Donald Trumps Interesse an Grönland zielt nicht nur auf Militärbasen und Abschreckung. Die Bodenschätze der Insel machen sie für die USA auch wirtschaftlich relevant. Der US-Präsident verschärft im Konflikt um Grönland den Ton – und greift zu einem drastischen Mittel. Unter Verweis auf die "Sicherheit der Arktis" kündigte der Donald Trump beispiellose Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Nato-Staaten an. Die Maßnahmen sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf Grönlands erzielt werde, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social . Ab dem 1. Februar sollen zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf alle Waren gelten, die in die USA exportiert werden, ab dem 1. Juni sogar 25 Prozent. Aktuell liegt der Zollsatz für viele EU-Exporte bereits bei 15 Prozent. Betroffen wären neben Deutschland unter anderem Dänemark , Frankreich , Großbritannien , die Niederlande , Norwegen, Schweden und Finnland . Öffentlich begründet Trump sein Vorgehen mit militärischen Bedrohungen durch China und Russland . Doch die Eskalation zeigt: Grönland ist für Washington nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch wirtschaftlich und strategisch von Bedeutung. Das liegt besonders an den Schätzen im ewigen Eis – auch wenn sie bislang kaum genutzt werden. Trump erpresst die EU: Ein Ultimatum, das alles verändert – ein Kommentar "Lassen uns nicht erpressen": Europäer kritisieren Trump scharf "Ohne Zuwendungen aus Kopenhagen könnte Grönland nicht bestehen" Grönland war bis 1953 eine dänische Kolonie und erhielt seit 1979 schrittweise mehr Selbstverwaltungsrechte. Heute ist die Insel weitgehend autonom, doch zentrale Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik liegen weiterhin bei Dänemark. Der Wunsch nach vollständiger Unabhängigkeit ist in der grönländischen Politik seit Jahren präsent. Ökonomisch jedoch bleibt das Land stark abhängig von Kopenhagen . Das zeigt sich insbesondere bei den Staatsfinanzen. Grönland erhält jährlich Millionenzahlungen aus Dänemark, um den Haushalt auszugleichen. "Ohne Zuwendungen aus Kopenhagen könnte Grönland nicht bestehen – das unterstreicht die enge wirtschaftliche und politische Verflechtung innerhalb des Königreichs", sagt Andreas Wenzel, Chef der Deutsch-dänischen Handelskammer, t-online. Etwa die Hälfte der Staatseinnahmen stammt aus dem sogenannten Blockzuschuss, wie das Geld von Dänemark genannt wird. Grönland setzt vor allem auf Fischfang Grönlands Wirtschaft wuchs in den vergangenen Jahren nur um etwa ein Prozent jährlich, bei einer vergleichsweise hohen Inflation von bis zu vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das liegt speziell an der schmalen Wirtschaftsstruktur – und der extrem hohen Importquote. Die Insel lebt hauptsächlich von der Fischerei, mehr als 90 Prozent der Exporte sind Fisch oder Fischprodukte. Die Exportpreise hängen derweil stark von Weltmarktpreisen ab. Schwankungen bei Fangmengen oder Preisen wirken sich daher unmittelbar auf Wachstum und Staatseinnahmen aus. Der Großteil der Exporte geht nach Dänemark. Zugleich ist Grönland bei zentralen Gütern stark vom Ausland abhängig. Maschinen, Fahrzeuge und Baustoffe müssen nahezu vollständig importiert werden, auch hier spielt Dänemark als Handelspartner eine zentrale Rolle. Ebenso kommen viele Lebensmittel aus dem Ausland. "Das Potenzial ist riesig" Seit Jahren richten sich deshalb Hoffnungen auf die Bodenschätze Grönlands. Nach Angaben des staatlichen geologischen Dienstes Dänemarks und Grönlands verfügt Grönland über 36,1 Millionen Tonnen Seltener Erden. Doch laut der amerikanischen Kartografiebehörde US Geological Survey sind davon nur rund 1,5 Millionen Tonnen tatsächlich wirtschaftlich abbaubar. Hinzu kommen Vorkommen von Lithium , Grafit und Kupfer. Auch Öl- und Gasreserven gelten als umfangreich: Sie werden auf etwa 28,4 Milliarden Barrel Öläquivalent geschätzt. Industriell genutzt wird davon bislang kaum etwas. "Das Potenzial ist riesig", sagt Wenzel von der deutschen-dänischen Handelskammer. Allerdings sei eine rentable Auslastung von Bergbau sowie Ölförderung nicht realisierbar. "Die Investitionskosten