Klage gegen Arbeitgeber: Chefarzt wirft Kirche "moralische Arroganz" vor
Ein Klinik-Chefarzt wehrt sich gegen seinen katholischen Krankenhausträger. Im Streit um Abtreibungen übt er deutliche Kritik an der Kirche.
Im juristischen Streit um ein Abtreibungsverbot am Klinikum Lippstadt hat Chefarzt Joachim Volz der katholischen Kirche "moralische Arroganz" vorgeworfen. Auf einer Demonstration "gegen das katholische Abtreibungsverbot" unmittelbar vor einer Berufungsverhandlung am Landesarbeitsgericht Hamm betonte der Gynäkologe, Schwangerschaftsabbruch sei eine "höchstpersönliche Entscheidung der Mutter".
Die Dienstanweisung des katholischen Klinikträgers, die er mit seiner Klage angreife, "atmet einen ganz alten, morbiden Geist", kritisierte der Mediziner. Klinik-Fusionen würden von der katholischen Kirche genutzt, um "alte, nicht mehr gewollte kirchliche Dogmen" durchzusetzen. Und: "Die Politik schweigt."
Demonstration in Hamm
Für ihn als Mediziner sei es essenziell, dass er Frauen in existenzieller Not helfe und sie nicht wegschicke in eine andere Klinik. Damit würden Mauern errichtet, und am Ende würden sich keine Mediziner mehr finden, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, sagte er vor rund 500 Demo-Teilnehmern. "Dann haben wir niemanden mehr, der diesen Frauen hilft."
Im westfälischen Hamm demonstrierten anlässlich der Berufungsverhandlung mehrere Hundert Menschen. Volz war in erster Instanz vor Gericht gescheitert. Das Arbeitsgericht hatte seine Klage gegen Dienstanweisungen des katholischen Klinikträgers im August abgewiesen.