In Basel feiert die DFB-Elf in einem wilden Spiel einen 4:3-Sieg über die Schweiz. Der Erfolg stimmt optimistisch, deckt aber auch auf, an welcher Stelle es im Team aktuell noch hapert. Aus Basel berichtet William Laing Einen wilderen Start ins WM-Jahr 2026 hätte die deutsche Nationalmannschaft ihren Fans wohl kaum bescheren können. Beim Gastspiel in Basel rang die DFB-Auswahl die Schweiz in einer furiosen Partie mit 4:3 nieder. Der alles überragende Mann am Freitagabend im St. Jakob-Park war Florian Wirtz . Der 22-Jährige steuerte zwei Treffer bei, legte die anderen beiden mustergültig auf und unterstrich damit im Alleingang, welche Wucht die deutsche Offensive entfachen kann – schon jetzt, aber auch mit Blick auf die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko in zweieinhalb Monaten. Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigte sich dementsprechend auch zufrieden mit seiner Mannschaft. Sie habe "absolut verdient gewonnen", erklärte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz nach der Partie – und hatte damit nicht unrecht. Allein mit der Torschuss-Statistik ließ sich Nagelsmanns Einschätzung numerisch belegen. 22-mal hatte die DFB-Elf den Ball in Richtung Schweiz-Torwart Gregor Kobel gefeuert. Dessen Team wiederum hatte in 90 Minuten nur siebenmal versucht, DFB-Schlussmann Oliver Baumann zu überwinden. Das Chancenplus spiegelte die deutsche Überlegenheit durchaus wider. Viele Fragezeichen bei DFB-Star: Das Sorgenkind ist zurück Zwei Daten wichtig: Nagelsmann gibt DFB-Kader für die WM im Mai bekannt Probleme an diesem Abend in Basel bereitete aber eben auch nicht die Abteilung Attacke der Nationalmannschaft. Die für Nagelsmann wohl entscheidende Baustelle im Team – das wurde gegen die Schweiz deutlich – bezieht sich auf eine andere Zone des Spielfelds. Vor dem Testspiel in Stuttgart gegen Ghana (Montag, ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online), der letzten Partie vor der WM-Kadernominierung, muss der Bundestrainer die Sinne seiner Spieler vor allem noch einmal für die Arbeit in der Defensive schärfen. Stiller muss Schweizer Gegenstoß "aktiver verteidigen" Zur Wahrheit der nur sieben zugelassenen Schweizer Torschüsse gehört auch, dass drei davon den Weg ins deutsche Netz fanden. Torhüter Baumann konnte einem in diesem Zusammenhang fast schon leidtun. Der Hoffenheimer war bei allen drei Treffern der "Eidgenossen" chancenlos. Seine Vorderleute wiederum hätten den Schweizer Jubel jedoch jedes Mal verhindern können, brachten sich aber teilweise selbst in die Bredouille und ließen in der Folge in ihren Abwehraktionen die entscheidende Konsequenz vermissen. Das 0:1 durch Dan Ndoye leitete Nico Schlotterbeck im eigenen Aufbauspiel mit einem Harakiri-Fehlpass ins Zentrum ein. Der Ball wurde von der Schweiz umgehend abgefangen. Im Anschluss fehlte bei der deutschen Mannschaft jegliche Zuordnung. Rechtsverteidiger Joshua Kimmich hatte seinen Posten auf der Außenbahn verlassen. Auf der verwaisten Seite des DFB-Kapitäns fand Granit Xhaka dann auch mit einer starken Seitenverlagerung Ndoye. Der 25-Jährige konnte ungehindert in den deutschen Strafraum eindringen. Gegenspieler Angelo Stiller agierte viel zu passiv, störte den Schweizer Stürmer nicht richtig. Der bestrafte das mit einem Haken und einem wuchtigen Abschluss ins kurze Eck. "Es gibt zwei, drei Dinge, die ich mit ihm bespreche", sagte Nagelsmann über Stiller dementsprechend nach der Partie bei RTL. "Beim 1:0, finde ich, da kann er noch einen Tick aktiver verteidigen. Da lässt er den Gegner sehr weit in den Sechzehner kommen." Für Stiller und seine Teamkollegen gilt es also, die Passivität beim Verteidigen von Gegenstößen abzustellen. Gegen Ghana, das unter anderem mit Antoine Semenyo von Manchester City einen pfeilschnellen Angreifer auf der Außenbahn in seinen Reihen weiß, steht die deutsche Auswahl in dieser Hinsicht vor einem weiteren Härtetest. Drei Deutsche gewähren Widmer zu viel Freiraum Eine andere Form der