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Trumps iranische Kapitulationsfantasien vs. militärische Realität: US-Generäle warnen vor Iran-Krieg

Von Rainer Rupp

Der US-Unterhändler in den Sondierungsgesprächen mit Iran, der persönliche Freund Donald Trumps und Immobilien-Multimilliardär Steve Witkoff, erklärte in einem am vergangenen Sonntag ausgestrahlten Interview für Fox News, Präsident Trump sei "verwundert", dass Iran angesichts des massiven US-Militäraufmarschs im Nahen Osten und der offenen Kriegsdrohungen aus Washington immer noch nicht "kapituliert" habe. Wörtlich sagte Witkoff:

"Er ist verwundert, warum sie (Iran) nicht […] Ich möchte das Wort 'kapituliert' nicht benutzen, aber warum sie nicht kapituliert haben."

An anderer Stelle führte er aus:

"Warum, unter diesem Druck, bei der Menge an Seemacht, die wir dort haben, sind sie nicht zu uns gekommen […] doch es ist schwer, sie an diesen Punkt zu bringen."

Noch weiter ging der Vertraute des Präsidenten mit seiner faustdicken Lüge, Iran sei:

"wahrscheinlich nur eine Woche davon entfernt, das Material zur Herstellung einer Atombombe zu haben."

Diese Aussage steht im Widerspruch sowohl zu den bekannten technischen Realitäten des iranischen Nuklearprogramms als auch zu Medienberichten über Teherans Angebot, die Urananreicherung für drei bis fünf Jahre komplett auszusetzen und anschließend lediglich auf zivil nutzbarem Niveau wieder aufzunehmen.

Während Witkoff somit öffentlich ein Bild haushoher militärischer Überlegenheit der USA zeichnet, das eine baldige politische Unterwerfung Irans plausibel erscheinen lassen soll, warnen ausgerechnet die höchsten militärischen Entscheidungsträger der Vereinigten Staaten vor den Risiken eines solchen Vorgehens. Im Zentrum dieser internen Debatte steht der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine.

Laut Berichten (u.a. Wall Street Journal), die sich auf Einschätzungen aus dem Pentagon stützen, hat Caine gegenüber dem Weißen Haus fünf zentrale Risiken eines militärischen Angriffs auf Iran hervorgehoben:

Erstens warnte er, dass die derzeit diskutierten Kriegspläne ein hohes Risiko erheblicher amerikanischer und alliierter Verluste bergen.

Zweitens wies er darauf hin, dass bereits ein mehrtägiger Luftkrieg die vorhandene Luftabwehrmunition und andere Ausrüstung aufgrund nur begrenzter Versorgung erschöpfen würde. Damit wären die Ressourcen weg, die im Falle iranischer Vergeltungsschläge zum Schutz regionaler Partner wie Israel dringend benötigt würden.

Drittens könnte eine intensive militärische Operation gegen Iran die US-Munitions- und Materialbestände derart reduzieren, dass die militärische Einsatzbereitschaft gegenüber anderen potenziellen Konflikten – insbesondere mit China – erheblich beeinträchtigt würde.

Viertens drohe ein solcher Einsatz, die US-Streitkräfte insgesamt zu überdehnen, um sie nach dem Krieg "überbeansprucht" zurückzulassen.

Und fünftens, vielleicht politisch am brisantesten, sei General Caine bislang nicht in der Lage gewesen, im Falle eines groß angelegten Angriffs auf Iran ähnliche Erfolgsgarantien zu geben, wie sie etwa vor der Operation zur Festnahme Nicolás Maduros im Januar 2026 formuliert worden waren.

Diese Einschätzungen spiegeln eine tief verwurzelte strukturelle Differenz zwischen militärischen und zivilen Entscheidungsträgern in Washington wider – eine Differenz, die sich historisch in nahezu jeder größeren US-Kriegsdebatte beobachten ließ.

Während politische Entscheidungsträger im Weißen Haus oder ideologisch geprägte zivile Strategen im Pentagon häufig von politisch-ideologischen Zielvorstellungen, Prestigeüberlegungen oder geostrategischen Visionen ausgehen, sind es die uniformierten Offiziere, die sich mit den praktischen Realitäten militärischer Gewaltanwendung konfrontiert sehen. Sie wissen, dass Kriege selten nach Plan verlaufen.

