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32-Zoll Gravelbike im ersten Test: Große Reifen, viel dahinter?

Nicht nur im MTB-Bereich rumort es in Sachen Auf den Craft Bike Days Italia hatte unser Kollege Jan die Gelegenheit zum ersten 32-Zoll Gravelbike-Test. Schon auf der kleinen Runde über die Strade Bianche stand fest: Hier läuft einiges richtig gut! Aber der Weg fängt gerade erst an.

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Video: 32-Zoll, gekommen um zu bleiben?

32 Zoll Gravel Bike Test: Komfort & Speed im ersten Fahreindruck
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32-Zoll: Handmade Rahmen, aber Big Brand Komponenten

So langsam mausert sich auch am Drop-Bar-Bike 32-Zoll zu einer neuen Größe, mit der zu rechnen ist. Nachdem Schwalbe auf der Velofollies 2026 ein Gravelbike mit den riesigen G-One R-Reifen am Stand hatte, waren jetzt auch auf den Craft Bike Days Italia gleich zwei Gravelbikes ausgestellt. Wie auf der Velofollies stammten die Bikes von Handmade-Rahmenschmieden. Dass DT Swiss sie schon mit neuen Alufelgen ausgestattet hatte, die „zum Testen“ an Hersteller ausgegeben werden, wie es vor Ort hieß, lässt eindeutig schließen, dass sich die Industrie mit der neuen Laufradgröße anfreundet. Auch Vittoria hatte auf den Craft Bike Days die bekannten Peyote XC MTB-Reifen in 32 Zoll und 2,4 Zoll Breite an den Showbikes montiert.

Mit dem DT Swiss-Vittoria-Paket war auch das erste fahrbereite 32-Zoll-Gravelbike ausgestattet, ein Galetti KhomaKhoma 32, das ich für eine kurze, circa 10 km lange Testrunde durch die Hügel der Toskana pilotieren konnte. Der glatte Kiesbelag der Strade Bianche wäre für die großen, für Gravel-Verhältnisse eher grobstolligen Vittoria Peyote, die auch Tom Pidcock im XC Wetcup schon fuhr, eher eine Unterforderung, dachte ich. Doch der Reihe nach.

Diashow: 32-Zoll Gravelbike im ersten Test: Große Reifen, viel dahinter?
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# Wie groß wird 32 Zoll? – Auf den Craft Bike Days Italia waren drei Bikes mit großen Vittoria Peyote XC-Reifen auf „Testfelgen“ von DT Swiss zu sehen. Nach einem ersten Fahrtest ist Bikepacking – wie hier am Trentadue Rad von Pollici – ein Einsatzbereich, wo die Riesenräder auch extra große Vorteile bringen.

Cicli Galetti KhomaKoma 32 Gravel Bike

Der italienische Rahmenbauer Cicli Galetti stellte auf den Craft Bike Days sein Endurance-Gravelbike „KhomaKoma“ ins Rampenlicht, das Luca für sich selbst als Testbike aufgebaut hatte. Gefahren bin ich also keinen finalen Serienstand, sondern einen Prototypen – allerdings einen, der schon ziemlich gut zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Hier zunächst die Fakten zum Bike:

  • Rahmen: Stahlrahmen aus Columbus Spirit und Life Rohren
  • Gabel: Columbus Adventure Gabel
  • Laufradgröße: 32 Zoll
  • Reifen: Vittoria Peyote XC Prototypenreifen in 32 Zoll
  • Laufräder: DT Swiss XR 1700 Testfelgen in 32 Zoll
  • Schaltung: SRAM Rival XPLR
  • Gewicht Rahmen: circa 1.950 g
  • Gewicht Komplettrad: 10,4 kg komplett mit Pedalen und Flaschenhaltern
  • Preis: 3.200 Euro für das lackierte Custom-Frameset inklusive Gabel, Steuersatz und Lackierung
  • Besonderheiten: Maßrahmen, interne oder externe Zugverlegung möglich, auch Routing durch Steuersatz realisierbar
  • www.cicligaletti.it
# Das KhomaKoma 32 von Cicli Galetti soll heute offiziell erscheinen. – Ich konnte bereits eine Proberunde durch die Toskana darauf drehen.
# Ein extra kurzes Steuerrohr sorgt für etwas Überhöhung trotz 32 Zoll-Laufrädern.
# In die Columbus Futura Adventure 29-Zoll Gabel passen bereits die 2,4 Zoll breiten Reifen in 32-Zoll.
# Schlafwandlerisch sichere Fahreigenschaften? – Der Name legt es nahe, erinnert mich aber auch an einen Radiohead Song.
# Die DT Swiss XR 1700 Felgen in 29 Zoll haben zwar einen Namen, sind aber reine Testmuster, sagt DT. – Der Vittoria Peyote XC Reifen in 32 Zoll soll aber Anfang nächsten Jahres spätestens auf dem Markt sein.