sind einfach zu hoch. Sie gehen in die Milliarden", so Wenzel. Es fehlt an Straßenverbindungen zwischen Städten, an Strominfrastruktur und an Häfen. Transporte erfolgen meist per Schiff, Flugzeug oder Hubschrauber. Mit einem zusätzlichen Investitionspaket will Dänemark die Infrastruktur Grönlands stärken. Die im September 2025 angekündigten Mittel belaufen sich auf umgerechnet knapp 220 Millionen Euro. Bis 2029 sind unter anderem ein Tiefwasserhafen in Qaqortoq, Südgrönland, sowie ein Flughafen in Ittoqqortoormiit im Osten der Insel geplant. Derzeit gibt es dennoch lediglich zwei laufende Bergbauprojekte: eine Goldmine eines kanadischen Unternehmens sowie ein kleines Bergwerk, das von einer grönländischen Firma betrieben wird. "Schon jetzt könnten US-Firmen Rohstoffe abbauen, aber sie haben kein Interesse", sagt Wenzel. Eine rentable Förderung sei derzeit nicht realistisch. Aus Sorge um das Klima wurden zudem Erkundungen nach Öl und Gas ausgesetzt, stattdessen setzt die Regierung auf den Ausbau der Wasserkraft. Ähnlich skeptisch äußert sich der letzte dänische Grönland-Minister Tom Høyem. "Es gibt Rohstoffe in Grönland, auch Seltene Erden, aber die Infrastruktur ist extrem anspruchsvoll. Ohne massive Investitionen geht nichts", sagte er im Interview mit t-online. "Trump wäre naiv zu glauben, sie lägen einfach offen und müssten nur eingesammelt werden", so Høyem weiter. Schlüsselmaterialien für Rüstung und Hochtechnologie Vor diesem Hintergrund erhält das US-Interesse eine andere Dimension. Für Washington geht es wohl weniger um kurzfristige Gewinne aus Bergbau oder Energieprojekten als um langfristigen Zugriff auf strategisch wichtige Rohstoffe. Seltene Erden, Lithium oder Grafit sind Schlüsselmaterialien für Rüstungsindustrie, Energiewende und Hochtechnologie. In Zeiten wachsender Rivalität mit China gewinnt nicht die billigste, sondern die politisch kontrollierbare Quelle an Bedeutung. Grönland liegt rohstoffpolitisch günstig – und auch geografisch. Denn ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt ist die Nordostpassage. Durch das Abschmelzen des arktischen Eises wird die Schifffahrtsroute entlang der russischen Küste zunehmend befahrbar. Sie verkürzt den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich. Wichtige Handelsstraße in der Arktis: Putin und Xi greifen zu "Schon vor Jahrzehnten wussten wir, dass das Eis schmilzt und neue Schifffahrtsrouten möglich werden. Das eröffnet enorme wirtschaftliche Potenziale – vergleichbar mit dem Panamakanal", sagte Politiker Høyem dazu. Trump weiß: Wer den Handel dominiert, kann Partner stark unter Druck setzen. Als Reaktion auf Trumps Absichten läuft auf Grönland derzeit unter Beteiligung der Bundeswehr eine Erkundungsmission. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums prüfen deutsche Soldatinnen und Soldaten gemeinsam mit Nato-Partnern die Bedingungen für mögliche Übungen in der Arktis. Das deutsche Team besteht aus 15 Männern und Frauen aus Logistik und weiteren Fachbereichen. Mit einer stärkeren militärischen Präsenz verbinden manche auch wirtschaftliche Hoffnungen. Insbesondere, wenn tatsächlich die Nato-Präsenz ausgebaut würde. "Die Hoffnung wäre, dass eine solche Präsenz auch positive wirtschaftliche Impulse setzt", sagt Experte Wenzel. "Der klassische Pauschaltourist kommt eher nicht nach Grönland" Als weiterer Hoffnungsträger in Grönland gilt der Tourismus . In den vergangenen Jahren ist vor allem der Kreuzfahrttourismus gewachsen. Es gibt direkte Flugverbindungen aus Nordamerika und Europa, das Angebot bleibt jedoch begrenzt. Deutsche müssen etwa immer über Kopenhagen oder Island fliegen, um nach Grönland zu gelangen. "Natürlich spielt es für den Tourismus eine Rolle, dass Grönland in der Öffentlichkeit steht", sagt Handelskammer-Chef Wenzel. Allerdings handele es sich um ein sehr spezielles Segment. "Es ist sehr teuer und richtet sich an ein abenteuerlustiges Publikum. Der klassische Pauschaltourist kommt eher nicht nach Grönland." Trump betrachtet derweil Grönland nicht als Reiseziel, sondern als geopolitisches Machtobjekt – und setzt dafür selbst enge Verbündete mit Zöllen unter Druck.