Erst der Kommandeur der paramilitärischen Basidsch-Milizen und dann der ranghöchste Sicherheitsbeamte des Landes – der Iran bestätigt den Tod von zwei Spitzenfunktionären. Der Iran hat den Tod des Spitzenfunktionärs, Ali Laridschani, bestätigt. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars teilte mit, dass der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates zum "Märyrer" geworden sei. Auf dem ehemaligen Twitteraccount des ranghöchsten Sicherheitsbeamten hieß es, "ein Diener Gottes ist als Märtyrer zu seinem Herrn gelangt." Laridschani und der ebenfalls bei einem israelischen Luftangriff am Montag getötete Kommandeur der paramilitärischen Basidsch-Milizen, Brigadegeneral Gholamresa Soleimani, sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim an diesem Mittwoch beigesetzt werden. Laridschani hatte seit Kriegsbeginn eine weitaus sichtbarere Rolle gespielt als der neue Oberste Führer, Modschtaba Chamenei, der seit seiner Ernennung zum Nachfolger seines getöteten Vaters noch nicht in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Sicherheitschef Laridschani hingegen mischte sich vergangene Woche in Teheran unter Demonstranten, die für die Regierung auf die Straße gingen. Lardischanis Tod könnte Verhandlungen erschweren "Er war der De-facto-Führer des iranischen Regimes", sagte ein Vertreter des israelischen Militärs, der anonym bleiben wollte. Nun wurde der 68-Jährige getötet – nach stundenlangem Schweigen bestätigte am Dienstagabend auch Teheran den Tod seines Sicherheitschefs. Laridschanis Tod ist ein schwerer Schlag für die Herrscher der Islamischen Republik. Denn der 68-Jährige mit dem grauen Bart galt als Schlüsselfigur. Vor allem in den vergangenen zwei Wochen sei er es gewesen, "der die Entscheidungen trifft und die Fäden zieht", beschrieb der israelische Militärvertreter Laridschanis Rolle. Die US-israelischen Angriffe auf sein Land bezeichnete er bei der Kundgebung als Akt der "Angst und Verzweiflung". Bei anderer Gelegenheit verkündete er, der Iran werde sich "um jeden Preis" verteidigen. Er habe auch die Angriffe gegen Israel sowie die Golfstaaten angeordnet. Laridschani galt aber auch als wichtige Stimme, die den Iran auch nach außen vertrat. Seine Tötung dürfte es für die USA erschweren, eine Verhandlungslösung für ein mögliches Ende des Krieges zu finden. Laridschani verstand es, ideologische Loyalität mit pragmatischer Staatsführung in Einklang zu bringen. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung beim Militär, in den Medien und in der Politik soll er das Vertrauen Ali Chameneis gewonnen haben. 2025, nach dem zwölf Tage andauernden Krieg mit Israel und den USA im Juni, wurde er zum Leiter des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ernannt, der die Verteidigungsstrategie des Landes koordiniert und die Atompolitik beaufsichtigt. Laridschani war zunehmend auf der diplomatischen Bühne präsent, reiste in die Golfstaaten und traf im Januar den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau , während Teheran Atomverhandlungen führte, die durch den Krieg ein abruptes Ende fanden. "Laridschani ist ein echter Insider, ein geschickter Stratege, der mit den Abläufen des Systems vertraut ist", beschrieb ihn Iran-Experte Ali Vaez von der Denkfabrik International Crisis Group vor Beginn des Krieges. "Er spielt eine wichtigere Rolle als die meisten seiner Vorgänger." USA hatten zehn Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt Der Spitzenfunktionär des Mullah-Regimes wurde im August 2025 auf den Posten im Sicherheitsrat berufen. In seiner Rolle als Generalsekretär vermittelte er zwischen Sicherheitsrat, dem Büro des Revolutionsführers, den Streitkräften und den Revolutionsgarden. Der 67-Jährige zählte nach dem Tod des Revolutionsführers, Ali Chamenei, zu den wichtigsten Krisenmanagern des Landes. Laridschani kam 1957 im irakischen Nadschaf zur Welt. Sein Vater war ein prominenter schiitischer Kleriker, der dem iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Khomeini nahestand. Seine Familie übt seit Jahrzehnten Einfluss auf Irans politisches System aus. Er promovierte an der Universität Teheran in westlicher Philosophie. Während des Iran-Irak-Kriegs in den 1980er Jahren kämpfte er in den Reihen der mächtigen Revolutionsgarden. Ab 1994 war er zehn Jahre Chef des staatlichen iranischen Rundfunks, 2005 bis 2007 leitete er die Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich , Großbritannien und Russland über das iranische Atomprogramm. 2008 bis 2020 war er Parlamentspräsident. 2005 trat Laridschani bei der Präsidentschaftswahl an, unterlag jedoch dem populistischen Kandidaten Mahmud Ahmadineschad, mit dem er sich später über die Atomdiplomatie stritt. 2021 und 2024 wurde er von der Kandidatur ausgeschlossen. Die Ambitionen auf das Amt habe er jedoch nie aufgegeben, sagte Vaez. Laridschani unterstützte das Atomabkommen Beobachter sahen in seiner Rückkehr an die Spitze des Sicherheitsrates ein Zeichen für einen Kurswechsel in Teheran hin zu mehr Pragmatismus. Laridschani befürwortete Verhandlungen mit dem Westen – aber nur zum iranischen Atomprogramm. Er unterstützte das bahnbrechende Atomabkommen von 2015, das US-Präsident Donald Trump drei Jahre später mit dem Austritt der USA zunichtemachte. Nach der brutalen Unterdrückung der Massendemonstrationen im Januar belegte Washington Laridschani mit Sanktionen. Zwar räumte der 68-Jährige wirtschaftliche Schwierigkeiten im Land ein, welche die Proteste auslösten. Für die Gewalt mit mutmaßlich tausenden Toten machte Laridschani jedoch eine angebliche Einmischung der USA und Israels verantwortlich. Die USA hatten zuletzt eine Belohnung von bis zu zehn Millionen Dollar für Hinweise auf iranische Führungspersönlichkeiten angeboten, darunter auch Laridschani.