Max Galetti versteht das KhomaKhoma 32 als Gravelbike für Langstrecke, Ausdauer und entspanntes Fahren – wobei „entspannt“ sich durchaus auch auf die Sitzposition bezieht. Denn ohne spezielle Lösungen lassen sich sportlich tiefe Sitzpositionen auf den großen Laufrädern nicht einfach realisieren.

Auch bei der Eignung für verschiedene Körpergrößen macht Galetti selbst schon Einschränkungen. Das gezeigte Bike sei bereits die kleinste sinnvolle Größe, die er in 32 Zoll bauen will, sagt Max selbst ziemlich klar: Unter etwa 1,75 bis 1,80 Meter Körpergröße wird es schwierig. Ich selbst (siehe Testerprofil unten) bin 1,80 Meter groß und hatte auf dem Rad bereits genau die Sitzhöhe, die für mich passt. Viel weiter nach unten geht das Konzept also konstruktiv nicht mehr.

# Der SRAM Rival XPLR Antriebsstrang wird mit MTB-Kurbel kombiniert, um ausreichend leichte Gänge zur Verfügung zu haben.
# Die UDH-Aufnahme am Rahmen…
# …ist Voraussetzung für das SRAM Rival XPLR-Schaltwerk.
# Der Rahmen soll um 3.200 Euro kosten.

Dass das Ganze dennoch nicht übermäßig wie ein Monstertruck wirkt, liegt an der vergleichsweise eleganten Umsetzung. Der Prototyp basiert auf einem Columbus-Spirit-Rohrsatz im Mix mit Life-Rohren und nutzt eine reguläre Columbus Adventure Gabel, die eigentlich aus dem 29-Zoll-Bereich kommt. Der Rahmen erlaubt verschiedene Optionen für die Leitungsverlegung, auch vollständig interne Verlegung ist möglich.

Cicli Galetti versteht das Projekt nicht als Showbike, sondern will es als Maßrahmen mit Start heute regulär anbieten. Bemerkenswert ist auch das Gewicht: 10,4 Kilo sind für ein Stahl-Gravelbike mit dieser Laufradgröße ziemlich wenig.

# Der Komfort im Sattel war so hoch, dass er unmöglich von Sattelstütze und Sattel kommen konnte.
# Das Cockpit sitzt nur runde 4 cm unter der Sattelhöhe.
# Der Rahmen erlaubt auch interne Leitungsverlegung.

32-Zoll Gravelbike Test: So fährt es sich

Der erste Eindruck beim Losfahren: echt behäbig. Das ist keine Überraschung. Große Laufräder, große Reifen, Testfelgen aus Alu, dazu ein langer Rahmen – im Antritt wirkt das KhomaKhoma 32 erst einmal deutlich weniger spritzig als ein normales Gravelbike. Eher wie ein Trekkingrad, um es genauer zu sagen. Selbst günstige Alu-Modelle aus unserem letzten 2.000 Euro Gravelbike Test wirken in der Erinnerung gegen das 32-Zoll-Gravelbike wie spritzige Racer. Wer nur die ersten 200 Meter fährt, könnte zum Schluss kommen: interessant, aber nichts für mich.

# Das 32-Zoll-Fahrerlebnis war überraschend anders als gedacht.

Aber der Punkt, an dem der Aha-Effekt eintritt, ist schnell erreicht. Nämlich mit Einbiegen auf die Strade-Bianche-Abfahrt. Sobald das Rad einmal rollt, läuft es mit einer Souveränität über den festen Schotterweg, die ich noch nicht erlebt habe. Schlaglöcher, gröberer Schotter, Steinbrocken, die sich in die Wegdecke gedrückt haben und noch ein Stück rausgucken, alles wird einfach weggerollt. Man bleibt sitzen, pedaliert, lässt es laufen. Und laufen und laufen. Man muss weniger aktiv entlasten und spart damit Nerven und Energie. Dabei wirkt das Galetti KhomaKoma 32 nicht so weich wie manche gefederte Gravelbikes, aber dennoch komfortabler als diese und vor allem viel fahrsicherer. Eine Mischung, die umso mehr begeistert, je höher das Tempo wird.

