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USA: Wie ein Mann Trumps Geisterflüge dokumentiert

Jeden Tag zählt er, was die Trump-Regierung unsichtbar machen will: Vom Parkdeck des Flughafens in Minneapolis dokumentiert Nick Benson die geheimen Abschiebeflüge. Tausende Menschen hat er verschwinden sehen. Bastian Brauns berichtet aus Minneapolis und St. Paul Die Sonne scheint, aber die Kälte ist schneidend. Minus 16 Grad Celsius. Die Luft brennt in der Nase und lässt die Wimpern einfrieren. Nick Benson steht im Treppenhaus des obersten Parkdecks "Gold 7" am Minneapolis–Saint Paul International Airport, halbwegs geschützt vor dem Wind. Sein Atem dampft als weiße Wolke vor seinem Gesicht. Zwischen den Betonwänden vor dem großen Fenster hat er sein Stativ aufgebaut, darauf ein langes Teleobjektiv geschraubt, ausgerichtet auf die privaten Flughangars auf der anderen Seite des Rollfelds. Von hier aus, sagt er, sehe man alles. "Das ist Signature." Benson nickt in Richtung des flachen, unscheinbaren Gebäudes. "Da werden sie verladen." Signature Aviation ist ein sogenannter "Fixed Base Operator" (FBO), ein Unternehmen, das Charterflüge, jenseits der üblichen kommerziellen Flüge abfertigt, betankt und organisiert. Volleyball- oder Basketballteams fliegen von hier aus zu Auswärtsspielen. Heute aber werden hier keine Sportler verladen, sondern Menschen, die die Trump-Regierung aus dem Land schaffen will. Statt eines Auswärtsspiels gibt es Lagerhaft in einem der vielen Abschiebezentren im Land. Wohin die Menschen kommen und in welches Land sie abgeschoben werden, bleibt oft unbekannt. US-Bürgerrechtlerin: "Dann explodierte die MAGA-Basis von Donald Trump" Der Mann, der Trumps Flugzeuge beobachtet Benson ist 41 Jahre alt. Er spricht leise und bewegt sich mit der Ruhe eines Menschen, der es gewohnt ist, lange und geduldig stillzustehen. Dicke Handschuhe schützen seine Hände, doch immer wieder zieht er einen aus, um auf sein Handy zu schauen. Darauf sind Flugtracker, verschlüsselte Signal-Chats und seine Notizen zu sehen. Die Sprache der Luftfahrt beherrscht Nick Benson perfekt – die Call Signs, also die Rufzeichen der Flugzeuge, Transponder und Routen. In normalen Zeiten trackt er besonders seltene Flugzeuge und verkauft seinen Service an Flugzeugfans. Sie bezahlen ihn dafür, weil sie wissen wollen, wann und wo spezielle Maschinen wie etwa Regierungsflieger landen, um sie dann beim Starten und Landen beobachten zu können. Aber es sind keine normalen Zeiten. Benson nutzt seine technischen Kenntnisse jetzt für "unsere Nachbarn", wie er sagt. Immer mehr von ihnen verschwinden, seit die Einwanderungsbehörde ICE im Dezember ein großangelegtes Abschiebungsprogramm in Minnesota startete. "Allein im Januar waren es schätzungsweise 2.300", sagt er. Tausende habe er durch sein Teleskop inzwischen gehen sehen. Gegen 10.38 Uhr spannt sich sein Körper an. "GLOBAL kommt rein", sagt Benson. "Da." Der weiße Charterjet mit der Aufschrift GlobalX setzt fast lautlos auf, kurz rauchen die Reifen. Global Crossing Airlines – einer der wichtigsten Vertragspartner der Abschiebebehörde ICE – gehört hier längst zum routinierten Ablauf. Benson notiert die Landezeit. Seit Monaten tut er das, Flug für Flug. Sooft er sich die Zeit nehmen kann. Minneapolis im Ausnahmezustand: "Der Präsident ist ein Mörder" 50501 – eine Bewegung ohne Anführer "Ohne uns würde niemand wissen, was hier vor sich geht." Benson trägt eine gelbe Wintermütze, an der ein "50501"-Button befestigt ist. Die Zahl steht für 50 Proteste, 50 Staaten und für eine landesweit organisierte Protestbewegung. Sie fand in Donald Trumps ersten Amtstagen zueinander. Benson