Diese institutionelle Vorsicht zeigte sich bereits in früheren Krisen mit Iran. So warnten die Vereinigten Stabschefs sowohl während der Eskalationsphase im Jahr 2007 als auch erneut 2012 vor militärischen Optionen gegen Teheran und verwiesen auf unkalkulierbare Eskalationsrisiken, mögliche regionale Flächenbrände sowie langfristige strategische Folgekosten für die Vereinigten Staaten.

Nicht zuletzt ist das kollektive Gedächtnis der militärischen Führung bis heute vom Irakkrieg 2003 geprägt – einem Konflikt, der von der politischen Führung als schneller und nahezu widerstandsloser Feldzug (als ein "Cake Walk" – ein Verdauungsspaziergang, so Wolfowitz damals) dargestellt worden war. US-Vizepräsident Dick Cheney hatte damals sogar öffentlich erklärt, die US-Truppen würden in Irak als "as liberators" (Befreier) begrüßt werden.

Die tatsächliche Entwicklung – ein zwanzigjähriger Besatzungskrieg mit enormen Verlusten – bestätigte hingegen die skeptischen Einschätzungen vieler militärischer Planer.

Heute argumentieren einige politische Stimmen in Washington erneut für einen Regimewechsel in Teheran. Doch selbst ein auf Luftschläge begrenzter Angriff würde nach Einschätzung militärischer Analysten erhebliche Risiken bergen. Iran hat bereits angekündigt, im Falle auch nur begrenzter US-Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen gegen amerikanische Basen in der Region vorzugehen. Auch Israel würde zum Ziel werden.

Das iranische Außenministerium erklärte in diesem Zusammenhang, jede amerikanische Militäraktion – selbst in begrenztem Umfang – werde als Akt der Aggression betrachtet und entsprechend beantwortet.

Vor diesem Hintergrund erscheint Witkoffs Darstellung eines kurz vor der nuklearen Bewaffnung stehenden Iran nicht nur als politische Zuspitzung, sondern als strategisch problematische Vereinfachung. Sie steht exemplarisch für jene zivilen Stimmen innerhalb der US-Administration, die nicht die Diplomatie, sondern militärische Optionen primär als Instrument politischer Zielerreichung betrachten.

Demgegenüber steht eine militärische Führung, deren Mitglieder sich der operativen, logistischen und menschlichen Kosten eines Krieges bewusst sind – Kosten, die im Ernstfall von ihnen selbst und den ihnen unterstellten Soldaten zu tragen wären.

Diese Spannung zwischen politischem Gestaltungswillen und militärischer Vorsicht ist kein neues Phänomen. Ob sich im aktuellen Fall die vorsichtigeren Stimmen aus den Reihen der Joint Chiefs of Staff durchsetzen werden, bleibt offen.

Fest steht jedoch, dass die Differenz zwischen Witkoffs öffentlich geäußerten Kapitulationsannahmen und den internen Warnungen der militärischen Führung einen grundlegenden Konflikt innerhalb der US-Sicherheitsarchitektur sichtbar macht – zwischen politischer Erwartung und militärischer Realität.

Am Montag, den 23. Februar, hat das iranische Außenministerium auf die eingänglich zitierten Einlassungen von Witkoff bezüglich einer iranischen Kapitulation mit deutlichen Worten geantwortet:

"Jede Verhandlung, die mit auferlegten Belastungen und vorgefassten Urteilen beginnt, wird natürlich zu keinem Ergebnis führen. … Das Wort 'Kapitulation' hat in der iranischen Kultur und Literatur keinen Platz, und wir haben ein solches Schlüsselwort nie akzeptiert", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghai, laut PressTV.

In Bezug auf mögliche "begrenzte Militärschläge" der USA warnte er, dass jeder Angriff, "unabhängig von seinem Ausmaß", eine Aggression mit Konsequenzen darstelle. Zugleich bestätigte er die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bei deren Inspektionen bis zum Jahr 2025.

Was die Streitkräfte der EU-Mitgliedsländer im Persischen Golf betrifft, erklärte Baghai, dass Iran sie als terroristische Kräfte betrachtet, mit entsprechenden Konsequenzen. Das ist offensichtlich die iranische Reaktion auf die Einstufung der Kerntruppe des iranischen Militärs, nämlich der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC), als terroristische Organisation durch die EU.

Mehr zum Thema - Iran – Rückblick auf die politische und militärische Vorgeschichte vor einem neuen US-Angriff

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