Dazu kommt die Schwungmasse. Die 32-Zoll-Laufräder halten trotz mangelnder Aeroform das Tempo sehr gut, und auf flacheren oder leicht welligen Abschnitten festigt sich der Eindruck, dass man mit weniger Aufwand Geschwindigkeit hält. Genau darin liegt der eigentliche Reiz dieser Größe: im schnellen, ruhigen und gleichmäßigen Vorwärtskommen über lange Distanzen. Gerade auf Kursen mit viel Geradeausanteil und wenig technischen Passagen erscheint mir das Konzept mit diesem 32-Zoll-Gravelbike sofort plausibel – auch und gerade für Rennen, allerdings eher für lange Rennen.

# Sportlich tiefe Sitzpositionen lassen sich nicht ohne Spezial-Lösungen spontan umsetzen.

Stichwort Rennen: Die Sitzposition des Prototyps zeigt aber auch, dass die Geometrie solcher Räder gewisse Grenzen setzt. Obwohl das Steuerrohr extrem kurz ist und der Vorbau schon sehr tief sitzt, war die Überhöhung für mich überschaubar. Ich kam lange nicht so tief, wie ich es von einem Cyclocrosser oder einem sportlichen Gravelbike kenne. Wer 32 Zoll am Gravelbike schnell fahren will, wird zwangsläufig zu einem Vorbau mit deutlichem Negativwinkel greifen wollen, der eventuell so steil ausfallen muss, dass er keine einfache runde Form haben kann, weil er sonst am Steuersatz aneckt.

Hinzu kommt das Lenkverhalten. Wenn man das Rad bewusst dynamisch hin und her werfen will, zeigt sich die Kehrseite der großen Laufräder. Die Lenkung fühlt sich dann träge an, einfach weil viel Masse in Bewegung gesetzt werden muss und der Radstand groß ist. Enge Kurven und schnelle Richtungswechsel gehören auf keinen Fall zur Paradedisziplin. Interessanterweise war die Lenkung des Prototyps dabei keineswegs stumpf, sondern noch recht lebendig.

Positiv überrascht hat mich, dass sich das Rad trotz allem nicht leblos anfühlt. Es lässt sich durchaus in Fahrt anlupfen und wirkt insgesamt leichter, als man es bei dieser Erscheinung erwarten würde, und geht auch ohne Mühe in einen Bunny Hop über größere Hindernisse.

Die montierten Vittoria Peyote XC Reifen passen gut zu diesem ersten Eindruck. Das Profil rollte auf feinem Schotter und auch auf Asphalt schnell und unauffällig. Für ein solches 32-Zoll-Gravelbike könnte ich mir sogar noch glattere Reifen sehr gut vorstellen. Die Peyote wirken schon jetzt wie eine brauchbare Option, aber das Potenzial für noch Hardpack-orientiertere Setups ist offensichtlich.

Mein erster Eindruck fällt deshalb ziemlich klar aus: Das 32-Zoll-Gravelbike eröffnet neue Perspektiven für einen ganz speziellen Einsatzbereich. Für schnelle Gravelrennen, für sehr lange Distanzen und erst recht für Reisezwecke ergibt die Laufradgröße sofort Sinn, am positivsten dürfte sich der Charakter dabei auf langen Reisen oder beim Ultracycling auswirken. Gar nicht sinnvoll erscheint es dort, wo viel beschleunigt, umgelegt, geklettert und eng manövriert werden muss. Für bergige, technische Kurse würde ich weiterhin ein klassisches Gravelbike bevorzugen. Aber für schnelle Schotterpisten? Da hat 32 Zoll aus meiner Sicht echtes Überlegenheits-Potenzial. Und macht auch Spaß! Schnelles Adventure-Gravelbike gesucht? Das könnte es sein.

# Zum direkten Vergleich stand auch ein 32 Zoll Mountainbike von Pollici aus Italien bereit. – Die Marke hat sich schon mit noch größeren Laufrädern in 36 Zoll (Trenta Sei) einen Namen gemacht.

Und im Vergleich zum 32-Zoll-MTB?

Noch spannender wurde es für mich im direkten Vergleich mit einem 32-Zoll-Mountainbike, dem Trenta Due von 36-Zoll-Bike-Spezialist Pollici (www.36pollici.it), das ebenfalls auf den Craft Bike Days Italia zum Probefahren bereitstand.

Denn dort zeigte sich sofort: Große Laufräder allein machen ein Rad noch nicht automatisch behäbig. Im Gegenteil. Das Mountainbike fühlte sich überraschend verspielt an, deutlich agiler als das Cicli Galetti und insgesamt näher an dem, was man von einem modernen MTB erwartet – nur eben mit riesigen Rädern.

