Lange war es still im US-Kongress. Doch jetzt wächst der Widerstand gegen eine Übernahme Grönlands. Sogar republikanische Senatoren stellen sich gegen das Weiße Haus und Trumps imperiale Fantasien. Denn sie gefährden die Nato. Bastian Brauns berichtet aus Washington Monatelang wurde Donald Trumps Fixierung auf Grönland in Washington als vertrautes Theater abgetan. Man kennt die provokante Rhetorik des US-Präsidenten und seine aggressiven außenpolitischen Forderungen. Die Hoffnung war, das Ganze werde sich, wie viele großspurige Ankündigungen, schon von selbst erledigen. Diese Annahme aber scheint nun zu zerbrechen. Angesichts der immer deutlicher vorgetragenen Übernahmepläne aus dem Weißen Haus für Grönland zeichnen sich Konsequenzen ab. Im amerikanischen Kongress wächst sichtbarer, zunehmend lauter Widerstand, auch in Trumps eigener Partei. Wadephul auf Grönland-Mission in den USA : Es herrscht Alarmstimmung Das deutlichste Signal kommt von republikanischen Senatoren, die sich seit Jahren als sicherheitspolitische Falken verstehen. An vorderster Front positioniert sich seit Tagen der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina, der Co-Vorsitzender der Nato Beobachtungsgruppe im Senat ist. Vom politischen Theater zur strategischen Krise In einer Rede im Senat rechnete Tillis schon am 7. Januar nicht nur mit der Idee einer Übernahme Grönlands ab, sondern griff direkt Trumps Berater im Weißen Haus an, die diese Linie vorantreiben. Die Aussage von Stephen Miller, Grönland solle "offensichtlich" Teil der Vereinigten Staaten werden, nannte Tillis "absurd", "dilettantisch" und schlichtweg "dumm". Entweder müsse Miller "in einen Bereich wechseln, von dem er etwas versteht, oder diesen Job aufgeben", sagte Tillis und fügte hinzu, all die "Amateure", die eine Invasion Grönlands für eine gute Idee hielten, "sollten ihre Jobs verlieren". Er wies darauf hin, wie treu Dänemark etwa im Afghanistan-Krieg an der Seite der USA gekämpft und dabei viele Todesopfer zu beklagen hatte. Tillis steht mit seiner deutlichen Kritik am Trump-Kurs nicht allein. Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska wählte Worte, die dem transaktionalen Weltbild des Weißen Hauses frontal widersprechen. Die Vereinigten Staaten, sagte sie, müssten Grönland "als Verbündeten sehen, nicht als Vermögenswert". Partnerschaft sei wichtiger als Besitz. Trump argumentiert genau gegenteilig und verlangt direkten Zugriff auf Grönland. Auch ihre Senatskollegin Joni Ernst aus Iowa schlug ähnliche Töne an und mahnte, die USA müssten "gute Partner für Dänemark" sein. Es geht ihr darum, Grönland nicht als abstraktes geopolitisches Objekt zu sehen, sondern Teil eines Nato-Verbündeten, der wiederholt an der Seite der USA gekämpft hat. Der langjährige republikanische Senator Roger Wicker aus Mississippi sagte: "Dänemark und Grönland haben das Recht, Verhandlungen mit den USA abzulehnen." Selbst der Trump nahestehende Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, beteuerte, dass er sich "boots on the ground", also US-Truppen, die in Grönland einmarschieren würden, nicht für realistisch halte. Johnson verwies stattdessen auf laufende Verhandlungen zwischen Grönland, Dänemark und den USA. Grönland-Krise: Sie taten ihr Möglichstes – aber reicht das? Der Kongress organisiert sich Neu am Widerstand gegen Trump ist, dass er nicht mehr bei Appellen verharrt. Der Kongress beginnt, sich zu organisieren. Eine parteiübergreifende Delegation unter Führung des demokratischen Senators Chris Coons, der auch Thom Tillis angehört, reist in diesen Tagen nach Dänemark, um die Unterstützung für Kopenhagen und Grönland zu bekräftigen – und klarzumachen, dass Trumps Drohungen nicht für die Legislative sprechen. Coons formulierte das Ziel ganz offen: Der Besuch solle zeigen, dass der Kongress den Wert des Nato-Bündnisses versteht und keineswegs beabsichtigt, sich in die Selbstbestimmung Grönlands einzumischen. Die Symbolik ist eindeutig: Während das Weiße Haus rhetorisch eskaliert, betreibt der Kongress Bündnisreparatur. Dabei sind die Gesetzgeber nicht ohne eigene Macht. Erst kürzlich verabschiedeten sie ebenfalls mit einer von einzelnen Republikanern unterstützten Mehrheit ein Gesetz, das kriegerische Handlungen des Präsidenten gegen Venezuela ohne Zustimmung verbietet. Diese