ist Teil von ihr. Im ganzen Land gibt es Menschen wie ihn. Sie dokumentieren mit ihren Handys Abschiebungen in ihrer Nachbarschaft, protestieren gegen Festnahmen, organisieren Demonstrationen oder tracken Abschiebeflüge, so wie Benson. Einen Anführer hat die dezentrale Gruppierung nicht. In Minneapolis sind Bensons Flugbeobachtungen und Daten essenziell wichtig geworden. Mit seiner Hilfe erkennen die Aktivisten Muster, Anwälte takten ihre Eilanträge nach den Flugzeiten, Journalisten rufen ihn an, wenn das Heimatschutzministerium schweigt. "Wir haben hier Glück, weil man den Hangar gut einsehen kann. An anderen Flughäfen im Land ist das oft schwieriger." Da seien auch die Vorschriften zum Fotografieren oft strenger, sagt er. Die Regierung gibt keinerlei verlässliche Daten zu den Abschiebungen heraus. Im Gegenteil. Seit Donald Trumps Amtszeit werden die bislang einsehbaren Rufzeichen der Maschinen geheimgehalten. "So wie Elon Musk oder Taylor Swift die Routen ihrer Privatjets aus Privatsphäre-Gründen schützen, macht es nun auch die Regierung", sagt Benson. Doch er habe Mittel und Wege, sie trotzdem herauszufinden. Es gibt Anbieter im Netz, die an die Flugdaten kommen. Unten auf dem Rollfeld vor dem Hangar beginnt nun das immer gleiche, tägliche Schauspiel. Weiße Vans rollen heran, Busse mit abgedunkelten Scheiben, SUVs. Fahrzeuge des US-Heimatschutzministeriums DHS. Personen in dunklen Jacken bewegen sich ruhig, effizient und routiniert. Keine Sirenen, kein Geschrei. Nichts, was einen zufälligen Beobachter darauf hinweisen würde, dass hier gerade Menschen deportiert werden. "Ketten um die Hände, Füße, Hüfte" Benson löst seine Kamera aus. Klick. Klick. Klick. "Sie sind gefesselt", sagt er leise, ohne den Blick vom Sucher zu nehmen. "Ketten um die Hände, Füße, Hüfte. Alles miteinander verbunden." Wer sie sind, was sie getan haben, ob sie wirklich Vergewaltiger und Schwerkriminelle sind, wie die Trump-Regierung regelmäßig behauptet, kann keiner außer den Anwälten wirklich überprüfen. Bensons Stimme stockt. Er nimmt die Hände von der Kamera, blinzelt, in seinen Augen sammelt sich ein wässriger Film. "Sorry, aber das treibt mir die Tränen in die Augen. Ich weiß nicht, wie man das sehen und normal finden kann", sagt er. Gegen 11 Uhr formiert sich auf dem Rollfeld eine Reihe. Die Gefangenen sind einzeln aus den Fahrzeugen gestiegen, die Köpfe gesenkt, eskortiert von Agenten. Durch sein Teleobjektiv kann Benson sehen, ob die Menschen rund eine Meile entfernt Hoodies tragen oder noch ihre Arbeitskleidung, etwa Restaurantshirts oder Warnwesten. Er sieht sogar, ob ihre Stiefel dreckig sind. Für scharfe Bilder von Gesichtern ist er trotzdem zu weit weg. Nick Benson hat schon gebrechliche Alte beobachtet und Frauen mit viel zu dünnen Jacken. Einen Amazonfahrer, der noch seine Zuliefererkluft anhatte. "Ich habe dort draußen kleine alte Damen in ihren rosafarbenen Parkas gesehen, die mühsam die Treppe zum Flugzeug hochhumpelten", erzählt er. Benson kommen wieder die Tränen. "Wie soll es irgendjemandem helfen, dass sie jemandem diese kleinen, zerbrechlichen Großmütter wegnehmen?" In vielen Familien in seiner Nachbarschaft kümmern sich solche Großmütter um die Enkel, weil die Eltern rund um die Uhr arbeiten. Der ICE-Terror in der Nachbarschaft Wenn der Mann mit dem Teleskop auf dem Parkdeck beginnt, von dem Hilfsnetzwerk zu erzählen, das in den vergangenen Monaten gegen Trumps Massendeportationen entstanden ist, und von den Menschen, um die es sich kümmert, dann kann er nicht mehr aufhören. Zu viele Schicksale hat er in dieser Zeit kennengelernt, zu sehr ist auch sein Leben davon betroffen. Er erzählt dann