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Bayerische Staatsoper: Inszenierung wie ein Museum: "Faust"-Premiere in München

Stern 

Ein bisschen Klamauk und ganz viel Kitsch: Die Bayerische Staatsoper bringt in München eine Neuinterpretation des Goethe-Klassikers "Faust" auf die Bühne und spart nicht an Pathos.

Ein Faust ohne die Gretchenfrage, ohne des Pudels Kern und ohne den so schönen Augenblick, der doch verweilen möge: Die Bayerische Staatsoper hat eine neue Interpretation des berühmten "Faust"-Stoffes auf die Bühne gebracht. Charles Gounods Oper nach der berühmten Goethe-Vorlage feierte in einer Inszenierung der Regisseurin Lotte de Beer Premiere in München - und erntete dabei Applaus und Buh-Rufe, die vor allem dem Regie-Team um die Niederländerin galten. 

De Beer folgte dem Konzept des Franzosen Gounod (1818-1893) und dessen Librettisten Jules Barbier und Michel Carré, den komplexen Stoff von Johann Wolfgang von Goethe um den vom Leben gelangweilten Doktor Faust zu entschlacken. Er wurde reduziert auf das Motiv des (wieder) jugendlichen Schwerenöters, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht.

Mit Situationskomik gespickt

Bemerkenswert textnah und ab und an mit Situationskomik gespickt wird die bekannte Geschichte von Faust (sehr stark in seinem Rollendebüt: Tenor Jonathan Tetelman), seinem Gretchen ("Marguerite" Olga Kulchynska) und seinem Teufel Mephistopheles (Kyle Ketelsen) erzählt. 

Eine übergeordnete oder gar politische Deutung des Stoffes um Moral und Verführung bleibt aus. Die Inszenierung scheint sich eher sinnlich als intellektuell mit dem Faust-Stoff und dem Faustischen Charakter auseinanderzusetzen.

Eindrückliche Chor- und Massenszenen 

Das geschieht vor allem auf einer sich drehenden Bühne (Bühnenbild: Christof Hetzer), auf der Szenerien, wie sie in Museen anzuschauen sind, wahlweise zum Leben erwachen oder - einem Gemälde gleich - wieder erstarren. Zeitweise erinnert die Produktion an den Besuch in einem Malerei-Museum. 

Die eindrücklich choreografierten Chor- und Massenszenen gehören zu den Stärken der Inszenierung, auch wenn die Grenzen zum Kitsch mitunter zumindest verschwimmen.

Ihr ganz großes Plus aber ist die Musik. Dirigentin Nathalie Stutzmann, die schon an der Bayerischen Staatsoper als Sängerin auftrat und jetzt ihr Debüt am Pult gibt, wird vom Publikum gefeiert, ebenso Kulchynska als Gretchen-Figur und Ketelsen als ihr teuflischer Gegenspieler. Star des Abends aber ist Tetelman (38), der das Publikum in der Art eines jungen Jonas Kaufmann mit seinem ebenso warmen wie kraftvollen Tenor ganz in seinen Bann zieht.

Bayerische Staatsoper: Spielzeit 2025/26

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