Venezuela-Abstimmung markierte den ersten ernsthaften, koordinierten Versuch, die verfassungsmäßigen Rechte des Kongresses wieder geltend zu machen. Das Weiße Haus reagierte nicht ohne Grund mit scharfer Kritik an den beteiligten republikanischen Senatoren, weil sie die Interessen Amerikas verrieten. Aber die Botschaft war unmissverständlich: Trumps expansive Vorstellung präsidialer Macht bleibt nicht länger unwidersprochen. Ähnlich verhält es sich bei Annexionsplänen für Grönland. Das Staatsgebiet der USA kann nur mit Zustimmung der Legislative erweitert werden. Trump scheint dafür derzeit keine Mehrheit zu haben – und er weiß das. Die Bruchlinien in der GOP Also doch alles nur lautes Getöse, um für einen möglichen Deal maximalen Druck aufzubauen? Vor diesem Hintergrund wird Grönland jedenfalls nicht nur zum Stresstest für die transatlantische Allianz, sondern auch für die Republikaner. Während Senatoren wie Thom Tillis sich auf das von ihren Wählern verliehene demokratische Mandat berufen und die Beamten im Weißen Haus kritisieren, verschärft die Regierung den Ton immer weiter. Pressesprecherin Karoline Leavitt schließt militärische Gewalt nach wie vor ausdrücklich nicht aus, während Stephen Miller schon zuvor erklärt hatte, niemand würde Grönland im Zweifel militärisch gegen die Vereinigten Staaten verteidigen. Parallel dazu treiben populistische Hardliner der Republikaner im Kongress die Eskalation voran. Der republikanische Abgeordnete Randy Fine aus Florida hat etwa den "Greenland Annexation and Statehood Act" eingebracht. Es ist ein Gesetzesvorhaben, das Trump zur Annexion Grönlands ermächtigen und den Weg zum 51. Bundesstaat ebnen soll. Das Projekt gilt als aussichtslos, zeigt aber die neuen Bruchlinien bei den Republikanern. Randy Fine ist mit seinen Ideen nicht allein. Sein Kongresskollege Andy Ogles aus dem Bundesstaat Tennessee brachte schon kurz nach Trumps Amtseinführung den Gesetzesvorschlag "Make Greenland Great Again" ein. Er scheiterte aber auch damit schon an fehlenden Mehrheiten. Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Kongressabgeordneten hat ebenfalls einen vielsagenden Gesetzentwurf eingebracht , der Präsident Donald Trump daran hindern soll, ohne Zustimmung des Kongresses militärisch gegen ein Nato-Mitglied oder ein Nato-Gebiet wie Grönland vorzugehen. Der demokratische Abgeordnete Bill Keating aus Massachusetts erklärte dazu: "Es geht hier um unsere zentralen gemeinsamen Interessen und um unsere grundlegende Sicherheit – nicht nur in Europa, sondern ebenso in den Vereinigten Staaten selbst." Das Vorhaben wird unter anderem von dem moderaten Republikaner Don Bacon aus Nebraska unterstützt. Man hofft darauf, dass sich weitere Republikaner anschließen. Warum Grönland nicht Venezuela ist Für die Trump-Regierung ist der Widerstand in den eigenen Reihen eine unangenehme Entwicklung. Grönland ist nicht Venezuela. Die offene Drohung gegen einen Nato-Verbündeten birgt nicht nur rechtliche, sondern auch diplomatische und strategische Risiken, die selbst viele Republikaner nicht mehr hinnehmen wollen. Allerdings melden sich vor allem Senatoren zu Wort, die keine Wiederwahl anstreben und somit befreit Gegenpositionen einnehmen können, weil sie auf Trumps Unterstützung nicht mehr angewiesen sind. Im Jahr der Zwischenwahlen aber könnte das Grönland-Thema auch für die anderen Republikaner problematisch werden. Aktuelle Umfragen zeigen jedenfalls eine klare Ablehnung der Pläne in der Bevölkerung, auch unter republikanischen Wählerinnen und Wählern. Scharfe Zurückweisungen aus Grönland In Europa nimmt man Trumps Rhetorik weiterhin wörtlich. Bei einem Auftritt vor Medien am Dienstag bezog der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen klar Position: "Wenn wir zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark wählen müssen, wählen wir Dänemark. Wir wählen die Nato. Wir wählen das Königreich Dänemark. Wir wählen die EU." An diesem Mittwoch soll es nun zu einem Treffen im Weißen Haus kommen, bei dem nicht nur Marco Rubio und seine grönländischen und dänischen Amtskollegen Vivian Motzfeldt und Lars Løkke Rasmussen anwesend sein werden. Auch der amerikanische Vize-Präsident JD Vance will bei diesem Gespräch dabei sein. Es ist ein weiteres Signal, wie ernst es der Trump-Regierung mit ihrem Anliegen ist.