von der Mutter in einem der betroffenen Viertel, die zwei Wochen lang keinen Müll mehr aus dem Haus brachte, aus Angst, ICE-Agenten könnten sie dabei aufgreifen. Über Chatgruppen wurde Benson gefragt, ob er helfen könne. Mit einem Kumpel ging er zu ihr. "Ich werde die Furcht in den Augen der Frau nie vergessen. Sie dachte, wir kommen sie holen." Sie sprach nur Spanisch, Benson nur Englisch. Sie riefen jemanden an, der Spanisch übersetzen konnte. "Als die Worte fielen: 'Wir wollen nur helfen', war sie unfassbar erleichtert", sagt er. Auch diesen Gesichtsausdruck wird Benson nicht vergessen. Genauso wie den Geruch der Müllsäcke mit den gebrauchten Windeln, die sie dann endlich entsorgten. Auch das Kind auf dem Rücksitz eines Autos geht ihm nicht aus dem Sinn. Die Mutter hatte sich mit ihm auf einem entfernten Parkplatz in Minneapolis versteckt, weil ICE-Agenten durch ihre Straße gingen. Stundenlang hätten sie dort bei Minusgraden ausgeharrt. "Das Kind hatte Erfrierungen an den Fingern", sagt Benson. Zum Arzt zu gehen, hätten sie sich nicht getraut. Benson erzählt auch von der Tochter einer befreundeten Familie. Sie wolle von ihrem Vater nur noch von und zum Auto getragen werden, weil sie Angst vor ICE habe. "Dabei ist sie weiß. Aber der ICE-Terror verstört hier alle. In den Vororten gibt es mehr Agenten als reguläre Polizisten." Geisterflüge im Namen der operativen Sicherheit Auf dem Rollfeld müssen die angeketteten Menschen jetzt loslaufen. Die Gangway hinauf in das Charterflugzeug von GlobalX. Benson beginnt zu zählen. Leise und mechanisch: "Eins, zwei, drei, vier …" Die Menschen zu zählen, ist Kern seiner Aufgabe. Denn wie viele Menschen ICE täglich deportiert, wird nicht veröffentlicht. Die Regierung spricht von "operativer Sicherheit". Benson nennt es "gezielte Unsichtbarkeit". Es sind die Geisterflüge von Minneapolis. Im Betriebsablauf des Flughafens bleiben sie für die normalen Passagiere unsichtbar. "Sie könnten da unten in der Delta-Lounge sitzen und Ihre Käsecracker essen, und Sie würden nicht einmal bemerken, dass dieses Flugzeug abhebt und wegfliegt", sagt Benson. Die Gleichgültigkeit vieler seiner Landsleute für all das, was gerade in den USA passiert, findet er furchtbar. Wenn im Parkhaus, wo Benson mit seinem Teleskop steht, die Fluggäste ihre schweren Koffer hinter ihm zum Fahrstuhl wuchten, ignorieren die meisten ihn. "Die halten mich für einen Freak", sagt er und lächelt kurz. "Irgend so ein Typ, der mit einer viel zu großen Linse Flugzeuge beobachtet." Einmal blieb ein Mann stehen, schaute eine Weile zu und lachte, als Benson erzählte, was er tut. "Er sagte: 'Na ja, wenigstens kämen die Abgeschobenen ja jetzt in die Wärme.'" Die meisten Flüge gehen nach Texas . Daraufhin explodierte Benson: "Ich hab' ihn gefragt, ob San Antonio sich wie Urlaub anfühlt, wenn man in Ketten ist." Der Mann habe ihm einfach nicht geglaubt, dass im Flieger keine Kriminellen sitzen, sondern seine Nachbarn. Sogar Menschen, die bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen von Minneapolis arbeiten, seien von ICE deportiert worden, erzählt Benson. "Ausgerechnet Leute, die hier die härtesten Sicherheitschecks durchlaufen müssen." Die Flughafengesellschaft schweige dazu. Kein offizielles Statement, kein Einstehen für die eigenen Mitarbeiter. "Wenn sie wenigstens diesen Fakt kommunizierten. Dann bekämen solche Menschen, die uns nicht glauben, die Informationen, die sie offenbar brauchen." Eine menschliche und finanzielle Katastrophe Um 11.15 Uhr hat Benson 19 Menschen gezählt. "Das waren alle", sagt er und tippt die Zahl in sein Smartphone, schickt sie an die Chatgruppen von 50501 Minneapolis. Hinter