federweg 150–180 mm
- Besonderheiten ABO-System am linken Tauchrohr, neue Druckablassventile, Butterwagon-Technology-Schmiersystem, neues Öl, neue Dichtungen, neues Design der Krone, Linear XL-Luftfeder mit vergrößertem Casting-Volumen
- Federung Linear XL-Luftfeder
- Dämpfung Charger 3.2
- Farben rot (nur Ultimate), schwarz
- Achsmaß 15 x 110 mm Boost
- Offset 38 mm (nur 27,5″), 44 mm
- Gewicht 2.536 g (170 mm, ohne Fender)
- www.sram.com
Preise (UVP) 1.415 € (Zeb Ultimate) | 1.965 € (Zeb Flight Attendant), 1.080 € (Zeb Select) | Bikemarkt: RockShox Zeb kaufen
Im Detail
Wenig überraschend bietet die neue MY27-Zeb viele der Features, die vor einigen Wochen an der Downhill-Gabel Boxxer vorgestellt wurden. Allerdings war die Gabel, ebenso wie die MY27 RockShox Lyrik (Test), im Entwicklungsstadium etwas später dran, weshalb sie einige auffällige Neuerungen bietet, die es nicht mehr an die Boxxer geschafft haben. Da wäre etwa die auffällige, mit Plastik überdeckte Brücke am Casting. Darunter verbirgt sich eine neue Konstruktion mit einer sehr flachen Brücke und fachwerkartigen Querstreben an Vorder- und Rückseite. Nicht schön fürs Auge, anscheinend jedoch konstruktiv vorteilhaft.
Zudem gibt’s nun wie schon bei Fox auch bei RockShox Löcher an der Brücke – allerdings seitlich und deutlich weniger prominent. Der schmale Schlitz ist genau über der oberen Gleitbuchse und soll sicherstellen, dass die Wanddicke um die Buchse herum identisch bleibt, was sich positiv in einer gleichmäßigeren Verformung und Performance unter Last bemerkbar machen soll. Ein im Maschinenbau sehr bewährtes Konstruktionsprinzip! Direkt darüber befinden sich die neuen, mit SKF entwickelten Staubabstreifer, die für weniger Reibung sorgen sollen, da sie die Standrohre bei steigendem Druck im Casting weniger greifen sollen.
Eine weitere von außen erkennbare Besonderheit ist die mit Linear XL beschriftete Box neben der Bremsaufnahme. Wie bei Boxxer und Lyrik verbirgt sich darunter einfach ein Hohlraum: Die Luftseite im Casting hat normalerweise weniger Volumen, weshalb die darin gefangene Luft beim Einfedern als unfreiwillige Luftfeder wirkt. Die Linear XL-Kammer gleicht das Volumen an die Dämpfungsseite an und soll den ungewollten Effekt minimieren. Zudem gibt’s durchgehende Löcher in den Standrohren, die beim Vorbeigleiten Luft aus diversen Hohlräumen – etwa zwischen den Gleitbuchsen – entweichen lassen, was für eine konstantere Performance sorgen soll. Eine weitere wichtige Änderung ist, dass die Luftkammer nun ebenfalls in einer geschlossenen Kartusche im Standrohr haust. Dadurch steigt der nötige Luftdruck deutlich, feine Änderungen sollen leichter umzusetzen sein und die Luftfeder fällt insgesamt deutlich linearer aus.
Ein nennenswertes Feature der neuen RockShox-Gabel-Generation sind die längeren Service-Intervalle – dazu trägt die sogenannte Butterwagon-Technology bei. Der etwas merkwürdige Begriff bezeichnet Golfball-artige Bohrungen im unteren, nicht sichtbaren Teil der Standrohre. Diese sollen Schmieröl unten im Casting aufnehmen und oberhalb der Gleitbuchsen wieder ausspucken. Außerdem darf sich der Zeb-Besitzer nun über ein weiteres Verstellrädchen freuen: Auf der Unterseite des linken Tauchrohrs ist ein lila ABO-Einsteller mit 5 mm Inbus-Aufnahme und 8 Klicks. Dieser hat jedoch nichts mit dem hydraulischen Anti-Bottom-Out von Vivid oder Super Deluxe zu tun. Stattdessen handelt es sich um einen Elastomer-Endanschlag, der um 10 mm hoch- und runtergeschraubt wird und sich so auf die letzten 7–17 mm Federweg auswirken soll. Inspiriert ist das System von der Boxxer, in der schon seit Generationen ein fest verbauter, allerdings längerer Elastomer für Durchschlagschutz sorgt.
