Tipps der Expertin: Wie verhält man sich richtig, wenn man einem Wolf begegnet?
In Hamburg hat ein Wolf eine Frau gebissen und verletzt. Viele fragen sichd deshalb: Was sollte man tun, wenn man auf einen Wolf trifft? Eine Expertin vom NABU gibt Tipps.
Mitten in Hamburg hat am frühen Montagabend ein Wolf im Stadtteil Altona eine Frau angegriffen und verletzt. Das Tier lief danach weiter bis in die Innenstadt und wurde schließlich von Polizeibeamten aus der Binnenalster gezogen und abtransportiert. Nach Angaben der Umweltbehörde hatten mehrere Menschen den Wolf bereits seit Samstag im Stadtgebiet gesichtet, zunächst in Parks entlang des Falkensteiner Ufers in Blankenese, später auch weiter stadteinwärts in Nienstedten und Othmarschen.
Viele stellen sich aufgrund der jüngsten Ereignisse daher die Frage: Wie sollte man idealerweise reagieren, wenn man einem Wolf begegnet? Die Wolfsexpertin Marie Neuwald vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) gibt Tipps, wie man sich in einer solchen Situation richtig verhält.
219 Wolfsrudel leben in Deutschland
Genau wie andere Wildtiere vermieden auch Wölfe ein Aufeinandertreffen mit Menschen meist. "Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland einen Wolf beim Spaziergang zu treffen, ist sehr gering. Vielmehr sehen Wölfe eher Menschen und entfernen sich", so Marie Neuwald. Gänzlich auszuschließen seien solche Begegnungen wie kürzlich in Hamburg aber nicht. Einer Frau, die am Abend im Stadtteil Altona unterwegs war, war plötzlich ein Wolf begegnet. Dass Wölfe derart weit in das Zentrum von Städten laufen, ist ungewöhnlich.
Insgesamt leben laut NABU derzeit 219 Rudel in Deutschland (Monitoring 2024 / 2025) – mit durchschnittlich sechs bis acht Tieren. Wölfe beanspruchen viel Platz für sich: Ein Rudel lebt im Schnitt auf 200 bis 250 Quadratkilometern. Das sei vergleichbar mit der Fläche von Frankfurt am Main oder dem Nationalpark Bayerischer Wald. "In den nächsten Jahren wird die Zahl der Wölfe in Deutschland wegen der guten Lebensbedingungen sicherlich steigen, eine Wolfsbegegnung wird trotzdem nicht wahrscheinlicher. Wölfe sind sehr territoriale Tiere, die ihr Gebiet gegen andere Rudel verteidigen. Somit wird es nicht mehr Wölfe auf kleiner Fläche geben."
Was tun bei einer Wolfsbegegnung?
Wer bei einem Spaziergang einem Wolf begegnet, sollte ruhig bleiben, nicht wegrennen, nicht auf den Wolf zugehen und ihm die Möglichkeit zum Rückzug geben. "Es kann auch helfen zu klatschen, laut zu rufen, sich groß zu machen und sich langsam zurückzuziehen", rät Neuwald. Im Idealfall seien die Rufe nur laut und nicht panisch. Hundebesitzer sollten den Hund anleinen und nah bei sich halten.
Eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf verlaufe in der Regel unaufgeregt. Wer die Möglichkeit hat, könne den Wolf fotografieren oder filmen. Wichtig sei es, den Vorfall an Monitoring-Stellen zu melden, um die Wolfsbegegnungen in Deutschland zu dokumentieren. Seien Wölfe zu stark an Menschen interessiert, könnten Fachleute sie vergrämen, zum Beispiel durch den Beschuss mit ungefährlichen Gummigeschossen.
Gefahr für Wolfsangriffe ist sehr gering
Forscherinnen und Forscher des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) haben untersucht, wie groß die Gefahr eines Wolfsangriffs ist. Die NINA-Studie analysierte Angriffe von Wölfen auf Menschen zwischen 2002 und 2020. Ergebnis: Ein Angriff durch einen Wolf, wie auch durch andere Wild-, Nutz- oder Haustiere, kann niemals völlig ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch äußerst gering, gefährlich ist der Wolf für den Menschen in der Regel nicht.
In Europa (ohne Russland) und Nordamerika gab es im Untersuchungszeitraum 14 Angriffe, zwei davon in Nordamerika verliefen tödlich. "In den allermeisten Fällen haben die Wölfe vorher schon ein auffälliges Verhalten gezeigt. Sie wurden beispielsweise durch Anfüttern an den Menschen gewöhnt und haben ein übersteigertes Interesse an Menschen entwickelt", erklärt Neuwald. Wolfsangriffe weltweit gehen seit den 1950er-Jahren häufig auch auf Tollwut zurück. Ein Angriff wie der jüngste Vorfall in der Hamburger Innenstadt ist hingegen äußerst selten.
Wir haben bereits 2021 mit der Expertin des NABU gesprochen und diesen Artikel aus gegebenem Anlass aktualisiert.