# Die Devise von Pollici klingt sinnvoll. – Und tatsächlich fuhr das MTB auch etwas spielerischer als das Gravelbike. Es ist also Raum für zumindest etwas Agilität, auch in 32 Zoll.
# Mit zum agileren Fahreindruck dürften auch die Laufräder mit Carbonfelgen von Damil beigetragen haben.
# Die Schaltung für Bandbreite steuert Ingrid aus Italien bei.

Toe-Overlap war dort überhaupt kein Thema, was ich wissen wollte, weil das beim Gravelbike zumindest leicht eine Rolle spielte. Auch sonst ließ sich das MTB erstaunlich lebendig bewegen. Es war zwar nicht gerade leicht, aufs Hinterrad zu ziehen, aber in Kurven und bei aktiver Fahrweise machte es einen deutlich handlicheren Eindruck als das Gravelbike. Das zeigt vor allem eines: Die Laufradgröße diktiert nicht allein das Fahrverhalten, entscheidend sind Rahmenkonzept und Geometrie.

# Mit einer derart feinfühligen Federgabel wie der von Bright Racing gewinnen die Trailqualitäten von 32 Zoll deutlich. – Wäre auch was fürs Gravelbike in meinen Augen.
# Dropper-Post und…
# …breites Cockpit am 32-Zoll-MTB-Testmodell.

Der Grundcharakter war trotzdem ähnlich. Auch das Trenta Due vermittelte sofort viel Komfort und dieses souveräne Abrollen, das ich schon vom 32-Zoll-Gravelbike kannte. Dazu kam aber beim MTB natürlich noch die deutlich passendere Peripherie. Besonders die Upside-Down-Gabel von Bright Racing Shocks machte einen sehr starken Eindruck. Das Ansprechverhalten war fein, sensibel und klar auf einem anderen Niveau als alles, was man von aktuellen Gravel-Federgabeln kennt.

# Trotz Variostütze und Federgabel soll auch das Pollici Trentadue MTB mit Alurahmen nur 10,4 kg wiegen.

Fazit

Mein Fazit nach diesem ersten Kontakt: 32 Zoll am Gravelbike ist gekommen, um zu bleiben. Auch wenn alle großen Hersteller noch auf Testphasen verweisen, spricht allein das spezielle Fahrverhalten für Vorteile in sehr spezifischen, aber populären Einsatzbereichen. Das heißt: Gravel-Race auf langen, nicht zu höhenmeterlastigen Kursen mit grobem Untergrund, aber auch lange Distanzen auf unwegsamem Terrain, man denke an Atlas Mountain Race und Co. Das 32-Zoll-Gravelbike rollt so glatt und gleichzeitig mit direktem Feedback über grobe Pisten, dass jeder und jede, die sich einmal draufgesetzt haben, den Unterschied sofort fühlen können.

Das geringe Gewicht des handgemachten Stahl-Gravellers zeigt, dass auch 8-Kilo-Bikes möglich sein sollten, mit angepassten Reifen sowie Laufrädern und sportlichen Geometrien oder speziellen Cockpit-Lösungen sicher eine gewinnbringende Race-Option. Das Rollverhalten lässt sich dabei nicht einfach durch Federgabeln ersetzen. Auch wie die Fahrsicherheit in schnellen Kurven, selbst auf losem Untergrund, steigt, ist ein klarer Gewinn. Nicht leicht lösen lässt sich meiner Meinung nach die Größenfrage, die das Konzept nur für bestimmte Körpergrößen wirklich zur besseren Wahl macht.

#

Was denkt ihr zu 32″ Gravelbikes?

Tester-Profil: Jan Gathmann
Körpergröße 180 cm
Schrittlänge 86 cm
Oberkörperlänge 51 cm
Armlänge 62 cm
Gewicht 75 kg
Jan fährt vom Bahnrad über den Stahl-Klassiker bis zum Cyclocross- und Gravelbike alles, was einen Rennlenker hat – nur mit den Unterarmen auf dem Auflieger sieht man ihn selten. Bewunderte Pro-Fahrer: Klassikerspezialisten. Meistgemiedenes Terrain: lange flache Geraden.
Fahrvorlieben
Lieber kurz und schnell als lang und erschöpfend
Bevorzugtes Terrain
Mittelgebirge, Flandern, kurvig, gerne auch mit Flatterband auf Wiesen
Vorlieben bei der Sitzposition
Kompromiss zwischen Endurance und Race
Sprinter, Rouleur oder Kletterer?
Am ehesten wohl Rouleur. Für den Sprinter fehlen die Ellenbogen und die Watt, für den Kletterer zu schwer
Text/Fotos: Jan Gathmann

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