jeder Zahl stecken die Geschichten von Menschen. Benson hält das Abschiebeprogramm der Regierung nicht nur für eine menschliche, sondern auch für eine finanzielle Katastrophe: Es müssten mehr Leute für diesen einen Flug beschäftigt werden, als Gefangene an Bord sind: die Crew, die ICE-Agenten, die Mitarbeiter des Operators, die Flughafenangestellten. "Dafür und mit unseren Steuergeldern terrorisieren sie unsere Viertel und versetzen die Menschen in Angst und Schrecken", sagt er. Benson beginnt plötzlich wieder zu zählen: dieses Mal von eins bis sechs. Sechs Menschen, die das Flugzeug verlassen. Es sind Gefangene, die mit der Maschine aus Texas zurück nach Minneapolis geflogen wurden. "Deren Anwälte hatten Glück. Sie konnten für ihre Mandanten noch rechtzeitig einen Aufschub erwirken und ein rechtsstaatliches Verfahren einklagen", erklärt er. Ein erster kleiner, zerbrechlicher Sieg, erkämpft mit mühsam eingehaltenen Fristen, Formularen und anhand seiner Daten. Benson atmet laut und schwer aus. "Daran halte ich mich fest", sagt er. "Sonst …" – er mag den Satz nicht zu Ende sprechen, nicht zu Ende denken. Kinder hat Benson bei den Geisterflügen noch nie gesehen. Er geht davon aus, dass sie mit normalen Passagiermaschinen nach Texas geflogen werden. Von Minneapolis aus operiert auf dieser Strecke nur Delta. "Wüssten die Leute, dass auf ihrem Platz zuvor ein Kind, wie der fünfjährige Junge mit der blauen Hasenohrenmütze gesessen hat, würden sie vielleicht nicht mehr so gerne Delta fliegen", sagt Benson. Er meint jenen Jungen, den ICE-Beamte als Lockvogel einsetzten, um dessen Vater festnehmen zu können; die Geschichte ging groß durch die Medien . "Neunzehn Nachbarn – weg" Der Wind ist eisig. Im Treppenhaus des Parkdecks riecht es nach Abgasen und Kerosin. Benson tritt von einem Fuß auf den anderen, nimmt einen Schluck von seinem Mokka aus dem Starbucksbecher. Er wirkt nachdenklich. "Geschichte wiederholt sich wirklich", sagt er. Während des Dakota-Krieges von 1862 seien genau hier, unweit des Flughafens, Tausende indigener Menschen in Lagern interniert worden. Ein Bischof mit dem Namen Henry Whipple prangerte die Grausamkeit damals an. Viele seien gestorben, viele aber habe der Geistliche auch retten können. "Heute sitzen ICE-Beamte ausgerechnet im Whipple Federal Building in Minneapolis, das nach ihm benannt ist", sagt Benson. Das Gebäude dient ihnen als Zentrale für die Massenabschiebungen. Um 11.58 Uhr fährt der letzte Bus davon. Das Rollfeld leert sich. Still steht der weiße GlobalX-Jet mit dem blauen Heck da, seine Türen sind jetzt geschlossen. Benson schaut noch einmal aufs Handy. Keine neuen Nachrichten. "Die Leute glauben, das passiert irgendwo weit weg", sagt er. "An der Grenze. In der Wüste. Aber es passiert hier." Es treffe Restaurantbesitzer, Angestellte der Warenhauskette Target, von Walmart oder des Baumarktkonzerns Home Depot. "In Minneapolis weinen Kinder, deren Eltern abends nicht mehr nach Hause kommen." Benson atmet wieder schwer. Um 12.13 Uhr heulen die Triebwerke des Flugzeugs auf. Die Maschine rollt an, langsam zuerst, dann schneller, bis sie auf die Startbahn eindreht. Benson verfolgt sie durch das Objektiv, bis sie abhebt und nach Süden schwebt, Ziel: San Antonio, Texas. Er senkt die Kamera. "Neunzehn Nachbarn", sagt er. "Weg." Benson sagt es leise, fast tonlos. Im Treppenhaus neben dem Parkdeck "7 Gold" ist es still. Die Kälte drückt herein. Unten kommen Autos an, parken, fahren weg. Reisende eilen zu ihren Flügen. Benson packt sein Teleskop und das Stativ zusammen. Morgen ist er wieder hier. Um weiterzuzählen.

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