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Auftakt „Germany's Next Topmodel“: Handballer, Silberrücken, Kuhbesamer – und Heidi bläst Laub

Stern 

Das erste Männer-Casting der neuen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ als All-you-can-eat-Buffet der diversen Looks, das Motto olympisch: Dabeisein ist alles. 

„Das lasse ich mir nicht entgehen“, verkündet Heidi Klum strahlend und geht erst einmal mit dem Laubsauger durch die Halle. Das Siegerkonfetti vom Vorjahr will noch weggeblasen werden, ein Fall für die Chefin. Wer das nächste Mal die frühmorgendliche Laubsauger-Kolonne vorm Haus verflucht, wird sich vielleicht an diesen Anblick erinnern und dann doch nicht die Polizei rufen. Haltungsnote 1 bis 2, aber klar ist auch, dass zuhause wohl eher Tom derjenige ist, der die Blätter vom Hof pustet.

Sei es drum, der Start der 21. Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ steht an und für den hat Heidi sich auf den langen Weg aus den Hollywood Hills nach Kölle gemacht. Boys first, das Motto zum Auftakt, als erstes steigen die Jungs und die Männer in den Ring, oder besser gesagt, auf den Laufsteg. So weit, so bekannt, eine Neuerung gleich zu Beginn, wenngleich sie noch in einiger Ferne liegt: Das Finale 2026 wird diesmal nicht live vor Publikum stattfinden, sondern in Hollywood aufgezeichnet, wenn es heißt: Wer wird König oder Königin des Fashion-Dschungeeeeels?

Dass einer der hier Anwesenden dann einen solchen Titel als „Germany’s Next Topmodel“ für sich verbuchen wird, kann man sich zwar noch nicht so recht vorstellen, aber dafür hat Heidi Klum ja Verstärkung mitgebracht: Zum vierten Mal ist Fashion-Ikone Jean Paul Gaultier dabei, natürlich im typischen Streifenshirt, mit ordentlich Akzent und einem gechillten Vibe zwischen väterlicher Güte und onkelhaftem Alles-schon-mal-gesehen.

Das offene Casting erweist sich schließlich als so anziehend, dass man gut noch drei, vier Juroren mehr hätte brauchen können, um mit dem Sieb durchs ambitionierte Rudel zu gehen. Hunderte und Aberhunderte stehen in langer Schlange vor der Halle, drinnen im Wartesaal des Glücks angespanntes Ringelreihen, eine schillernde Armada von Topmodel-Anwärtern (fast) aller Alterstufen, die einen mehr, die anderen weniger ambitioniert.

Der Auflauf der Modelianer schließlich ein Wimmelbild der Impressionen: Yanneck fühlt so eine Leere im Kopf. Der junge Mann kommt aus Berlin und hält eigentlich nicht soviel von sich, aber die Leute sagen oft zum ihm: Warum modelst du nicht? Genau, Yanneck, warum eigentlich nicht? Vielleicht weil du nicht mal weißt, wer Jean Paul Gaultier ist? Wobei: Dem Berliner Jung ist eh egal, wer vor ihm sitzt. Und Heidi Klums Pony findet er dufte. Das ist doch schon mal Anfang.

„Oh mein Gott, Jean Paul Gaultier ist eben hier, HIER, längsgegangen. CRAZYYY!“

Ben hat schöne Locken, Tony hat in der Gehörlosen-Nationalmannschaft Handball gespielt und verfügt jetzt über zuviel Freizeit, um es nicht mal bei Heidi zu probieren. Yasr findet alles an sich schön und dankt seinen Eltern für die guten Gene, ein anderer Jüngling erzählt von der schillernden Welt seiner Hobbies: „Ich mache gern Selfcare!“. Was er denn da so mache, will Heidi Klum wissen. Gesichtspflege, antwortet er, wie wohl die meisten hier. Hobby Gesichtspflege – waren das noch Zeiten, als Schach gespielt, Briefmarken gesammelt oder Makramee gemacht wurde.

Eine Gruppe nach der nächsten wird in die Halle verfrachtet, ein Rummelplatz der Einkleidungsexperimente: Norvi aus Venezuela trägt einen hellblauen Glitzeranzug, der aussieht, als hätte Norbert Schramm darin schon Pirouetten gedreht, und singt auch noch dazu. Sydney hat ein Trinkglas-Tattoo am Arm, das aussieht, als hätte es ihm seine Großmutter auf der Suche nach der Lesebrille gestochen, Jan ist Krankenpfleger aus Köööln mit drei -ö- und hat Powerlocken, Oskar dagegen leidet unter einem Problem mit dem Spiegel, wie er sagt. Ein Blick auf seinen Signature Move zeigt, dass er wohl eher ein Problem ohne Spiegel hat.

Zwischendrin legt JGP das Streifenshirt ab und mischt sich mit Cap und Sonnenbrille unters Backstage-Volk, um ein bisschen Stallgeruch zu schnuppern, wird aber viel zu schnell erkannt: „Oh mein Gott, Jean Paul Gaultier ist eben hier, HIER, längsgegangen. CRAZYYY!“

Nicht minder crazy das diverse Dauerfeuer der darbenden Dandys: Ein Ex-Fußballer berichtet detaillliert von seiner Arbeit als Kuhbesamer – „Erstmal mit dem Arm ganz tief rein …“ – James aus Bregenz beschwert sich über Kakerlaken im Hotel und Lukas, Beamter aus Leidenschaft, trägt den Schnauzer des jungen Jacques Palminger auf und mag’s modisch flamboyant. Maximilian kommt nicht wieder, einmal Rausfliegen reicht ihm. Oskar – Sie wissen schon, der mit dem Spiegelproblem – trägt den Schmuck von seiner Mutter und wirft sich lieber nach rechts in Pose, weil links die Jawline etwas schwächelt, seit man ihm die Weisheitszähne gezogen. Sachen gibt’s!

Beim ersten GNTM-Schaulaufen wird schon kräftig gesiebt

Man könnte stundenlang so weitermachen: Glen träumt von einem Werbespot für Parfümwerbung. Ein bisschen „Pfff-pfff“ aus dem Zerstäuber und dann aufreizend in den Pool springen – das wär’s. Einige Silberrücken sind auch dabei, Gerhard etwa, mit seinem Verlobten Maurizio, der eine weiter, der andere nicht. Mosafa, der die Maultrommel zückt und singt und tanzt. Dann ist da noch Michi, seine Lieblingsfarbe ist lila. Jill war lange eine Frau, ist jetzt fast ein Mann, mag augenscheinlich auch lila und ist zuhause eingericht, dass selbst dem Glöööckler schwindlig würde. Ein Kandidat kommt nur im Slip, ein anderer im gebatikten Einreiher, mittendrin Martin, Ingenieur und Modellautofahrer, der am Kopf ausschaut, als wäre Harry Styles in ein Fass mit Wasserstoffperoxid gefallen.

Nur wenige Dutzend überstehen dieses erste Schaulaufen, schon beim nächsten Mal wird weitergesiebt. Für Favoriten-Spotting mag es zu früh sein, aber kurzweilig, divers, abwechslungsreich war es. „Fabulous!“, schwärmt Meister Gaultier. „A beautiful Surprise!“. Am Abend geht es bereits in die nächste Runde, dann sind die Damen an der Reihe.

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