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Lebensmittel: Wie Winzer im Osten auf den Alkoholfrei-Trend reagieren

Stern 

Immer mehr Winzer bieten alkoholfreie Alternativen zu herkömmlichen Weinen und Sekten an. Während "Rotkäppchen" den Trend als entscheidenden Wachstumsmarkt sieht, sind andere deutlich skeptischer.

Im Keller des sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth reifen unzählige Einzelstücke, die Jürgen Aumüllers Aufmerksamkeit brauchen. Zu den Aufgaben des Kellermeisters gehört es, die Sektproduktion nach klassischer Flaschengärung zu überwachen. Immer wieder müssen die kopfüber lagernden Flaschen "abgerüttelt" werden, so der Kellermeister, um die Gärhefe Schritt für Schritt behutsam in den Kopf der Flasche zu bewegen. Nicht nur in Frankreichs Champagne, sondern auch im Elbtal wird seit nunmehr 190 Jahren der Schaumwein nach dieser "méthode champenoise" hergestellt. Die Gärung verläuft in Nuancen immer ein wenig anders. "Jede Flasche für sich ist ein Unikat", sagt Aumüller. 

Markt für Alkoholfreies wächst

Der Markt für Sekt scheint in Zeiten sinkenden Alkoholkonsums ein stabiler Anker zu sein: Während der Weinkonsum nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) im vergangenen Jahr erneut sank, blieb der Absatz bei Sekt und Schaumwein weitgehend stabil - bei 3,5 Litern pro Kopf bei über 16-Jährigen. "Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken", so Wackerbarth-Sprecher Martin Junge. Jede fünfte Flasche Sekt weltweit werde hier entkorkt.

Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht. Dabei setzt auch die Traditionsmanufaktur seit dem vergangenen Jahr auf die Produktion einer alkoholfreien Sorte - nach langem Tüfteln. Denn wenn dem Wein, der die Grundlage für den Sekt bildet, der Alkohol technisch entzogen wird, fehlt auch ein Geschmacksträger, wie Kellermeister Aumüller erklärt. Das Verhältnis von Süße und Säure müsse deshalb angepasst werden, "um einfach den Geschmack ein bisschen vollmundiger zu gestalten".

Trendstudie: Jeder Zweite wünscht sich mehr Alkoholfrei-Angebot

Die wohl bekannteste ostdeutsche Sektmarke "Rotkäppchen" gibt es nach Unternehmensangaben bereits seit 2008 auch alkoholfrei. "Alkoholfrei ist für uns ein zentraler Hebel für weiteres Wachstum", sagt die Geschäftsführerin der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH, Silvia Wiesner, der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen ist heute nach eigenen Angaben Marktführer bei alkoholfreien Schaumweinen und sieht sich durch die eigene Marktforschung in seiner Strategie gestärkt. Demnach wünscht sich jeder Zweite unter insgesamt 1.500 Befragten einer Trendstudie mehr Auswahl in dem Bereich. 

Secco, Riesling und Rosé ohne Rausch und Alkohol waren in diesem Monat auch beim Branchentreff - der Fachmesse "ProWein" in Düsseldorf - in aller Munde. Absatz und Umsatz dieser Weinart zogen im vergangenen Jahr um 25 Prozent an, wie das Weininstitut DWI zum Messeauftakt mitteilte. Angebot und Qualität hätten sich weiter verbessert. Dennoch bleibt die Getränkeart für Winzer eine Nische: So gibt das DWI den Anteil alkoholfreier Weine am Gesamtumsatz mit nur rund zwei Prozent an.

Freyburger Winzer arbeiten an alkoholreduziertem Wein

Entsprechend skeptisch zeigt sich die Freyburger Winzervereinigung. Geschäftsführer Hartmut Schreiter bremst die Erwartung, alkoholfreie Weine könnten zum Massengeschäft werden. "Wir betrachten das hier absolut als Ergänzungsprodukt." Rund drei Prozent des verkauften Weins gingen auf die beiden alkoholfreien Sorten zurück. Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger sei zudem der Einstieg ins alkoholfreie Geschäft. Für das aufwendige Verfahren des Alkoholentzugs brauche es den Transport zu externen Dienstleistern. Weitere Produktionsschritte und Kosten fielen an. Bereits für die rund 360 Winzer der Freyburger Winzervereinigung sei das angesichts des geringen Umsatzanteils ein hoher Aufwand.

Anders sei das beim ebenfalls wachsenden Trend der Weine mit geringerem Alkoholgehalt. Hier arbeite man bereits daran, eine neue Sorte auf den Markt zu bringen. Das Ziel sei ein Wein in der Größenordnung von 7 bis 8,5 Prozent Alkohol statt der üblichen 12 bis 13, so Schreiter. Solche Produkte könnten mit den traditionellen Methoden ohne zusätzlichen Aufwand erreicht werden. Der Geschmack liege zudem näher am klassischen Wein.

Winzer im Osten trotz schwieriger Marktlage optimistisch

Trotz eines schwierigen Marktumfelds mit rückläufigem Weinkonsum bleibt man an Saale und Unstrut optimistisch und setzt vor allem auf die Vermarktung im Osten Deutschlands als regionales Produkt. Mit Erfolg: Der Absatz der Freyburger Winzervereinigung sei stabil "mit kleiner Wachstumstendenz", so Geschäftsführer Schreiter. Auch das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth spricht von einer insgesamt positiven Entwicklung und verweist auf steigende Besucherzahlen, einen stabilen bis wachsenden Absatz und die starke regionale Bekanntheit als "Erlebnisweingut".

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