Laut RockShox wurde an der Zeb jedes einzelne Teil verändert – nur die Maxle-Steckachse ist identisch geblieben. Auch die Charger 3.2-Dämpfung ist neu, allerdings im Wesentlichen über eine Wellenfeder im Shimstack härter abgestimmt als bisher. Das liegt laut RockShox daran, dass man so viel Reibung aus dem System genommen hat, dass man mehr Dämpfung braucht, um die Gabel ausreichend hoch im Federweg zu halten. Ebendarum ist die Dämpfung nicht rückwärtskompatibel mit alten Gabeln – hier wäre sie laut RockShox schlicht zu überdämpft. Dafür kann man beim HSC und LSC nun die einzelnen Klicks ablesen und muss nicht mehr zählen.
Neben verbesserten Dichtungen gibt’s auch neues, mit Maxima entwickeltes Schmieröl, von dem sich RockShox viel verspricht. Zudem kommt auf die Luftseite durch das zusätzliche Volumen jetzt mehr Öl und man ist von 5 WT wieder auf 15 WT gegangen. Die Druckablassventile konnten dadurch, dass die Luftfeder in einer Kartusche steckt, in die Krone wandern und sind wieder zum Eindrücken, nicht zum Drehen. Zudem gibt’s laut RockShox zwei Fender-Optionen, die die Kunststoff-Abdeckung der Brücke ersetzen. Das unauffällige neue Zeb-Decal auf der Innenseite befindet sich wie die RockShox-Logos übrigens unter dem Klarlack, soll also nicht so schnell verkratzen, lässt sich aber auch nicht entfernen.
Auf dem Trail
Wie schon beim Boxxer-Test konnte ich auch die neue RockShox Zeb Ultimate zunächst in Queenstown, Neuseeland, testen. Als Testbike hat mir ein Trek Fuel LX-Enduro-Bike gedient – der Testbericht dazu wird in den kommenden Wochen veröffentlicht. Außerdem war darin der neue RockShox Vivid Air (Test) verbaut. RockShox hat neben Produktmanagern auch Entwickler mitgebracht, die mir beim ersten Setup der Federgabel geholfen haben. Anschließend konnte ich die Zeb mit nach Hause nehmen und auf meinen Hometrails nahe Graz, Österreich, sowie im Bikepark testen. Beim Setup habe ich mich zunächst an den empfohlenen Luftdruck von 135 psi für meine ca. 84 kg gehalten, ein Token war nicht verbaut. Den Rebound habe ich nach meinen Präferenzen eher zügig eingestellt, LSC, HSC und ABO mittig.
Beim ersten Aufsteigen aufs Bike fällt direkt auf, wie sensibel die Gabel anspricht. Daran sollte sich auch im restlichen Test-Verlauf nichts ändern – die Zeb ist wirklich komfortabel und schont die Hände. Insbesondere auf meinen Hometrails, die mir sehr vertraut sind, ist mir bewusst geworden, wie komfortabel das Rad mit dem neuen RockShox-Fahrwerk auf dem Boden klebt. Von Beginn an hatte ich jedoch das Gefühl, dass die Gabel teilweise etwas tief im Federweg steht – was angesichts der lineareren Kennlinie erstaunlich ist – und in sehr ruppigen Sektionen dadurch etwas harsch werden kann. Gleichzeitig habe ich den Federweg vor allem auf den flacheren Test-Trails in Neuseeland nicht ausgenutzt, doch auch zurück in Graz hat die Gabel selbst mit ganz herausgedrehtem ABO viel Widerstand auf den letzten 10–20 mm geboten. Nach einigen Versuchen mit leicht angehobenem Luftdruck habe ich schließlich einen Token verbaut – es passen die alten, grauen – was der Gabel deutlich mehr Gegenhalt und Lebhaftigkeit in der Federwegsmitte spendiert hat.
Wie schon bei der Boxxer gilt, dass die Charger 3.2-Dämpfung deutlich spürbare Unterschiede mit jedem Klick bringt. Zudem kann man auch recht viel Dämpfung fahren, ohne dass die Gabel harsch wird. Am Rebound-Einsteller habe ich wenig verändert und hatte trotz schneller Abstimmung nie das Gefühl, dass die Gabel ungedämpft zurück in die Handflächen prellt. Bei der Druckstufe habe ich alles von ganz offen bis zu probiert – beides ist im gut fahrbaren Bereich, wobei ich eher zu einem Setting leicht geschlossen von der Mitte aus tendiere. Die Gabel liefert dann immer noch viel Grip, fährt sich aber direkter und bietet mehr Gegenhalt.
Ein zwiespältiges Gefühl habe ich gegenüber dem ABO-Setting. Mehr Einstellbarkeit kann ein Vorteil sein – insbesondere wenn die Verstellung wie hier so eine eindeutige Wirkung hat und die restlichen Rädchen nicht ungeahnt beeinflusst. Da ich aber ohnehin bestrebt war, die komfortable Zeb mit genug Gegenhalt auszustatten – was über Dämpfung und Luftfeder problemlos möglich ist –, hatte ich nie das Gefühl, auf den Bumper angewiesen zu sein. Wer ein weicheres Setup bevorzugt oder einfach die Grenzen der Gabel komplett ausreizen will, wird sich aber über die Option, mehr Durchschlagschutz einzustellen, freuen.
