Vieles ist neu in der Formel 1. Vieles ist auch neu beim langjährigen Branchenprimus Red Bull. Das Jahr wird zur Bewährungsprobe mit möglichen Folgen für Starfahrer Max Verstappen. Max Verstappens Formel-1-Reise ins Ungewisse mit neuem Auto, neuem Antrieb und neuem Teamkollegen, aber ohne einen seiner wichtigsten Wegbegleiter beginnt für seine deutschen Fans zu nachtschlafender Zeit. Als Erstes der in diesem Jahr elf Teams im Starterfeld wird sich Red Bull zusammen mit dem Schwester-Rennstall Racing Bulls präsentieren. Ort des Geschehens: Detroit in den USA. Red Bull mit neuer Zeitrechnung - erstmals eigener Motor In Brasilien, der Heimat von Freundin Kelly Piquet, schnaufte Verstappen mit seiner Familie vor der anstehenden langen Saison ein bisschen durch. Anlauf nehmen für den großen Wandel. Denn so wie in der gesamten Formel 1 in diesem Jahr, ist auch beim einstigen Branchenführer vieles neu und einiges anders. Künftig wird Verstappen auch nicht mehr mit seiner alten Nummer 33 antreten, die er bis zu seinem ersten Titelgewinn trug. "Die Nummer 33 war immer fein, aber ich mag eine 3 einfach lieber als zwei", erklärte er: "Ich habe immer gesagt, sie (33) steht für doppeltes Glück. Aber ich hatte mein Glück schon in der Formel 1." Daher fährt Verstappen nun mit der Nummer 3. Das wäre also geklärt - aber warum präsentiert sich Red Bull in Detroit? Der einfache Grund: Red Bull und die Racing Bulls bekommen hauseigene Motoren mit Know-how von Ford. "Wir freuen uns unglaublich darauf, dieses neue Kapitel zu beginnen", sagt Teamchef Laurent Mekies. Die Zeit der Antriebe mit Honda-Technik ist vorbei. Wie viel neuer Wagen aber nun schon drinsteckt, wenn die Lackierung in der US-Autometropole gezeigt wird, bleibt offen. Alle Teams stehen unter enormem Zeitdruck. Kleiner und leichter werden die Boliden sein, ausgestattet mit deutlich mehr Elektro-Power. Wer diese Revolution am besten bewältigt, ist derzeit noch ziemlich unklar. Gerade mal 50 Tage nach dem Finale der vergangenen Saison, in dem sich Verstappen trotz seiner WM-Aufholjagd dem neuen Champion Lando Norris im McLaren geschlagen geben musste, stehen die ersten Testfahrten auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya vom 26. Januar an auf dem Programm. Diese sind noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Danach gibt es zwei öffentliche Testphasen im Februar in Bahrain. Am 8. März steht der Saisonauftakt im fernen Melbourne an. Seit dem Einstieg in die Formel 1 zur Saison 2005 nach der Übernahme des damaligen Jaguar-Teams fuhr Red Bull immer mit Motoren anderer Hersteller. In diesem Jahr - und deswegen liegt Detroit näher als die Rennstall-Heimat Milton Keynes oder der Unternehmenssitz Salzburg - fährt Red Bull mit selbst gebauten Motoren mit der Unterstützung von Ford. Verstappens Vertrauter nicht mehr dabei Der Vorteil: Alles - Chassis und Antrieb - wird nun zusammen produziert. Der Nachteil: Ford war über 20 Jahre nicht in der Königsklasse vertreten. So viel Zeit wie das neue Audi-Team, das 2030 um die WM mitfahren will, hat die neue Renngemeinschaft Red Bull/Ford nicht. Bleibt der Erfolg aus, werden die Diskussionen um Verstappens Zukunft wieder enorm befeuert, mögliche Vertragsklauseln hin oder her. "Einen Champion im Auto mit einem Red-Bull-Ford-Antrieb zu haben, ist wichtig, oder? Wir glauben an das Team, wir glauben an den Antrieb und wir glauben an die Menschen, die das Auto entwickeln", sagte Fords Performance-Direktor Mark Rushbrook dem Fachportal "Motorsport.com". Am Ende des Tages komme es auf den Fahrer an, aus allem wirklich das letzte Quäntchen herauszuholen. Verstappen ist darin ein Meister. Einer, der immer großen Einfluss auf ihn hatte, wird allerdings nicht mehr an den Rennwochenenden dabei sein. Helmut Marko, Motorsportberater seit der ersten Formel-1-Stunde von Red Bull, beendete sein Engagement. Inwiefern der 82 Jahre alte Grazer damit den personellen Veränderungen bei Red Bull zuvorkam, bleibt Spekulation. Fahrer-Nachwuchs befördert Dass Red Bulls deutscher Geschäftsführer Oliver Mintzlaff dem Team aber einen neuen Anstrich geben will, ist offensichtlich. Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich Red Bull und Teamchef Christian Horner getrennt. So wie Marko war der 52 Jahre alte Brite von Anfang an dabei. Kontakt zu Horner hat Verstappen dennoch praktisch an jedem Rennwochenende, bei Marko dürfte es nicht anders werden. Mit ein bisschen Genugtuung wird der Österreicher zudem sehen, wie neben Verstappen in Detroit der 21 Jahre alte Franzose Isack Hadjar im Red-Bull-Overall auftreten wird. Und an dessen Stelle der noch mal drei Jahre jüngere britisch-schwedische Teenager Arvid Lindblad bei den Racing Bulls startet. Denn auch die beiden stammen - wie einst Verstappen - aus der Kaderschmiede, für die Marko auch verantwortlich war. Und auch ihn dürfte aus Verbundenheit beruhigen, dass Verstappen seinen Renningenieur Gianpiero Lambiase wohl behalten wird, nachdem viel um dessen Zukunft spekuliert worden war. Es ist also viel, aber auch nicht alles neu für den viermaligen Weltmeister in der großen Reform-Saison 2026.