Das US-Militär und Israels Armee fliegen Angriffe auf den Iran. Ein Iran-Kenner mit Kontakten ins Land ordnet die Lage ein. Seit dem Wochenende laufen die Attacken der US-Armee und der israelischen Luftwaffe auf Ziele im Iran . Die USA haben mittlerweile erklärt, sie hätten die Lufthoheit über dem Land übernommen. Über die strategischen Ziele der Intervention herrscht aber noch Unklarheit. US-Präsident Donald Trump gab als Kriegsziel den Sturz des theokratischen Mullah-Regimes in Teheran an. Pentagon-Chef Pete Hegseth äußerte sich zuletzt zurückhaltender und erklärte in einer Pressekonferenz: "Dies ist kein sogenannter Regimewechselkrieg." Überblick: Alle Entwicklungen im Newsblog zum Krieg in Nahost Evakuierung: Bundesregierung fliegt Deutsche aus Nahost aus Der aus dem Iran stammende Arzt und Buchautor Mohsen Banaie lebt in Deutschland und steht in engem Kontakt zu Freunden und Bekannten im Iran. Ein Interview über die Lage vor Ort, die Stimmung in der Bevölkerung und die Rolle des Shah-Sohns Reza Pahlavi. t-online: Herr Banaie, Sie praktizieren als Arzt in Köln . Wie halten Sie in diesen Tagen Kontakt in den Iran? Mohsen Banaie: Über soziale Medien wie WhatsApp erhalte ich minütlich Nachrichten aus dem Land, aus Teheran, aber auch aus anderen Städten. Was können Sie auf Grundlage Ihrer Quellen über die Lage im Land sagen? Das Regime schickt seine organisierten Schlägertrupps auf die Straßen, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Die Mitglieder werden von den Revolutionsgarden unter Jugendlichen in Schulen und Universitäten rekrutiert, mit Schlagstöcken bewaffnet kreuzen sie auf Mopeds durch die Straßen, um die Menschen einzuschüchtern. Das Regime setzt auf Angst. Die USA gaben an, mehr als tausend Angriffe im Iran geflogen zu haben, Israels Luftwaffe startete nach eigenen Angaben zuletzt eine neue "umfassende Angriffswelle". Wie reagieren die Zivilisten auf die Luftangriffe? Die Lage ändert sich durch die bloße Anzahl der Angriffe fast minütlich. Aber die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung hat mit großer Erleichterung auf den Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei reagiert. Meine Kontakte sagen Folgendes: Jeder Angriff aus der Luft wird mit großer Freude begrüßt. Was lässt sich über das Ausmaß der Zerstörungen in Teheran sagen? Offen gesagt lässt sich das sehr schwer einschätzen. Gebiete, die vom US-Militär oder Israels Armee aus der Luft angegriffen werden, werden vom Regime in der Regel sofort weitgehend abgeschirmt. Damit will die Führung in Teheran verhindern, dass Bilder von Zerstörungen ins Ausland gelangen. Wie bewerten Sie Ali Laridschani, die neue starke Figur im Iran nach dem Tod Chameneis? Er ist definitiv eine zentrale Schlüsselfigur in diesem Regime, er ist jedoch in der Revolutionsgarde sehr umstritten und wird teilweise als Spion der westlichen Mächte tituliert. Das schwächt seine Position. Gibt es innerhalb des Systems überhaupt jemanden, der einen Übergang moderieren könnte? Ali Chamenei hat in den vergangenen Jahren jeden, der eine potenzielle Gefahr für ihn darstellen könnte, systematisch diskreditiert. Alle anderen starken Figuren sind auch mittlerweile von der israelischen Armee eliminiert. Die einzigen, die dafür infrage kämen, wären die sogenannten Reformisten wie die Rohani. Sie sind jedoch dermaßen unter der Bevölkerung verhasst, dass sie allenfalls nur eine bedingungslose Kapitulation unterschreiben könnten. Darüber hinaus können auch sie keine entscheidende Rolle in diesem Konflikt spielen. US-Präsident Donald Trump hat den Regimewechsel als Ziel der Intervention ausgegeben. Das Pentagon äußert sich zurückhaltender. Was sagen Ihre Kontakte über die Stimmung im Iran? Das Volk ist bereit für die Revolution. Die Menschen scharren mit den Hufen. Alles, was es jetzt noch braucht, ist ein Aufruf von Kronprinz Reza Pahlavi. Und ich bin sicher, der wird in den kommenden Stunden folgen. Herr Banaie, vielen Dank für das Gespräch!