Mit Milliarden ist es so eine Sache. Vorstellen kann man sich derart hohe Beträge nur schwer. Die Beträge in Relation zu setzen, kann aber Interessantes aufzeigen. Es ist noch nicht Jahrzehnte her, da waren jährliche Ausgaben für IT- und Rechenzentren von einer oder zwei Milliarden Dollar bei Tech-Konzernen eine durchaus bemerkenswerte Summe. "In der Mitte der 2020er-Jahre muss es schon dreistellig sein, damit ein Konzern als außergewöhnlich wahrgenommen wird", findet Börsenexperte Stefan Riße. Das globale Wettrüsten um künstliche Intelligenz erreicht eine neue Dimension. "Cloud-Giganten wie Alphabet, Amazon , Microsoft und Meta planen in diesem Jahr Investitionen zwischen 650 und 700 Milliarden US-Dollar in KI-Chips, Netzwerkequipment und Rechenzentren – nach 425 Milliarden im Vorjahr", rechnen die Experten vom Lynx-Broker vor. Zum Vergleich: Das nominale BIP Österreichs für 2026 wird auf rund 525 bis 605 Milliarden US-Dollar geschätzt. Amazon stößt an seine Grenzen Geld ausgeben allein reicht aber nicht. Die Ausgaben verteilen sich unterschiedlich, und das spiegelt sich bereits in der Kursentwicklung wider. Amazon plant 200 Milliarden US-Dollar, Alphabet etwa 180 Milliarden. Während Alphabet und Microsoft diese Summen noch aus laufendem Cashflow stemmen, stößt Amazon allmählich an Grenzen. AWS steht im Mittelpunkt: Eigene KI-Chips sollen maschinelles Lernen (ML) und generative KI effizienter machen, wobei der Fokus weniger auf der ultimativen Rechenleistung liegt, sondern auf skalierbaren, kosteneffizienten Lösungen. Analysten sehen für AWS 2026 ein "big year" mit Wachstumschancen zwischen 20 und knapp 40 Prozent. Die Bewertung der Aktie ist mittlerweile laut der Datenbank am Börsenplatz Gettex attraktiv, mit einem KGV von rund 27. In der Datenreihe ist dies das niedrigste Niveau seit etwa zehn Jahren. Alphabet verfolgt einen anderen Ansatz: Hier geht es strategisch um das KI-Rennen. Eine Niederlage könnte das Kernmodell Search & Ads bedrohen. Die enormen Nutzerzahlen – über eine Milliarde in Apps wie Maps, Android und Gmail – verschaffen Echtzeitzugriff auf hochwertige Daten. Mit den neuen KI-Funktionen wandeln sich die Suchergebnisse: KI-generierte Zusammenfassungen stehen jetzt an oberster Stelle. Viele Nutzer erhalten Antworten direkt auf der Seite, externe Klicks nehmen ab. Für Publisher ist das problematisch, für Google höchst profitabel: Klicks erfolgen häufig erst nach einer Befragung durch die KI, was die Abschlussrate deutlich erhöht. So steigt der wirtschaftliche Wert der Interaktionen, selbst bei stagnierendem Traffic. Alphabet stärkt damit sowohl seine technologische als auch wirtschaftliche Führungsposition im KI-Wettbewerb. Apple ist weniger volatil als Tesla Statt im Wettrüsten um die leistungsstärksten KI-Modelle zu glänzen, konzentriert sich der Konzern auf die Monetarisierung über Hardware. Neue KI-Wearables – von Smart Glasses über intelligente Anhänger bis zu kamera-gestützten AirPods – besetzen die wichtigste Schnittstelle zum Nutzer. Durch die Kooperation mit Google (Gemini) wird die komplexe Modell-Entwicklung ausgelagert, Ressourcen werden frei für das iPhone-Ökosystem. "Apple setzt damit auf Nutzerbindung, Margen und praktischen Nutzen – nicht auf die teuersten KI-Komponenten – und positioniert sich als Profiteur der alltäglichen KI-Anwendung", so Thomas Soltau vom Smartbroker. Apple hat sich auf anderem Feld übrigens auch deutlich von der Konkurrenz abgesetzt. "Anders als vor zehn Jahren ist die Aktie im Vergleich zu anderen Tech-Konzernen wie Tesla, Meta oder Nvidia weit weniger volatil. Die Daten zeigen, dass Apple in Sachen Schwankung näher bei der Telekom als bei Tesla liegt", so Lars Reichel von der Börse München. Auch im Unternehmenssoftwarebereich zeichnen sich unterschiedliche Strategien ab. Oracle baut massiv eigene Cloud-Kapazitäten auf, SAP nutzt flexibel externe Anbieter. Entscheidend: SAP integriert KI schrittweise in bestehende Kernsysteme – von Buchhaltung bis Reisekostenmanagement – und erfüllt damit die Anforderungen großer Kunden wie Deutsche Bahn , Airbus und Coca-Cola . Die tiefe Verankerung verschafft Verhandlungsspielraum, und wer Produktivitätsgewinne erfolgreich umsetzt, kann gleichzeitig hochmargige Softwareerlöse steigern.