Das ist uns aufgefallen
- Service-Intervalle Diese sollen durch die verbesserte Schmierung und Dichtungen länger geworden sein, was für Endkunden ein nennenswerter Vorteil war. Mein Test-Zeitraum von einigen Wochen war zu kurz, um dazu viel sagen zu können. Die Gabel spricht aber stets auffällig sensibel an. Meine Test-Gabel wurde nach Lieferung aus dem Werk allerdings von RockShox-Technikern abermals zerlegt und einem Service unterzogen.
- ABO Der verstellbare Bumper im linken Tauchrohr ist ein nettes Extra-Feature, das für einige interessant und für den Rest nicht störend sein dürfte. Als absolutes Must-have würde ich ihn nicht bezeichnen.
- Fender Bei diesen ist die Kunststoff-Abdeckung der Brücke integriert – Nachrüstoptionen von Drittanbietern dürfte es Anfang 2026 noch nicht geben. Die Bohrungen in der Brücke sind Durchgangslöcher, verschraubt wird in ein Metallgewinde vorn im Kunststoff. Zu fest sollte man die Schrauben nicht anziehen, da sie sich sonst durch den Kunststoff drücken können. An sich ist die Lösung jedoch besser, als alle Gewinde im Magnesium-Casting zu haben.
- Druckablassventile Diese sind wohl auch aus rechtlichen Gründen an die Krone gewandert und nun wieder zum Eindrücken. Die Position ist besser erreichbar, ich finde jedoch die alte Dreh-Version besser, da man damit viel weniger ölige Finger oder Handschuhe bekommt.
Fazit – RockShox Zeb
Die neue RockShox Zeb Ultimate ist ein sinnvolles Upgrade zum Vorgängermodell. Die Enduro-Gabel scheint in jedem Bereich spürbare Verbesserungen zu bieten: Die Luftfeder lässt sich präziser einstellen, die Dämpfungseinstellungen sind gut spürbar und bieten einen sinnvollen Bereich, und das Ansprechverhalten ist exzellent! Das Ergebnis ist kein völlig neues Fahrerlebnis, aber eine sehr gute Enduro-Gabel, die für Grip, Vorhersehbarkeit und erstaunlich wenig Ermüdung sorgt!
RockShox Zeb – Pro / Contra
Stärken
- sehr sensibles Ansprechverhalten
- gut spürbare Klicks & sinnvoll nutzbarer Dämpfungsbereich
- längere Service-Intervalle
- präziser einstellbarer Luftdruck
Schwächen
- bisher … nichts!
Längere Service-Intervalle und ein sensibles Ansprechverhalten – wirst du auf die neue RockShox Zeb MY27 upgraden?
Testablauf
RockShox hat uns für die Vorstellung der neuen Zeb MY27 nach Queenstown, Neuseeland, eingeladen. Die Kosten für die Reise hat RockShox getragen. Anschließend konnten wir die Federgabel mit nach Hause nehmen und auf unseren vertrauten Hometrails weitertesten.
Hier haben wir die neue RockShox Zeb getestet
- Queenstown, Neuseeland: Flow und perfekte Kurven am Coronet Peak, technische Wurzelfelder und Fels-Drops im Bikepark Skyline oder naturbelassene Singletrails bei McGazza-Bench – das Enduro-Mekka auf der Südhalbkugel bietet ideale Testbedingungen.
- Graz-Umgebung: Naturbelassene Singletrails und Loamer – typische mitteleuropäische Bedingungen. Immer wieder kleine technische Herausforderungen, Grip und Kontrolle sind dringend benötigt.
- Schöckl, Österreich: Harte, ruppige Singletrails, die ein smoothes Fahrwerk und ausreichend Gegenhalt fordern. Armpump ist hier fast vorprogrammiert.
- Maribor, Slowenien: Legendärer Bikepark mit einer riesigen Vielfalt an Strecken. Vom World Cup-würdigen Singletrail bis zur Bikepark-Jumpline findet man hier alles vor.
| Körpergröße | |
| Schrittlänge | |
| Oberkörperlänge | |
| Armlänge | |
| Gewicht |
- Fahrstil
- verspielt
- Ich fahre hauptsächlich
- Downhill, Trail Bikes
- Vorlieben beim Fahrwerk
- ausbalanciert, Gegenhalt über die Feder, Druckstufe eher offen, mittelschneller Rebound
- Vorlieben bei der Geometrie
- eher kurz, hoher Stack, ausgewogener Sitz- und Lenkwinkel