Von Erleichterung über die brüchige Waffenruhe keine Spur: Stattdessen zog Markus Lanz mit zwei Journalisten ein fatales Zwischenfazit der Lage am Golf. "Wir wissen jetzt während unseres Gesprächs nicht, ob die Straße von Hormus wirklich frei ist oder nicht", beschrieb Markus Lanz gleich zu Beginn die – auch nach der Waffenruhe-Vereinbarung – unsichere Gemengelage am Golf. Über die Frage, wie es dort jetzt weitergehen könnte, sprach der Moderator in einer 45-minütigen Spätausgabe seines Talks am Mittwochabend mit zwei ausgewiesenen Experten: der langjährigen USA-Korrespondentin Annett Meiritz und dem Chefredakteur des Nahost-Magazins "Zenith", Daniel Gerlach. Die beiden Journalisten teilten seine Skepsis gegenüber der Sieges-Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump und seines Kriegsministers Pete Hegseth . Die Gäste Daniel Gerlach, Nahost-Experte Annett Meiritz, Journalistin ("Handelsblatt") Rhetorik und Realität klafften bei Trump immer weiter auseinander, deshalb verliere er an Wucht, analysierte Meiritz. Der Iran-Krieg habe die "planlose Nicht-Strategie" des US-Präsidenten ebenso enthüllt wie die Machtlosigkeit des US-Militärs, das Mullah-Regime in die Knie zu zwingen, so die Journalistin weiter. Die Rhetorik Trumps, der davon gesprochen hatte, "eine ganze Zivilisation auszulöschen", nannte sie "genozidal" – und warnte ausdrücklich vor Entwarnung. Dem US-Präsidenten attestierte sie Ungeduld, Hybris und eine Fehlkalkulation. Krieg im Nahen Osten: Alle aktuellen Meldungen Jagd auf Terrorführer Kassim: "Er wird im tiefsten Abgrund der Hölle landen" Lanz fragt, wer Trump zum Krieg getrieben hat Auf Markus Lanz’ Frage, wer ihn zu dieser Fehlkalkulation getrieben habe, vermutete sie, dass wahrscheinlich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ihm aus Eigennutz vermittelt habe, der Iran sei schnell zu schlagen. US-Vizepräsident JD Vance, ein Gegner des Angriffs, sei bei den Gesprächen mit den Israelis nicht dabei gewesen, ergänzte Daniel Gerlach. Er verwies darauf, dass nun ausgerechnet der unerfahrene Vance zusammen mit dem gescheiterten Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner für die USA die anstehenden Verhandlungen in Islamabad führen soll. Wie überhaupt Pakistan als Vermittler ins Spiel gekommen sei, hakte Lanz an dieser Stelle ein. Dessen Premierminister Shehbaz Sharif gehöre dem von Trump gegründeten "Peace Board" an, erläuterte Gerlach, er habe eine gute Chemie mit dem US-Präsidenten und sei auch mit China gut vernetzt. Denn auch die Volksrepublik habe ein großes Interesse an iranischem Öl und einer freien Straße von Hormus. Was genau in dem Zehn-Punkte-Plan steht, der die Grundlage für ein dauerhaftes Kriegsende bilden soll , vermochte jedoch auch Gerlach nicht zu sagen. Gerlach bescheinigt USA "Pyrrhussieg" Stattdessen äußerte der Publizist die Vermutung, dass Trump schon vor seinen martialischen Drohungen von einer bevorstehenden Einigung gewusst habe, und nur den Eindruck habe erwecken wollen, Iran habe sich ihm gebeugt. Zugleich stellte er klar: "Dieser Krieg ist ja auch nicht vorbei. Es kann jederzeit wieder losgehen." In diesem Zusammenhang konstatierte Gerlach einen "fatalen Vertrauensverlust" der Amerikaner. Er prognostizierte eine "Verschiebung der Allianzen". Einige Staaten in der Golfregion würden sich künftig wohl nicht mehr auf US-Schutz verlassen. Während er den USA einen "Pyrrhussieg" bescheinigte, habe sich das iranische Regime "nach seiner eigenen Logik behauptet". Schließlich ist es auch mit dem von Trump behaupteten "Regime Change" im Iran nicht weit her: Zwar wurde der langjährige Revolutionsführer Ali Chamenei bei Luftangriffen der USA und Israels getötet, und sein zum Nachfolger ausgerufener Sohn Modschtaba Chamenei gilt als schwer verletzt und nicht regierungsfähig. Gerlach attestiert den USA eine "imperiale Logik" "Aber der eigentliche Bluthund ist noch da", stellte Lanz mit Blick auf den Justiz-Chef und brutalen Dissidenten-Verfolger Gholamhossein Mohseni-Esche'i fest, zur Führung des Iran gehört. Ja, es seien eher Figuren getötet worden, "die für Verhandlungskompetenz standen", pflichtete Gerlach bei. Generell seien die USA nach der klassischen imperialen Logik vorgegangen: "Ich kann meine Interessen absichern, die Konsequenzen sind nicht unser Bier." Die "große Absetzbewegung" von Trump konnte "Handelsblatt"-Journalistin Meiritz in den USA gleichwohl noch nicht erkennen. Immer noch unterstützten ihn etwa 80 Prozent der Republikaner. Ohnehin aber werde das Ende seiner zweiten Amtszeit nicht das Ende des Trumpismus oder der MAGA-Bewegung bedeuten. Vielmehr sei JD Vance ein wichtiger Hoffnungsträger für die Basis und Favorit auf seine Nachfolge. Daniel Gerlach leitete aus dieser Perspektive die Forderung ab, die deutsche Politik dürfe sich nicht länger "in einem Paralleluniversum einrichten".