Passivität legte die DFB-Auswahl derweil beim 1:2 der Schweizer Mannschaft an den Tag. Auch hier führte ein Fehlpass von Nico Schlotterbeck im Aufbauspiel zum Ballgewinn der Gastgeber. Doch im Anschluss lief die deutsche Elf nicht wie zuvor ins offene Messer, war im eigenen Strafraum die ganze Szene über in der Überzahl. Die Situation schien deshalb auch nicht unmittelbar gefährlich. Das Gegentor musste die Mannschaft aber dennoch schlucken, weil sie Vorlagengeber Silvan Widmer zu viel Freiraum gewährte. Auf der linken deutschen Defensivseite gingen nach Schlotterbecks Ballverlust sowohl Florian Wirtz als auch Leon Goretzka und David Raum nicht wirklich energisch gegen ihre drei Schweizer Gegenspieler vor. Ndoye band mit dem Ansatz eines Dribblings alle drei deutschen Akteure, legte die Kugel dann noch einmal zurück auf Teamkollege Remo Freuler. Und der konnte den sich an der Seitenlinie etwas gelösten Widmer mit einem einfachen Anspiel in Position für eine Flanke bringen. Der Mainzer hatte hinreichend Zeit, den Ball ins Zentrum zu befördern. Der ihn anlaufende Raum war bei der Flanke noch meterweit von Widmer entfernt – und konnte so nicht den entscheidenden Druck auf diesen ausüben. Dass Jonathan Tah in der Strafraummitte dann auch noch Breel Embolo nicht unter Kontrolle bekam, obwohl der Bayern-Profi den Schweizer Angreifer eigentlich eng bewachte, passte ins Bild, war aber letztlich nur das Ende der deutschen Fehlerkette. Die Nagelsmann-Elf hätte das Tor bereits mit mehr Gegnerdruck auf der Außenbahn verhindern müssen. Auch hier hat die DFB-Auswahl in ihrer Abwehrarbeit noch Nachholbedarf. Schlotterbeck zu behäbig, Goretzka ohne Körpereinsatz Der dritte Schweizer Treffer ist in der Nachbetrachtung wohl der am schwierigsten zu verteidigende. Traumhaft beförderte Joël Monteiro den Ball nach 79 Minuten aus rund 18 Metern ins rechte Eck des deutschen Gehäuses. Weil der Angreifer des BSC Young Boys sich im entscheidenden Moment geschickt von seinen Gegenspielern löste. Aber auch, weil die deutsche Abwehr aus dem Nichts unnötig schlafmützig agierte. Denn im zweiten Durchgang hatte die DFB-Elf das Geschehen im St. Jakob-Park weitestgehend unter Kontrolle, auch dank der eigenen Defensive. Monteiros Schuss war der erste Abschluss der Schweizer in den zweiten 45 Minuten gewesen. Doch dieser fand direkt den Weg in die Maschen – und das aus zwei Gründen. Bei Miro Muheims Pass auf Monteiro vor den Strafraum befand sich die deutsche Mannschaft gerade in der Rückwärtsbewegung. Monteiro hatte sich kurz zuvor noch zwischen den beiden Innenverteidigern Schlotterbeck und Tah aufgehalten, sich dann aber gedankenschnell in den Rückraum abgesetzt, um Muheims Anspiel aufzunehmen. Das gelang, obwohl der 26-Jährige in diesem Moment der einzige Gegenspieler für das deutsche Duo war und dieses ihn dementsprechend allein aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit unter Kontrolle hätte bekommen müssen. Doch während Tah Monteiro in seinem Rücken womöglich nicht ausreichend wahrnahm, hatte Schlotterbeck den Stürmer eigentlich im Blick. Der Dortmunder reagierte aber auf Monteiros Bewegung nach hinten zu behäbig, was diesem letztlich genug Freiraum für den Abschluss einbrachte. Heißt: Auch an ihrer Handlungsschnelligkeit, gerade in den Schlussminuten einer kräftezehrenden Partie, muss die deutsche Abwehr noch feilen. Genauso wie übrigens auch an ihrer körperlichen Robustheit. Denn auch Leon Goretzka hätte den Schuss Monteiros noch verhindern können. Doch der Mittelfeldspieler ließ sich vom Schweizer mit ein wenig Körpereinsatz viel zu leicht abkochen. Eine defensive Unzulänglichkeit, die bei einer WM über das Weiterkommen oder das Ausscheiden entscheiden kann. Beim Test gegen die überaus körperbetont spielende Auswahl Ghanas hat die deutsche Mannschaft nun aber direkt die Möglichkeit, all diese Mängel in der Abwehrarbeit zu korrigieren. Die Chance auf eine erfolgreiche Weltmeisterschaft würde das noch einmal signifikant steigern.