Iran-Krieg: Gestrandete Urlauber: Wadephul ist "guter Dinge"
Während Tausende Touristen wegen des Iran-Kriegs festsitzen, landet in München ein Flieger aus Abu Dhabi - ohne Passagiere. Die Bundesregierung hat einen Plan. Der gefällt aber nicht allen.
Manche der im Nahen Osten gestrandeten deutschen Urlauber können auf eine baldige Rückkehr in die Heimat hoffen. "Ich bin guter Dinge, dass das nach und nach gelingt", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul im ZDF-"heute journal". Man sei in engem Kontakt mit den Reiseveranstaltern.
Das Auswärtige Amt bereitet derzeit die Rückholung von Kranken, Kindern und Schwangeren aus der Konfliktregion vor. Sie will dazu gecharterte Maschinen in die Hauptstädte Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) schicken. Derzeit sitzen wegen des Krieges im Iran Zehntausende Reisende fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind allein rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter betroffen.
Leeres Flugzeug landet in Deutschland
Am Montagabend ist bereits eine Lufthansa-Maschine aus Abu Dhabi in München gelandet - allerdings ohne Passagiere. Eine Passagierbeförderung war nach Angaben der Fluggesellschaft wegen fehlenden Kabinenpersonals nicht möglich. An Bord der Maschine waren demnach lediglich die beiden Piloten. Laut Lufthansa wäre aber aus Sicherheitsgründen eine mindestens 17-köpfige Kabinencrew nötig gewesen. Diese sei aber in Abu Dhabi nicht vor Ort gewesen und hätte wegen der kriegsbedingten Einschränkungen auch nicht eingeflogen werden können. Zudem seien auch die Erreichbarkeit des Flughafens in Abu Dhabi für viele Fluggäste sowie der Check-In, die Sicherheitskontrolle und das Boarding dort nicht gewährleistet gewesen.
Bundesregierung "unvorbereitet und überfordert"
Politiker von Linken und Grünen kritisierten das Verhalten der Bundesregierung. "Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukündigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus", sagte die Grünen-Außenpolitikerin Luise Amtsberg den Zeitungen der "Funke"-Mediengruppe.
"Was wir derzeit im Nahen Osten erleben, ist eine Eskalation, die sich seit Wochen als mögliches Szenario abgezeichnet hat. Dass die Bundesregierung in dieser nun akuten Gefährdungslage dennoch unvorbereitet ist und überfordert wirkt, ist erschütternd." Kritik kam auch von der außenpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Cansu Özdemir. Die Krisenkommunikation der Bundesregierung sei mangelhaft. Die aktuelle Ankündigung, vorerst nur besonders vulnerable Gruppen zu evakuieren, schüre Verunsicherung.
Das Bereitstellen von Flugzeugen für besonders vulnerable Gruppen sei das Mittel zweiter Wahl, hatte Wadephul zuvor gesagt. "An allererster Stelle müssen natürlich die Reiseverkehrsunternehmen hier eintreten. Und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, dann würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen."
Der Deutsche Reiseverband rät Urlaubern, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen, in ihren gebuchten Hotels zu bleiben und nicht eigenständig zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu reisen. Sobald die Lufträume wieder geöffnet sind, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.
Warnung vor Betrug bei Flugumbuchung
Die Polizei warnt unterdessen vor Fake-Hotlines für angebliche Flugumbuchungen, nachdem eine Frau aus Niederbayern dabei um 2.500 Euro betrogen wurde. Verbraucher sollten Hotlines ausschließlich über die offizielle Website des Buchungsportals oder der Fluggesellschaft recherchieren - und nicht über teils gekaufte Anzeigen bei Suchmaschinen, empfiehlt das bayerische Landeskriminalamt.
Bei Mitteilungen über Flugstornierungen sollten Reisende niemals auf Rückrufnummern oder fremde Supportlinks reagieren, die sie nicht überprüft haben. Stattdessen solle man Buchungsänderungen nur über das eigene Kundenkonto vornehmen. Verlange ein vermeintlicher Service-Mitarbeiter am Telefon Fernzugriff auf Smartphone oder Computer, heiße es: Gespräch abbrechen, Internetverbindung trennen und die Bank kontaktieren.